Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 43 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 700 Tr. Bloch- Austritte aus demJudentum. Vom 20. bis 26. Oktober 1-913. Wafer Marra-me, geb. LuMg, geb. 13. Dktober 1893 Wien, 4. Be- - zirk. Viktorgasse 0. - Wafer Viktor Dr., Bankbeamter, geb. 5. September 1685 Wien, 4. Bezirk. Viktörgasse 9. ' HammerjHiag WaZette, geb. 9. April 1890 Wien, laut Zuschrift der k. k. Bezirkshauptmannsichast Pardubitz. Mchü» Brttr, Erpedientin, geb. 23.'Oktober 18^5 Wien, 16. Bezirk. Ganglbauergasse 22. schmucker Karl, Fähnrich, geb. 16. Juni!1899 Ctzernonntz, 4. Bezirk, Blejchturmgasse 28. __ \ . Bjaben bei Wien. Hier verschied Herr Jakob Schick, gewesener Kaufmann In Krems a. d. Donau, int 88. Lebensjahre. Eine Tochter des Rabbi Elijahu Gutmacher verschieden. In Budapest ist in der Nacht zum 24. Oktober <18. Cheschwan) d. I. Frau Ernestine Tarlau. Tochter des wegen seines heiligen Lebenswandels, seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit sowie wegen seiner gemeinsam mit Rabbi Zwi Hirsch Kaki scher verrichteten Arbeit zur Kolonisation Palästinas berühmten und verehrten Rabbiners von Thorn und Grätz, eines sanften Todes verschieden. Die Heimgegangene lebte im Geiste ihres hochseligen berühmten Vaters in strengster Frömmigkeit und starb im hohen Greisenalter wie eine Heilige, mit dem „Sch'ma" auf den Lippen. Ihr Angedenken bleibt gesegnet. _ Prag. <Konzert.) .Vorige Woche gab es in Prag einen Sonatenabend, der ebenso genußreich wie interessant genannt werden konnte durchgeführt von den bei-, den begabten Künstlern,. Herrn Vittorio Vorri, Mit- - glied des Wiener Konzertvereines, und der bekannten Pianistin Gisa Singer. Der Saal des „Mozarteum" war von einem infolge der herrschenden iGrippe nur mastig erschienenen, aber erstklassigen Publikum! gefüllt, welche mit steigendem Interesse den Darbietungen, enthaltend Sonaten von. Beethoven, Brahms .und Rich. Strautz, folgte, um am Schlüsse mit rauschendem Beifall und herrlichen Blumenspenden für Fräulein Gisa Singer sich dankbar, zu erweisen, so daßj, wie. . die „Bohemia" schreibt; ein weiteres Auftreten der beiden VirLudfen als wünschenswert bezeichnet wird. Stcatznrtzi. Herr Grnreinderat Dawid Weiß b‘"! ist am 9. Oktober im Alter von nur /54 Jahren aus1 dem Leben geschieden. Der Verstorbene genoß in Stadt und Gemeinde SLraßnitz hohe Wertschätzung und erregst sein frühes Hinfcherden aufrichtige Teilnahme. In allen Institutionen unserer Gemeinde war er ehrenamtlich tätig. Von wahrem, jüdischem Geiste beseelt,. fand er seinen Stolz und . reiche Genugtuung chari'n. einer der Erhalter des täglich in unserem Tempel stattsindenden Morgen- und Abendgottesdienstes zu sein. Während der Kriegszrii wirkte er besonders fegenvoll in der Wohlfahrtskommisfion für israelitische Flüchtlinge und war sein Bestreben stets darauf igerichtet,. den bedürftigen Glaubensbrüdern hilfreich bsi^ustehen. Es diene seiner Witwe und Angehörigen zum Tröste, daß ihm in allen Kreisen seiner Freunde und Bekannten - ein ehrendes Andenken bewahrt bleiben wird. Kkatau. Mittwoch s den 23. Oktober wurde dem verewigten Großrabbiner Abraham Markus Kl in borg, genannt Zaletschtiker Rabbi s. A., ein Denkstein aus seinem Grabe aufgestellt. Tausende Vevchrer des Verstorbenen waren aus Nay und Fern herbeigeeilt, um das Andenken des berühmten Rabbi zu ehren. Der Sohn und Nachfolger des Verewigten, Oberrabbiner Sckj Kttuberg hielt am 'Jahrzeitstag. seinem Vater die Gedenkrede, die auf die Tausende Zuhörer einen ergreifenden Eindruck gemacht. Wochenschrift! Nr. 43 llowciu Rolland im Iea« Christof Sber Juden und Judentum. Von-Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. . (Fortsetzung.) . Die Rolle, die er die LiteraLllrjudeu spielen läßt, treibt jedem aufrechten Juden die Schamröte ins Gesicht: es ist die Rolle des Verräters, des Denunzianten, des Meineidigen, dessen Dienste map sich gefallen läßt, dem man aber die Hand zu reichen sich wohl hütet. Bei solcher Anschauung über die Bedeutung der Juden für die literarische Welt im Zeitalter der Zersetzung ist es kein Wunder, wenn Rolland den edlen Olivier sprechen läßt: „Allerdings nehmen-sie in diesem Augenblick einen Platz ein, der in keinem Verhältnis zu ihrem wahren Wert steht. Sie nützen die politische und sittliche Anarchie von heute aus und tragen viel dazu bei, sie zu vergrößern, aus angeborener Neigung - und weil sie sich dabei wohl fühlen." Wäre Rolland Judenfeind, könnte er nichtbösere Worte gefunden haben. Weil er es aber nicht ist, weil er durch seinen herben Tadel nur veredeln, bessern will, darum mag sein Urteil schmerzen, aber zugleich sei es uys ein mächtiger Wegweiser zur Umkehr, ein Mahner zur Läuterung. Denn wir vermögen es! nicht zu leugnen, daß Gestalten gleich Kohn-Hamilton, und Levy-Eoeur aus dem Leben lgegrUen find. Sie sink» da,- Md nicht gerade in geringer Zahl, wenn auch die meisten von ihnen als Täuflinge, in allen Ländern, die den Juden den freien Eintritt in ihre Külturwelt gewährt haben. Die herrlichen Worte Jean Christofs-: „Jedes Volk fühlt heute das zwingende Bedürfnis, feine Kräfte zu sammeln und Abrechnung aufzustellen. . . Jedes Volk mutz sein Gewissen prüfen und sich genau darüber Rechenschaft gblegen, was es ist und was ihm gehört, bevor eS mit den anderen in das neue Jahrhundert tritt", sie gellen, wie wir es; schon sagten, . in völlem Matze auch uns Juden. Auch unsere Pflicht ist mit unS selber abzurechuen, uns selbst zu prüfen, unbekümmert um Freund oder Feind, einzig und allein in Sorge um unsere Zukunft. ES ist wahr: die Juden > sind die begeistertesten Anhänger alles- Schönen, Guten und Edlen, fcas1 neu ins Leben 'gerufen werden soll; - sie nehmen sich warmherzig aller aufstrebenden Talente au, sie sind bereit, die größten Opfer zu bringen für neue, grotze, weltbeglückende Ideen und Ideale in der Kunst, in der Wissenschaft, in der Politik. Männer wie Mooch und Felir Weil gereichen jedem Zeitalter zur Ehre und zum Segen. Ebenso wahr ist es aber, datz sich so manche Juden in das innerste Leben der Völker hineindrängen ohne hineinzugehörsn. Menschen, die nur verderben und zerstören, die eine gewisse äutzere Geschicklichkeit besitzen mit der Feder zu hantieren und sich dann das' Recht arrogieren dreinzureden und das Edelgut einer jeden Ration nach ihrem.verdorbenen und verbogenen Sinn modeln und beherrschen zu dürfen. Solches Tun kann nur Hatz bringen.'Riederreißen, um auf-, zubauen, wird jeder respektieren, aber zersetzen, aus purem Vergnügen an der Zersetzung, an „der Zersetzung bis zum Aeutzersten", ist unheilvoll Und das taten und tun noch immer so Manche dieser sich selbst überschätzenden Literatur- und Pressejuden, die die wurmstichigen Einrichtungen der Vergangenheit nicht anfeinden, um sie zu reformieren, sondern um Vorteile aus ihnen herauszuschlagen. Datz sich dann der Rationalismus in erster. Linie gegen 'diese Juden und generalisierend gegen alle Juden wendet, ist nicht befremdend.