Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 44 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 44- Seite 710 Dr. Bloch's PersaMmüEM Mischer SoWaten in Wie». 2m Hotel Bayerischer Hof fand eine vom jüdischen Nationalrat einberufene Versammlung von jüdischen Offizieren und Mannschaftspersonen statt, an der ungefähr zweitausend Soldaten teilnahm'en. Die jüdischen Soldaten hatten an Steile der Rosette auf den Kappen Kokarden in den nationaljüdischen Farben — blan-weiß — angebracht. Da sich an der Versammlung auch einzelne sozialistische Soldaten von der „RotenEard e" eingefunden hatten, taM es stellenweise zu turbulenten Szenen, denn die überwiegende Mehrheit her Versammlung wendete sich Legen die roten Gardisten. Staatsbahnrat Ingenieur Robert Stricker begrüßte namens des Mische i Nationalrates die Soldaten und führte aus, daß dis jüdischen Massen zum SelbstbZwußtsein erwacht seien und nicht Mehr ungerechtfertigte Angriffe erdulden würden. Den Antisemitischen VKwürfen, daß die Juden nur Kriegsgewinner und Drückeberger seien, werden die jüdischen Soldaten, die an allen Fronten ihr Blut vergossen haben, und die zum nationalen Bewußtsein erwacht sind, entgegenzutreten wissen. Unter stürmischem Beifall sagte der Redner, daß England, Frankreich, Amerika und Rußland das jüdische Volk anerkannt. haben, und daß England unbedingt den Juden die alte Historische Heimstätte in -Palästina zugesprochen habe, die auch auf dem Bölkerfriedenskongreß den Juden werde übergeben werden: , Leutnant Dr. Plaschkes begrüßte namens der jüdischen Soldaten die entstandenen.neuen Nationalstaaten. „Wir begrüßen vor allem," sagte er> x das deutsche Volk in Oesterreich. Aber auch wir Juden haben Pflichten in diesem Staate, wir dürfen nicht abseits stehen, wir wollen auch Rechte haben. Unser Zweifel muß gelöst werden, bevor wir den Efd aujl die schaffende de.utschösterretch,ische Armee adle gen.'Der jüdische Nationalrat, den wir einzig und allein als die berufenen Vertreter der jüdischen Soldaten anerkennen» , wird sich Mit dem deutschösterreichischen Nationalrat auseinandersetzen, und ehe wir nicht die volle Anerkennung unserer nationalen Rechte erhalten, werden wir keinen Eid leisten."! ReichLratsabgeordneter Dr. Straucher forderte die jüdischen Soldaten auf, hmter den jüdischen Nationalrat geschlossen dazustehen zur Abwehr, aber auch zuM Kampfe ' bereit. Die Rede eines sozialdemokratischen Offiziers, Leutnants Dr. G ro ßMann, erweckte den lebhaftesten Widerspruch der Versammlung. Unter tiefem Eindruck aus die Versammlung warnte der mit der goldenen TapferkeitsMedüikle dekorierte invalide Oberleutnant Walla die jüdischen Soldaten vor deM Anschluß an die rote G arde. Nach-' deM noch Mehrere Redner gesprochen hatten, wurde eine Resolution angenoMMen, mit der sich die Versammlung deM Mischen Nationalrat als . der einzig berufenen Vertretung aller Juden in Deutschösterreich zur Verfügung stellte. Die Anwesenden verlangen int neuen Staate Anerkennung der jüdischen Nationalität und nationale Minderheitsrechte und erneuern die Forderung auf eine rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. __ Ein jüdisches MinWriuM in Palästina. Warschauer Blätter berichten, daß England mit Zustimmung der amerikanischen Regierung ein jüdisches Ministerium in Palästina eingesetzt habe, dem die ang ersehen sten Zionisten der Alliierten angehören. An der Spitze dieses ^Kabinetts .steht der Führer der amerikanischen Zionisten, Oberrichter Louis B rand eis. , Wochenschrift KsopoN HoroWitz. Bon David Kohn. III/ Die von der Wiener Künsttergenoffenschaft veranstaltete GedächMisäusstelluNg gibt uns ein Lebensbild . des Meisters, jaber nidyt seiner Schaffenskraft und seines Ärb eitsreichtuMs. Sie dürfte iM ganzen kaum 50 Gemälde und Zeichnungen fassen — 'eine 'Klaffiker-Prachtausgabe, aber keine vollständige. Wir vermissen das Bild von Koloman Tisza, das große Bild, des 'Grafen Lanckoronski, der Selma Kurz, des Fürsten Radzüvill. Zu diesem Bild hftt Horowitz eine Kvpfstudie gemalt, die zu feinen besten Arbeiten gehört, zn dem Bestenj> dass die österreichische Kunst in den letzten.Jahrzehnten herborg ebhacht hat. DM große Porträt des.Kaisers Franz Josef in ganzer Figur, ein Kinderporträt eines Barons. Rothschild, das des Dir. Natansohn, des Schwiegersohnes des Meisters und viele -andere hervorragende Bilder, die in großen Ausstellungen Aufsehen erregten, fehlen.. Tie in den verschiedenen Ländern, wo Horowitz gelebt' und! gewirkt, zerstreuten Bilder wären jetzt schwer öder gar nicht erreichbar. Wie großdie Zcchl feiner Porträts, die zwischen dem Rastelbinder und dem Kopernikus entstanden, kann ich nicht — auch nur annähernd ,angebeniaber-die hier veceinigten Bilder bilden nur einen kleinen Teil seines!Überveicyen Leblenswerkes. Mas vor jalle'M in dieser Ausstellung betont werden muß — und darin dokumentiert sich währe Größe — es ist keine Monotone, -ermüdende oder langweilende Bilderschau. Jedes einzelne Bilch jede Zeichnung ist als >c litt jGMze's für sich interessant und keine Wiederholung. Eine Äollekturausstellung ist im allgemeinen ein gewagtes Untern-chMen. "Der Ausruf des Besuchers — genüg des Guten — ist oft gerechtfertigt, er wird MiDe, wenn ihMbei so Aelm Arbeiten keine Abwechslung in Auffassung und Technik geboten wird. So sagte einmal ein geistreicher Wiener Kritiker: Gesamtausgabe'feiner Werke verträgt nur ein hervorragender Schriftsteller. Dasselbe läßt sich vom bilden' den Künstler sagen. Aber Horowitz ist Schöpfer in jedem feiner Werke, er gibt imMer ein Stück Natur, und seine Technik ist nicht aufdringlich — er schildert so währ, das Ungekünstelte seiner Kunst wiE so MerzeNgend, daß feine Technik nicht beachtet w'ftd — sie ist ihm lediglichein Behelf, zur Wiedergabe der Natur. Seine Bilder' zeigen immer wieder eine neue Wahrheit, ein anderes Stück Leben, eindn mit ti-efeM Verständnis gewählten Ausschnitt der NatNr, voll 'Reizsin Zeichnung) Ton und Farbe. Der Engländer hat für das deutsche Wort Stirm mung keinen äquivalenten Ausdruck in seiner Sprache. So viel ichmit estglischeN und jaMerikanischen Künstlern verkehrte — ich hörte immer vev^ nies in Stimmung, Ilarmov^ ist dem englischen' und amerikanischen Künstler etchas anderes. Bei Horowitz finden wir dies bestätigt. In feinen Bildern ist StimMlung Und ' Harmpnie. ^Nur ein Bild in dieser Ausstellung, welchem beide Qnalitäten nicht zugesprochen werddn können, es ist das im Jahre 1917 gemalte Selbstporträt, welches utriert 'in der Farbe! -erscheint. (Wahrscheinlich!. durch Nachpunkeln uito Ver-, änderung der Farben hiervorgerufen.) Schade,"'daß das Selbstportr-ät in den Uffizien nicht hiier gezeigt werdep konnte. Zu den reizvollsten Bildern geh-ört das Porträt der Tochter des MdisterF, Dp. Stefanie. Die Verkürzung dcks Körpers ist so kunstvoll gelöst und dabei so natürlich!,, Kopf und Hände so voll -Reiz).das ganze Ärrangemenl'sol duftig uitd von tiefer Farbenwirkung trotz des helleni Lichtes, daß diesem Bilde ein Ehrenplatz in der Bster'- re'ichischen Kunstgeschichte gesichert bleibt. Nicht weniger veiAholl ist das BW her Westen Tochter, FrauDr.Natansöhn. Dias feine 'Kolorit mit deM seingestimmten 'Rot und! der Reiz des unfertigen Beiwerks sind unübertrefflich.