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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-08 · 44 (8.11.1918) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
44 (8.11.1918)
Date
1918-11-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 720 Nr. U Dr. Bloch v Wochenschrift Gegensatz, nicht, nebeneinander. Bei aller Spottsucht hat kein Volk mehr Sinn für soziale Gerechtigkeit, für Güte und Wohltätigkeit als das jüdische. Wir wollen es dankbar vermerken, bafe Rolland diese Eigenschaft der Juden rückhaltlos anerkennt. 'Doch seine einschränkende Notiz ist "nicht recht verständlich. Er meint, die , Güte fei bei der Mehrzahl der Juden negativer Natur, höchstens neutral. Sie sei mehr 'Nachsicht, Gleichgültigkeit, Widerstreben Böses zu Lun, ironische Duldsamkeit, hingegen weniger positive Tat. Rolland irrt. An einer anderen Stelle wirft er den Juden tu>x, daß, sie sich zersplittern, zu viel Interessen auf einmal verfolgen. Das ist sehr gut gesehen. Aber nicht, weil — wie Rolland Meint — die Juden mehr an gesellschaftlichen Eitelkeiten hängen als die Nichtjuden., Die Erfahrung spricht vielfach dagegen. Sondern weil es kaum ein Volk gibt, das so Aom Drang zur Tat erfüllt ist, wie das jüdische. Seine ungeheure Impulsivität macht es scheinbar so sprunghaft. In Wahrheit jedoch ist es die Ruhelosigkeit des nach der Tat lechzenden Menschenschlages. Darum konzentrieren sich die Juden dort, wo ihre Tatkraft gehemmt ist und sie sich nicht ausleben kann, auf das Denken und versenken sich in Theorien und Probleme. Das hat Rolland mit intuitivem Scharfblick an den Juden geschaut und in einem seiner lehrreichsten Sätze über das Judentum gestreift. Es kann doch vorausgesetzt werden, daß Rolland von den zahllosen Institutionen gehört hat, die Juden ins Leben gerufen haben. Man darf beinahe behaupten, daß keine Karitative Sache ordentlich gedeiht, wenn sie nicht von jüdischer Tatkraft und jüdischem Gelde gefördert wird. Sehen wir von der Krankenpflege ab, in der wir trotz schönster Ansätze noch itamer weit, sehr weit zu-> rückstehen, gibt es kein Gebiet der Nächstenliebe, auf dem nicht, die Juden positiv Hervorragendes geleistet Hatten. Bei-der geringen Zahl der Juden konnte die Krankenpflege getrost überall dem Hause, der Familie anvertraut werden. Sie war ln unseren Reihen kein Bedürfnis. - deutende gesangliche, musikalische, rednerische Begabung zugesellt, ist unserem Dichter entgangen. Die Prüfung anderer Bemerkungen Rollands über die Juden, mancher tiefsinnigen und wohldurchdachten, von richtigem intuitivem Blick eingegebene Sentenz sei dem Leser allein Aberlassen. Ist es doch nur mein Wunsch, daß die Worte Rollands über Juden und Judentum eifrig gelesen, eifrig geprüft und besprochen werden. Christen wie Juden, die sie so ernst nehmen, wie sie gegeben sind, können sie eine Quelle ernster Läuterung werden. Mit dem Satze Rollands will ich auch meine Abhandlung über den die Juden und das Judentum betreffenden Teil seines Romans „Jean Ehristzof" schließen: * „Indem ich dieses Werk hiermit vollende, widme ich es den freien Seelen — aller Völker —, die leiden, die kämpfen und die siegen werden." ■ güttftttt«. ■ Jerubbaal. Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend. Herausgegeben von Dr. Siegfried Bernfeld. Verlag R. Löwit, Wien. 1. Jahrgang. 4. Heft.. Juli 1918; 5. Heft, August 1918'. Mit Beiträgen von Julius Berger, Dr. Mar Erunwald, Eisig Hillerow'icz, Siegfried Lehmann, Eugen Hoeflilch, Dr. Wilhelm Loewi ufw. Prof. Dr. Wfred FeiWnfeld, DirMor der israelitischen Realschule in Fürth. Grundzüge >der jüdischen Geschichte in nachbiblischer Zeit. Berlin 1918. Verlag'Luis Lamm. Oft «ud West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte-Judentum. Herausgegeben und redigiert von Leo W in z. Verlag ' „Ost und West", Berlin-Charlottenburg. 18. Jahrgang. Heft 10. Oktober 1918. Inhalt: Dr. Simon Bernfeld: Hundert Jahre Wissenschaft des Judentums.— Professor B-on nur Mer Silberschatz der Zülzer Judeugemeinde. Mit 28 Abbildungen.). — Lector: Erziehung zur frohmütigen Kraft. — Aus den Wundergärten der Aggada. I. Die Schöpfung und ihr Schöpfer. — A. Kahn. Der Jahrmarkt von Rohany. I. Novelle. - _ Sonderbar mutet es an, wie Rolland das auffallende schauspielerische Talent der Juden zu begründen sucht. Der ungeheure semitische lleberdrust so lesen wir bei ihm, hat die Tatkraft des Juden gelähmt.' Diesen Entwurzelten des Orients erschöpft sich ihre ganze Energie im _ Denken, in der endlosen Analyse, -die ihnen aber jeden H Mut zur Tat benimmt. Weil nun den Juden eine Rolle? im Leben zu spielen so wenig gegeben ist, und sie sich b(Of{ durch in die 'Sphären des Denkens geflüchtet haben,' darum sind viele von ihnen, die doch tatkräftig sind, Schauspieler geworden. So wollen sie wenigstens das Leben spielen, „weil das die einzige Art für sie ist, es wirklich zu erleben". Sehr geistvoll, aber wahr möchte ich das doch nicht nennen. Das mimische Zahnt der Juden ist viel einfacher zu erklären. Daß die Juden eine besondere Begabung für Musik und Gesang besitzen, weiß jeder, der in der Bibel halbwegs.sattelfest ist. Auch der Tanz ist bei den Israeliten zu Hause gewesen. Fügen wir hinzu die Freude des Orientalen am Pathos, an der großen Gebärde, sodann das' Rednertalent des Orientalen. man denke an die. Propheten Israels, Jo wird uns das mimische Talent der Juden nicht unverständlich erscheinen. Es ist eigentümlich, wie die vorzüglichsten Menschen auf öie seltsamsten Konstruktionen verfallen, auf die merkwürdigsten Haarspaltereien und Tifteleien, wenn sie Judentum und Juden analysieren wyllen. Wie wahr ist doch die Bemerkung Rollands, haß der Mangel an BetHtigungsmöglichkeiten uns Juden vielfach zu Theoretikern, zu blassen, abgekräntelten Denkern gemacht hat! Schade, daß Rolland .diese große Erkenntnis in seine Spielerei münden läßt über das auffallende Talent der Juden zum Schauspielerberus. Daß sich diesem auch .be- I. L- Lassen sie diese Leute nur reden. Den Bankerott der Doppeldeutschen vermag ja doch nichts mehr, aufzuhalten, auch wenn sie die Schuld an dem Unglück noch so eifrig den Juden aufhalsen möchten. Bon wem stammen denn die bis zum Ekel mißbrauchten Worte:' „Man muß 'das. perfide Albion niederringen! Nieder mit den gallischen Feinden, ^amerikanischen Schwätzern etc.?" Auf-die ausgedehnte Kriegshetze der j.,Reichspost" werden wir noch wiederholt zurückkirmmen. K. R. Die Zensur war entschieden antisemitisch. Berichte über Heldentaten jüdischer Soldaten wurden wiederholt gestrichen und Abwehr artikel gegen.antisemitische Angriffe nicht erlaubt. Wir werden Beispiele bringen. Garde: Wir legen Ihnen nahe, sich jedenfalls beim jüvlschen Nationalrat in der Eschenbachgasse zu melden. Wie wir hören, ist eine soHe Organisation im Gltstehen. Karl und Johrr-nriH KopM-Stiftmtg für Waisenkinder aus Win KryOnlannftzlndk, vornehmlich für KriegÄvchsen. . Kaiser!. Rat Karl Koppel hat zur Erinnerung an seine verstorbene Gemahlin dem Gremium der Wiener Kaufmannschaft in hochherziger Weise 110.000 Kronen österreichische Kriegsanleihe mit der Bestimmung übergeben, daß aus dieser. Stiftung Erziehungscheiträge au Waisen solcher Handelsangestellter verliehen werden, welche wenigstens 10 Jahre Angehörige des Gremiums waren'. Bevorzugt werden Waisen, deren Vater im Kriege gefallen, sowie , solche, deren Vater durch die Kriegsdienstleistung vollständig erwerbsunfähig geworden ist. Den Gesuchen, welche umgehend an das Gremium der.Wiener Kaufmannschaft, 4. Bezirk. Schwarzenbergplatz 16, zu richten sind, ist das Geburtszeugnis, die Dienstzeugnisse des Vaters, der Totenschein und ein Armut^eugnis beizulegen.; Xalmudist erteilt Unterricht in allen jüdischen sowie Bürger- und Realschulfächem. Unter »Gewissenhaft« an die Redaktion. . G. Hs'-ausgebsr und verantwortlicher Redakteur: Dr. Jrkek 8. Dkoch- — Druck vou 8. Beck & Sohn. Wien Vif.

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