Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 44 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sstk 718 Dr. Bloch's WochLNschrtft Sb. 44 üllem die besitzenden Juden seinen edlen Bemühungen mehr Interesse entgegengebrajcht Hütten. Die Erfahrungen, die der Verstorbene in dieser Hinsicht gesammeA hat, waren geradezu beschL-' inend für uns alle. Vielleicht finden sich Institutionen, die dieses kostbare Material, das von unschätzbarem Gegenwarts- Prd Zukunftswerte sein kann, möglichst vollständig erhalten und verwerten Werden. ES wäre eine Pflicht der Pietät gegenüber diesem arinen Toten, den, wie ich vernehine, blotz wier Freunde zu Gra.be g-e'^ tragen haben, wobei Rabbiner Dr. Feuchtwnng in einem schönen 'Nachrufe seines verdienstvollen Wirkens gedachte. Ehre Jeincnt Angedenken! __ ' 23 . . .?. Wim. .Der.Jüdische.Nationalverem in Oesterreich veranstaltet m Verbindung mit den^ jüdischen Frauenorganisationen Wiens eine Versaminmng am Sonntag den 10. November um 4 Uhr nachmittags im Neichs- HMensaale, 1. Bezirk, Dorotheergasse 6, mit der Tagesordnung: „Die 'Aufgaben der jüdischen Frau". Es Werden sprechen Frau Anitta Müller, Frau Erna Datak, Frau Eva Salz, Fräulein Rahakyn u. a. Austritte aus dem Judentum. Vom 27. Ottober bis 2. November 19-6. Brix (Bri^gö), geb. Varrmfeld Eiser. Jnnenarchitektensgattin, geb. 5. März 1880 Wien, 3. Bezirk, Linke Bahngasse 15. Engel Maüe, ged. 2t. April 1698 Wien, 2. Bezirk, Ferdinandsstraße- 23. Frisch Julius, Kaufmann, geb.- 5. Oktober 1873 Men, 1. Bezirk, Schotrenriug 33. Haas Alfred, Beamter, geb. 27. August 1893 Olmütz, Wien, 2. Bezirk, Obere Donaustraße. Hoffman« Erwin. B-:!riebsarbeit:r, geb. 12. August 1894 Wien, 2. Bezirk, Fugbachgaffe 14. Kohu Rudslf. Bankbeamter, geb. 17. Jänner 1898 Wün, 3. Bezirk, Novaragaps 48. Lipiuer Siegfried, geb. 11. August 1894 Wien, 2. Bezirk-, Praterstraße 56. . Prsker Julie, geb. 5. Dezember 1889 Wien, 6. Bezirk, Linke Wienzeile 52. . Pallak geb. Neum-ruu Marianne, geb. 1. Februar 1894 Neichenberg, Böhmen. 6. Bezirk, Loquaiplatz 13. Popper Elsa. Verkäuferin, geb. 3. Mai 1895 Men, 2. Bezirk, Novaragaffe 6. Steiugraber M»r z Rittureister von. Oberrevidentim k. k. Eisenhahnniinisterium. geb. 13. September 1872 Wien, 9. Bezirk, Miitcrsteig 15. - Steru Slauka. geb. 1. Juli 1897 Wien, 1. Bezirk, Landesgerichtsstraße 18. Weiß Sirginund, Reisender, geb. 9. Jänner 1866 Kozlow, Galizien, 20. Bezirk, Brigittenauer Lände 58.' Wolfeustei« Hans, dzl. in militärischer Dienstleistung, Beamter, geb. 18 ^4 Wien. Publikation des Talmiud in Kanada. „Anglo Ieroish Preß,Agency" meldet, daß ein jüdischer Verlag in Montreal die.Publikation des babylonischen TglmUd in 18 Bänden fortsetzt, die.in Wilna begonnen, aber durch den Krieg unterbrochen morden war. Die Arbeit liegt in den Händen der orthodoxen Rabbinerunion von Kanada, die von Rabbiner Jsak Elchana (am' isheologischen Seminar in Newyork) unterstützt wird.' Die MÄrzmische Expedition der amerikanischen Ziomstm. Die Medizinische Expedition der amerikanischen Zionisten hat, wie die „Anglo Jewish Preß Agency" meldet, ihren Haupt sitz in Jerusalem aufgeschlagen. Sie ist im Rothschild-Spital untergebracht und hat im Jnterl esse des Gesundheitszustandes der Bevölkerung sanitäre Vorschriften erlassen. _ EiAL SakoMer Kolsnre in PaLMM. In dem in Saloniki erscheinenden jüdischen Blatt „Pro Israel" wurde letzthin der'Gedanke der Gründüng einer Kolonie aus Saloniker Juden in.Palästina geäußert. Es ist vorgeschlagen, daß zunächst zehn Familien aus Saloniki nach Palästina auswandern sollen, uM dort eine landwirtscha ftliche Siedlung zu gründen, der sich später eine größere' Anzahl Juden aus Saloniki anschließen sollen. Der Ort der Kolonie ist noch nicht bestimmt, immerhin wird. verlangt, daß, dieselbe in der Nähe eines Eisenbahnknotenpunktes errichtet und nnt Zufahrtsstraßen und guten Wegen errichtet werden soll. Die „Anglo Jewish Preß Agency" meldet, daß die griechische RegierungThre Zustimmung zur Bildung einer Palästinalegion aus Saloniker Juden gab. Feuilleton. Kowarrr Msiland iw Jearr Christof Aber J«dKW rmd IndsNtirm. Von Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. (Schluß.) , ■ ' XII. ,; ■ ■ ' Zu Rollands Worten über die Bibel, über die Ironie und den Schauspielerberuf der Juden. Auf die geradezu klassische Kontroverse über die Bibel und die alLisraelitische GotLesidee zwischen Olivier und Christof mache ich Meine Leser besonders' aufmerksam. Die alte Streitfrage über Jahwe, den zürnenden, grausamen Gott, ist auch hier Kernpunkt der Debatte. Nur daß hier Christof die Tatsache zugibt, daß der Gott Israels ein wilder, gewalttätiger Gott sei, dabei aber bekennt, daß ihm die GotLesidee des neuen Testaments zu flau wäre, „die Bibel ist das Knochengerüst der' Völker, die leben wollen". Allerdings hätte auch Olivier anders gesprochen, wäre er in der vergleichenden Religionsgeschichte bewandert gewesen. Er hatte dann weder über die Flüche in der Bibel gestaunt, die in allen alten Religionen die größte Bedeutung hattennoch über harte und grausame Strafe sich-gewundert, die zuip Rüstzeug des religiösen Lebens der gesamten alten Welt gehört hat. Selbst das, was ihm das entsetzlichste--von allem zu sein scheint, daß Gott dem Propheten zuzurufen imstande ist: „Verstocke das Herz dieses Volkes und -laß ihre Ohren hart sein, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren, noch verstehen mit ihrem Herzen, und sich bekehren und genesen", selbst das wäre ihm dann nicht mehr entsetzlich gewesen. Gott will keine Besserung! Für uns sicherlich ein furchtbarer Gedanke. Nicht aber für die gesamte ulte Welt. So sagt Rhode in seiner Analyse des Aischylvs (Psyche II, S.- 230): „Die Gottheit selbst öder ein von ihr gesandter Rächegeist treibt die mit erblichem Frevelsinn Belasteten zur bösen Tat: nicht... aus persönlichem Rachegefühl, Zorn oder Bösheit, sondern, aus Gerechtigkeit, mit „gerechtem Trug", damit das Maß des Frevels voll werde und' die göttliche Strafgerechtigkeit eine Handhabe finde.zu voller.Befriedigung". Nur so sind.Stellen, wie die von Rolland zitierte jesaianische und ähnliche aufzufassen, dann verlieren--sie teilweise -wenigstens auch für uns religiös. empfindsamere Menschen ihren Schrecken. Daß durch die Kanonisierung der Bibel so manche Rudimente aus primitiver Religionszeit in unser eigenes religiöses Leben zum Schaden für, die Entwicklung der jüdischen Seele sich hinübergerettet haben, sei ohne weiteres zugestanden. Das Schicksal aller Büchreligionen. 'Wer wollte aber vergessen, daß dieser gewaltige ^Gott die Worte an die Menschheit erließ: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ich bin Jahwe." .(Lev. 19, 18.) ,-Der Fremde, der unter euch wohntf sei dem Einheimischen gleich. Liebe,ihn wie dich selbst." (Das., V. 34.). „Du sollst kein Verlang.en tragen nach dem Hause deines« Nächsten: seinem Weibe, seinem Sklavien, seiner Sklavin .... ." (Er. 20, 16f.) „Siehst du den Ochsen oder den Esel deines« Feindes umherirren, führe ihm das Tier wieder zu: siehst du