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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-11-08 · 44 (8.11.1918) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
44 (8.11.1918)
Date
1918-11-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 712 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 44 Sonstige Auszeichnungen. Der deutsche Kaiser hat dem OberleutnantaudiLor Dr. Emänuek Thieberger das Eiserne Kreuz 2.Klasse verliehen. Der städtische Lehrer und Religionslehrer Zerr Ludwig Eoldenberg wurde mit dem Signum laudis mit den Schwertern ausgezeichnet. «'Leo Krüuberg. 'WD 's-' ^2 Der Rechnungsunteroffizier Leo Gründers, 34 Jahre alt, der seit Kriegsbeginn eingerückt war, in der letzten Piaveschlacht kämpfte, für tapferes Verhalten das Karl-Truppenkreuz und die bronzene Medaille erhalten hat, ein guter Jude, einst auch als Solist im Chor des Stadttentpels. tätig, ist am'.7. Oktober d. I. an Typhus gestorben und. in Cividale (Italien) auf dein dortigen Friedhof beerdigt worden. Um ihn trauern Geschwister und zahlreiche Freunde. Aer Zeit- und Siegftieden. Steiermärkische EhriMchsoMle gegen Deutschnationaks. Das „Grazer Volksblatt", das Organ der steiermärkischen ChriWchsozialen, sagt in seiner Nummer vom 30. Oktober den unentwegten deutschen. Vertretern des Siegfriedens die Wahrheit. Ohne Verleumdungen der Juden geht es natürlich nicht ab, aber die Leute aus deM teutsch-antisemitischen Lager werden dabei so hell beleuchtet, daß Vorwürfe gegen die Juden daneben ganz verblassen. Der Artikel heißt: „Glossen züm Deutschen Volkstag — Ernste Mahnungen eines Patrioten" und lautet : Der dritte Deutsche Volkstag in Graz war eine erhebende Kundgebung deutschösterreichischen Lebenswillens in diesen bangen Schicksalsstunden unseres Volkes. Er hätte würdiger verlaufen können, wenn einige Entgleisungen der Redner und einige.taktlose Zwischenrufe einer freilich verschwindenden Minderheit ausgeblieben wären. In den fiebererregten SoMmertagen 1914 war ich ein begeisterter Anwalt des Krieges, dessen Sturmeswehen alle Miasmen aus unserem lieben Oesterreich wegzufegen schien, in dessen erster idealer Begeisterung sich alle Rationen der Monarchie in reichs- und kaisertreuem Opfersinn fanden, so daß die jahrzehntelange Sehnsucht aller Patrioten, ein starkes', einiges Eroßösterreich, ein glücklicher Völkerbund sich gegenseitig achtender, miteinander wetteifernder Nationen, Naumänns Mitteleuropa im kleinen, erreicht schien. Aber schon als ich Lei der ersten Musterung behalten, als/öffentlicher Beamter aber enthoben, wurde, schämte ich mich hinter dem 'granatstcheren Schreibtisch. Scharfmacher zu sein, während meine Volksbrüder zerfetzt, zerschossen, unter tausend Schmerzen in den Schützengräben lagen. Und als der Weltkrieg immer entsetzlicher wurde, der Geist von 1914, dessen wunderbares Erlebnis uns allen unvergeßlich bleibt, immer mehr entschwand, als die innere Kraft Deutschlands und vor allem Oesterreichs sich stets mehr und mehr zersetzte, da liehen sich die bangen Zweifel uM den Endsieg immer weniger bannen. Begeistert begrüßte ich Kaiser Karls hochherzige Friedensbemühungen, immxr widerlicher wurde Mir die alldeutsche KriegsundSiegfriedenshetze. Wie schmählich war die alldeutsche VersaMMkungssprengung im Rittersaäle, ocks Professor Ude über den Verständigungsfrieden sprechen wollte. Es waren Meist enthobene „Unentbehrliche", die von eineM Kriegsende nichts Missen wollten. In den bübischesten Ausdrücken ergingen sie sich über die Dynastie. -Welch ein Glück für Deutschland, für uns alle, wenn damals durch den Kaiserbrief der Friede erreicht worden wäre. Elsaßf- Lothringen bliebe als autonomer Bundesstaat Lei Deutschland, seine Kolonien wären unverloren, seine Dynastie erhalten. Belgien und Rordfrankreich Müssen Heute in verlorener Schlacht geräumt werden, wir hätten das Trento .weggegeben, das wir auch heute abtreten Müssen. „Sirt du's, da hast es!" könnten wir heute diesen „unentbehrlichen" Alldeutschen zurufen, die damals mit Behagen die schmutzigsten Ententelügen über das Kaiserhaus verbreiteten. Das Voll der Deutschen hat seit jeher seinen Herzögen die Blutstreue bis in den Tod bewahrt. Rassefremden Elementen blieb es Vorbehalten, den Jahrtausend alten deutschgermanischen Kaiserglauben zu erschüttern. Mit Recht nannte G a t 1 e r M a y e r den Weltkrieg den Krieg des jüdischen Weltbundes..gegen die beiden letzten starken, von falscher Demokratie "noch Nicht durchseuchten Monarchien. Im deutschen Reichstag war es ein Kohn, der dem deutschen Volle die Schmach abnahm. auf Wilsons Befehl die Absetzung der Hohenzollern zu verlangen. Bei uns sind es auf Befehl des Dr. Adler koh —nationale Alldeutsche, die die Entfernung der uM Deutschland hochverdienten Habsburger verlangen, die es Mit Genugtuung erfüllt," daß, Oesterreichs Großmacht in Trümmer geht. Wenn der Kampf uM die monarchische Idee in unserem deutschen Dolle entbrennen soll und die Treue zur Krone zur „Frage" der Nationalversammlung oder einer Volksabstimmung werden soll, dann müssen wir unsere Reihen schließen. Heute gilt es aber, schon fürdiesen Kampf uns vorzubereiten. Wenn das Judentum' diesen Zankapfel in unser Voll hineinwirft, dann soll auch das ganze Voll von seinem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machen." TstmisfioW WS PrWAerchn W Wimm ishchelitischM KuttiMetmIeiade Dir. ÄWed Stern. Inder mit 5. November b. I. stattgchabten Plenarsitzung des' Vorstandes Wx Wiener israelitischen Kultusgemeinde legte 1>er Präsihient Dr. 'Alfred 'Stern,'der vor .einigen Tagen seine Demission gegeben hatte/ die Gründe derselbe^ ausführlich! dar. Fih'r ihn sei nicht hohes Alter oder geschwächte Gesundheit bestimmend gewesen, sondern die Uebeitzeugung, daß der deM Vorstände. zur Beschlußfassung vorliegende KoNtpromißantrag. mit der Mischnationalen Partei eine Legitimierung des vor einigen Tagen konstituierten „Jüdischen Nationalrates für Dentschösterreich" beinhalten würde, der er 'für seine Person absolut nicht zusammen könne. Er mißbillige insbesondere die Bestrebungen WS Jüdischen Nationalrates hinsichtlich d>er Schaffung eines besonderen Katasters', den er für die Judenschaft Wiens und! Deutschösterreichs als in hohem- Grade verderbliche ansehe. D,a er'jedoch der von anderer Seite erhofften friedlichen Austragung der. Gegensätze nicht iM Wege stehen wolle, lege er seine Stelle als Präsident der Kultusgemeinde nieder. Nach Abgabe feiner Erklärung entfernte sich, Zerr Präsident Dsr. Alfred S t ern aus dem -Sitzungssaale. Nachdem mehrere Vorstandsmitglieder sowohl zum' Kompromißantrag wie zur Djemtssionserklärung des Präsidenten das''Wort ergriffen hatten, wurde Lei der WstiMMung mit Stimmenmehr-- heit die erfolgte Demission' des Präsidenten unter dem Musdrucke innigster DaMarkeit für sein bisheriges Wir-. Ven und unbegrenzter Verehrung für seine Person mit ti'efsteM Bedauern zur Kenntnis genommen. Hiebei war für die Mehrheit des Vorstands die Erwägung müß-

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