Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 40 (11.10.1918)
- Date
- 1918-10-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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'Jtr. lö ■Sartt Kr. Vloch 'L zeuge der fravzösischen Größe machen; sie Würde dabei ihnen Sie auch gleichzeitig uns einen Dienst erweisen. Diese hypernervösen, aufgeregten und ungewissen Wesen bedürfen eines T eseches, das sie bind et, und eines festen, aber gerechten Herrn, der sie bändigt. Die Juden sind Wie die Weiber: ausgezeichnet, Wenn man sie im Zügel hält; aber beider Herrschaft ist abscheulich und die sich ihr unterwerfen, geben ein lächerliches Schauspiel." (II, 459—462.) Aus Frankreich ein Judäa machen, das wollte Olivier auch nicht. Aber die Juden als Juden zu treuen Franzosen, das war sein Wunsch. Daß sie -treue Franzosen waren, das zeigte sich, als man sich in der Marokkoaffäre am Vorabend des deutschen Ultimatums glaubte. Mit einem Male fand Christof das nörgelnde, an sich 'selbst zweifelnde, unterwühlte, von ungezählten Parteien Zerfressene Frankreich wie jeinen Mann zur Tatentschlossen. „Nicht allein die Biedermänner; die Aestheten, die Meister der entarteten Kunst schoben in ihre schmutzigen Novellen Bekenntnisse eines patriotischen Glaubens ein. Die Juden redeten davon den geheiligten Boden der Ahnen zu verteidigen. Wenn man nur das Wort Fahne aus sprach, traten Hamilton Tränen in die Augen. And alle waren aufrichtig, alle pon der Aust e L u n g e r f a st t." (II, 538,) — Und Christof war plötzliche allein, alle tm Hause, die ihn liebten und verehrten, verschlossen ihre Türen vor ihm. Nur Olivier, der treue, war der gleiche geblieben. Erschrocken über den Wandel der Gesinnungen, packte Christof heimlich seinen Koffer um die Heimreise gnzutreten. Glücklicherweise zog der Sturm vorüber. Aber in Christofs Herzen war ein Stachel geblieben. Eine Herste Sehnsucht ergreift , ihn nach der Heimat. Und als er einige, kauin leserliche' Zeilen von der Mutter erhält, sie fürchte bald sterben zu müssen, möchte nur ihren Christof noch einmal sehen, da konnte ihn nichts mehr halten. Er reißt sich vom Freunde losl und eilt heim. Ein anderer war er geworden. Wohl hat sich seine unbändige, reckenhafte Kampfnatur nur wenig geändert, auch seine Voreingenommenheit gegen die Juden hat er nicht ganz abgelegt. Er mochte nun einmal den ganzen Orient nicht. „Last mich mit deinem Orient zufrieden," ruft er bei einer Gelegenheit kurz vor seiner Heimreise Olivier zu. „Der Okzident hat nicht sein letztes Wort gesprochen. Glaubst du etwa, dast ich abdanke, ich? — Es lebe das Leben! Es lebe, die Freude! Es lebe der Mut, der üns in den Kampf mit unserem Schicksal jagt! Es lebe die Liebe, die uns das Herz schwellt! Es lebe die Leidenschaft, die unseren Glauben befeuert — die Freundschaft, die süßer als die Liebe ist! Es lebe der Tag! Es lebe die Nacht!" (II, 487.) Aber in dem Sprachen- und Gssittungsgewirr, das er in der großen Seinestadt durchgelebt hat, in diesem' GlM ofen der Nationalitäten und Zeitstromüngen, hat er ein Ideal sich erkoren, ein großes, heiliges Ideal: daß die Edelsten und Besten aller Rassen sich zusammenschließen mögen, um über ihre Nationalitäten hinweg sich die Hände zu reichen, den Fortschritt der Menschheit zu sichern und in glückliche Wege zu leiten. Denn eine Gewißheit drängte sich Christof immer mehr auf, da er in Paris mit den verschiedenartigsten Menschen aller Rassen in engere Berührung gekommen war, ein Großes hat er entdeckt und in seine Seele ausgenommen: „die Ünsinnigkeit seelischer Grenzen zwischen gutön Menschen aus.verschiedenen Rassen" (l| 493). „Ach, wenn man doch alle diese braven' Leute jedes Glaubens, jeder Klasse, die sich nicht kennen wollen, einander verbrüdern könnte. Hat man denn keinerlei He«m4reber und nrzani'&oziV&iz Stefeatteust Dr. Joses Wochenschrift . Möglichkeit dazu?" „Was willst du?" sagte Olivier. „Dazu ist eine gegenseitige Duldung und eine Kraft der Zuneigung nötig, die nur aus innerer Freude geboren werden können — aus der Freude eines gesunden, normalen, harmonischen Lebens. Dazu wäre nötig, dast das Vaterland in einer Epoche der 'Größe steht, oder, was noch Mehr wert ist, auf dem Wege zur Größe ist. Und es müßte außerdem — beides gehört zusammen — eine Gewalt geben, die alle Triebkräfte der Nationen Bewegung zu setzen verstünde, eine kluge und stärke Gewalt, die über den Parteien stehst. — — Warterr wir ab und hoffen wir . . . D ie H aup tsach e ist, daß alles Starke in der Rasse sich sammelt, sich nicht selber zerstört,micht vor der Zeit den Mut verliert. Glück und Genie werden nur den Völkern zuteil, die sie durch Jahrhunderte standhafter Geduld, durch Arbeit und Glauben zu verdienen wu ßten." „Wer weiß," sagte Christof. .Manchmal kommen sie schneller als man glaubt — in einem Augenblick, in dem man sie am wenigsten erwartet. Ihr täfelt schon allzu 'länge an den Tischen der Jahrhunderte. B ereitet euch. Gürtet eure Lenden. Behaltet stets die RieMen an euren Füßen und den Stab in eurer Hand . ... Denn ihr wißt nicht, ob der Herr nicht heute nacht an eurer Tür vorüber schreit et (nach Produs 12, 11 ff). (529 f.) Wie ilnMer, wenn eine große seelische Erregung Jean Christof erfaßt, lebt in ihm auch hier ein Bild der alten Bibel auf: Israel, das die Fesseln der Aegyptenherrschaft sprengt und unter Führung seines großen Genies, seines Mose, der Freiheit entgegeneilt. And in diesem Augenblick strömte Christofs „ganze Liebe jenen tausend schlichten Seelen jeder Rasse entgegen, die als .reine, Flamme.der Güte, des Glaubens und der Aufopferung in der Stille verglühen — als das Herz der Welt" (561). - Das war ^er große Ertrag .her Wand erfahre des Jean Christof Krafft. (Fortsetzung folgt.) ,^Die Neuzeit." Line jüdische Monatsschrift. Herausgeber Sa- - nmsl Meisels: September,1919. 2. Jahrgang. 4. Heft. Verlag Wien, 7. Bezirk, Neubaugasse 84. Inhalt: Prof. Dr. V. Aptowitzer: 'Moritz Güdemcmn. — Vernarb Tag: Vom Religiösen. -- Josef Bernhard: Antisemilisch-prochristlich. — Dr. med. Rafael Becker: -Die jüdische Nervosität.'— Hermann Sternbach: Heimat. — Samuel Meisels: Der Schlüsselsaal. — Notizen. — Literatur. — Büchereinlauft t— Antworten. Der Bezugspreis beträgt 12 ft. (10 >M.) ganzjährig. L. ft. Sie führen darüber Beschwerde, daß Frauen, von ftultusbeamten am Samstag öffentlich ihre Einkäufe besorgen. Wir erachten uns nicht Ws das befugte Forum für solche Anklagen, können aber ihren Unwillen nur berechtigt sinden. „Samuel." Samuel Eompers, Präsident der American Federation of Labour, der kützstch in England angelangt ist, wurde im Londoner Ghetto von ausländischen jüdischen Ellern geboren. Im Alter von dreizehn Jahren wanderte er nach den Bereinigten Staaten aus, und ein Jahr später nahm er an der Gründung der. Cjga>> Makers' International Union teil, deren Sekretär und Präsident er später wurde. Im Jahre 1881 wurde er zum Präsidenten der American Federation os Labour gewählt; dasselbe Amt hat er seitdem stets, mit Ausnahme eines Jahres,'bekleidet., Herr Eompers hatdazu beigetragen, einen achtstündigen Tag für Handwerker und Arbeiter im Staatsdienst einzuführen, sowie einen zehnstündigen Marimaltag für Stratzenbahnarbeiter. Er setzte auch die Regelung von ftinderärbeit^und Maßnahmen'gegen Löhndrückerei durch. Wagrrjrchte GraKflMne. Ueber diesen Gegenständ, der in Nummer 39 d. Bl. mst HMmeis äuf die von Dr« .Grunwäld behandelten Friedhöfe in Hämburg-Altona und Glückstadt berührt wird, findet sich,.Näheres in der Einleitung Izu Horovitz, Grabschriften des alten Friedhofes in Frankfurt a, M. > S. BlsS — Dcsck vs» S. B-S H Söhn, .