Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 41 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022342--27260-3052666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite €66 Dr. Btoch'S Wochenschrift Nr. 41 Löbliche Redaktion! Als Abonnentin Ihres Blattes seit dessen erstem Erscheinen, als treue Jüdin, die aus Sehnsucht nach dem Lande der Väter Palästina bereist hat/ gestatten Sie mir, im Namen tausender Ihrer Abonnenten zu sagen, daß ich mit der Tendenz Ihres' so glänzend geschriebenen'Artikels' über Bestimmungspflicht und Selbstbestimmungsrecht durchaus nicht einverstanden bin. Unsere Meinung geht dahin, daß wir Juden, unter welcher Nation immer wir leben, ihr mit Leib und Seele angehören sollen und uns nicht absondern. Unsere erste Ausgabe, zu deren Lösung der geschätzte Herausgeber dieses Blattes ja so mächtig bxigetragen hat, wäre, uns gegen die Dummheiten des Ritualmord glaub ens und Antisemitismus in Zeder Sphäre, in der "wir in der Gesellschaft stehen, wehren, und auf alle Art dafür zu sorgen, daß diese zwei Ungerechtigkeiten aus' der Welt geschafft werden. Vor allem Müßte die höherstehende Gesellschaft ehrlich milhelfen und trachten, daß, den Arbeitsfrohen und Tüchtigen nicht die Türen zugeschlossen werden, weil sie Juden sind, daß endlich der Satz: ^„Alle Nationen und Konfessionen haben gleiches' Recht" im Staate zur Wahrheit würde. Dann werden alle Juden, wo sie auch immer leben und ihre Eristenz haben, zufrieden sein und Oesterreich hätte an ihnen wohl-die treuesten und besten Untertanen. Daß auch Minderwertige unter uns sind, ist ja wahr, Aufgabe eines wissenschaftlichen Statistikers bleibt es, ganz ehrlich zu berechnen, wo der Prozentsatz der schlechten Menschen kleiner ist als bei uns. Wien, Oktober 1916. In vorzüglicher Hochachtung Eine für Viele. Nachschrift der Redaktion: Die ..Oesterr. Wochenschrift" ist kein Parteiblatt, sondern ein Organ für die jüdische Gesamtheit. Jede Parteimeinüng hat ein Recht, in den Spalten der „Oesterr. Wochenschrift" sich Gehör zu verschaffen und gum Ausdruck zu gelangen. „Knopfmufeum Waldesianum" m Prag. Die Prager Iudenheit erlebte am 25. Septembe d. I. einen Ehren- und Freudentag. An diesem 'Tage übergab der Großindustrielle Herr Heinrich /W ald es fein neugeschaffenes „Museum der Kleiderverschlüsse a l l e r Z e i t e n und Land e r", ein Wahr- D Zeichen menschlichen Schaffens und menschlichen Könnens, der Oeffentlichkeit. Die zahlreich erschienenen^Ehrengäste, Vertreter der Ministerien, der Staats'- undH Landesbehörden, der Wissenschaft, Kunst und der Presse, mögen gewiß ein Gefühl des Neides empfunden haben, daß der Initiator dieser eigenartigen- Schöpfung ein Jude sei. Dieser Mäzen, welcher der Menschheit den vervollkommneten Kleiderverschluß, den Druckknopf, geschenkt, stiftet nun auch ein Museum, eine Sammelstätte sämtlicher Kleidernerschlüsse aller Völker der Vergangenheit und Gegenwart. Wenn man die Schatze, welche die weiten und eleganten Räume des > neuen Museums enthalten, betrachtet, muß man sich wundern über den Sammelffeiß und die Bzenenarbeit, welche hier vorliegen. Die frühesten Urformen des Kleideroerschlusses, soweit sie sich aus der alten Geschichte rekonstruieren lassen, welche bis auf die biblischen Urzeiten hinaufreichen und im Laute der Jahrtausende zu den immer fortschreitenden Verbesserungen führten und zum neuzeitlichen Druckknopf Anlaß gaben, sehen wir hier vereinigt. Diese stummen Zeugen vergangener Zeiten und Kulturen lassen erkennen, daß unsere Urahnen auch auf diesem Gebiete immer Verbesserungen suchten und daß der forschende Geists hier keinen Stillstand kannte. Um aber auch den Kriegs-ö beschädigten und Einarmigen eine Erleichterung ihrer Kleiderverschlüssezu verschaffen, führt die Prothesenabteilung mehrere Kleiderformen vor, welche dem an den Armen Verwundeten ermöglichm, seine Kleider , leicht zum Verschluß zu bringen. Die Stadt Prag wird diese neue Schöpfung mit Stolz ihren früheren Museen anreihen und ihrem Urheber Dank und Anerkennung zollen. in, 1. Oktober. Der Verein für jüdische Geschichte u n d L i t e r a tu r versendet soeben' folgendes Rundschreiben: „Wir treten in den fünften Kriegswinter ein, dessen Beschwerden und Einschränkungen auch unseren Verein empfindlich treffen. Nur unter erheblichen Schwierigkeiten und bedeutenden Opfern ist es' uns möglich, das Programm des Vereines durchzuführen und' die Herausgabe des „Jahrbuches" fortzusetzen. Wir erachten es für unsere. Pflicht, die bewährten Ueberlieferungen des Vereines-.beizubehalten und -angesichts der unserer Gemeinschaft bevorstehenden schweren Stürme gegen unsere Glaubensgemeinde unseren Mitgliedern denjenigen Schutzs und Halt zu gewähren, den unsere Geschichte und Lite-' ratur bieten. Wir vertrauen auf die 'treue Anhängliche fett der Mitglieder, die uns bisher gestützt hat und uns auch in Zukunft nicht fehlen wird. Angesichts der erheblichgesteigerten Kosten unserer Veranstaltungen, richten wir an unsere Mitglieder die dringende Bitte, uns . zahlreiche neue Mitglieder zuzuführen und ihren eigenen Beitrag freiwillig zu erhöhen. Es ist uns unmöglich, bei Zahlung des bisherigen Beitrages .von ^.6 Mark jährlich das „Jahrbuch" weiter zm liefern und alle anderen bedeutenden Mehrkosten zu bestreiten. Wir bitten, den Beitrag auf mindestens 10 Mark zu erhöhen. Jedes Mitglied erhält für zwei Personen Eintrittskarten zu allen Vorträgen und außerdem unentgeltlich die wertvolle Literarische Gabe des gebundenen „Jahrbuches" mit.'Beiträgen bedeutender Gelehrter und Schriftsteller. Im Winter .1918/19 werden im Oberlichtsaal der Philharmonie, Vernburgerstraße Nr. 22/23, folgende Vorträge stattfinden: Donnerstag dem 14. November 1918: Rabbiner Dr. Perles (Königsberg i. Pr.): Hundert Jahre Wissenschaft vom Judentum. Donnerstag den 28. November 1918: 1. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Chordirigent Arno Nadel (Berlin), unter Mitwirkung der Herren Konzertsänger Leo Weißmann und Jan Cargher: Das religiöse Volkslied der Ostjuden. Donnerstag den 12. Dezember 1918: Rabbiner Dr. L. B a e ck (Berlin): Litauische Juden. Donnerstag den 9'. Januar 1919: 2. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Schriftsteller Herbert Eulenberg: Die Juden und das Theater. Donnerstag den 16. Januar 1919: Professor Dr. Julius Gold stein (Darmstadl): „Die Ehrfurcht". Donnerstag den 6. Februar 191-9: 3. Populärwissenschaftlicher Hortrag: - Frau Johanna Meyer (Berlin): Rezitationen aus Arnold Zweigs Werken. Donnerstag den 27. Februar 1919: Professor Dr. M. Gunkel (Gießen): Die Entstehung der Psalmen. Donnerstag den >13. März 1919: Professor Dr. Karl Ba.llod (Berlin): Palästina. Vermischtes. Der MeÄetzMfbtM des HeopöldMVter Tempels. Dem Komitee (2. Bezirk, Tempelgasse 3) sind in der abgelaufenen Woche nachstehende- Spenden zugekommem: XXXII. Spende n l i st e. K. k. priv. österr. Länderbank, Wien, W 1. Bezirk K. 20ÜV.— Herr Dr. I. Seiberling, Wien, 9. Bez. „ 5VV.—