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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-11 · 40 (11.10.1918) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
40 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 654 Nr. 40 Dr. BlüUs Wochenschrift und Zigaretten. Diese Sendungen sollen.direkt an die jüdischen Hilfskomitees in den einzelnen Lagern zur Verteilung an bedürftige jüdische Gefangene gelangen. Zu diesem Zwecke sind umgehend die folgenden Fragen zu beantworten: 1. Wieviel jüdische Gefangene befinden sich in jedem einzelnen Hager, und wieviel davon findkrank, bezw. bedürftig? 2. Existiert in dem betreffenden Lager ein jüdisches Hilfskomitee, -bezw. ein Vertrauensmann, an den man Kollektiv-Pakete zur Verteilung unter dis Kranken und Bedürftigen schicken könnte? . Besteht kein Komitee oder Vertrauensmann, dann erbitten wir eine Liste der kranken und der bedürftigen jüdischen Gefangenen. Jüdische Kriegsgefangene, die bemittelt find, können bei uns zur lleberweisung an das Skandinavifke Centralkomite'e Geld einzahlen, und dieses wird alsdann an jene Internierten regelmäßig Pakets schicken. Da es sich hierbei um eine wichtige und unaufschiebbare Hilfsaktion handelt, die Tausenden zugute kommen kann, ersuchen wir alle in Betracht kommenden Stellen um rascheste Erledigung vorstehender Fragen und Bitten. Das Oesterreichische Landeskomitee vom Roten Mögen Dovid. ' I. A.: Rabbiner Dr. Grunwald, Wien. II., Ferdinandsstraße 23. — Die dreifache Jubelfeier Sr« Ehrwürden des Herrn Gemeinderabbiners Profeffor Heinrich Reich fand, wie bereits mitgeteilt, Samstag, den 5. d. M. im Kaiser Franz Josef Regierungs-Jubiläums-Ternpel, V., Siebenbrunnengasse, statt. An derselben nahmen zahlreiche Mitglieder des Tempe.lvereines Wieden, Margarethen mit.dessen Gesamtvorstande unter Führung des Präsidenten Herrn Adolf Hofmann teil. Unter den Anwesenden bemerkte man ferner Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dobrinsky, Herrn Kultusvorsteher Dr. I. Engel, Herrn Kommerzialrat M. Hacker, als Vertreter der Bezirkskommission des IV., V. und X. Bezirkes, Herrn kaiserl. Rat Wenger, Obmann des Tempelvereines Wien, II., Pazmanitengasse, Herrn Kreipel, Obmann der Kultusgemeinde Stockerau, Herrn Jakob Straßberg, Herrn Tempelvorsteher Tänzer u, a. Nachdem der Jubilar zur Thora gerufen und von Herrn Kantor Bassel sowie Herrn Chordirigent Braslawsky mit selbstverfaßten hebräischen Segenssprüchen begrüßt worden war, hielt Herr Rabbiner Reich eine formvollendete Rede, in der er einen Rückblick auf seine langjährige Tätigkeit als Rabbiner warf und erklärte, daß er glaube, seinem Ideale, immer die goldene Mittelstraße zu halten, nie in-Extreme zu verfallen, nicht untreu geworden zu sein, und daß es immer sein Bestreben gewesen sei, seinen Hörern begreiflich zu machen, wie sie die Pflichten gegen Gott und gegen ihre Nebenmenschen in harmonische Verbindung zu bringen hätten. Nachdem Sr. Ehrwürden zum Schlüsse seiner geistvollen Rede Gottes Segen für alle Erschienenen erfleht hatte und nach Verlesung einer Gratulationsadresse des Vorstandes, hielt-Herr Präsident Adolf Hofmann eine herzliche Ansprache, in-der er auch der Verdienste des Jubilars um die Gründung des Vereinstempels gedachte und demselben Glück und weiteres Wohlergehen wünschte. Es sprachen ferner: Herr Kultusvorsteher Dr. I. Engel als Vertreter der Kultusgemeinde, der dem ältesten -Gemeinderabbiner die Wünsche des am Erscheinen verhinderten Kultusgemeindepräsidenten Dr. Alfred Stern überbrachte, weiters Herr I. Straßberg als Vorstand der Bibelschule des X. Bezirkes, Herr Rabbinatskandidat Dr. Alfred Willmann namens der Mitglieder des Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk. Die schöne Feier fand am'Nachmittage des nächsten Tages im Anschlüsse an den Mincha- und Maarivgottesdienst im Zeremoniensaäl des Ternpels ihre Fortsetzung. Erschienen waren im Namen der Rabbinersektion die Herren Rabbiner Dr. Grunwald als Obmann, Rabbiner Dr. Rosenmann als Obmannstellvertreter, ferner die Herren Nachbarrabbiuer Dr. M. Mandl und I. Taglicht sowie der Obmann des Tempelvereines Herr Präsident Hosmann und Mitglieder des Vorstandes. Es sprachen im Namen der Rabbinersektion Sr. Ehrwürden Herr Dr. Grunwald -und im Namen des Verbandes israelitischer Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen Sr. Ehrwürden Herr Dr. Rosenmann. Beide Herren überreichten am Schluß ihrer Ansprachen dem Jubilar als Aufmerksamkeit munifizenter Gönner eine Ehrengabe. Der Jubilar dankte gerührt und Herr Präsident Hofmann ergriff das Wort zu der Erklärung, daß der Tempelvorstand die ^Ehrung seines Rabbiners zugleich als eine Ehrung des Tempelvereins betrachte. In allen Ansprachen bekundete sich die allgemeine Wertschätzung, deren sich der Jubilar "und dessen Familie, aus der so viele, um die jüdische Wissenschaft hochverdiente Männer hervvrgegangen sind, erfreuen dürfen. Möge es dem rüstigen Siebziger noch viele Jahre vergönnt sein, in voller Gesundheit und geistiger Schaffenskraft wirken zu können. Das Schicksal der galizischen Flüchtlinge nach der Heimkehr. Aus Z b o r o w, einer ostgalizischen Stadt, wird uns von heimgekehrten Flüchtlingen geschrieben: Ansece Stadt würde durch die Beschießungen einem Trümmerhaufen gleich gemacht. Bei der letzten Russeninvasion ist fast die ganze Einwohnerschaft, allle Habe zurücklassend, geflüchtet. Jetzt wurden wir gezwungen, in die Heimat zurückzukehren. Aber was für eine Heimat hat sich uns geoffenbart? Es gibt fast keine Wohnung oder Baracke, die nur halbwegs den sanitären Verhältnissen entsprechen könnte. ZusüMmengeschossene Mauern und Lehmhütten wurden mit Ach und Krach von demjenigen, der sich halbwegs helfen konnte, einstweilen zusammengekittet. Handel und Gewerbe liegen zur Gänze brach. Es ist keine ordentliche Verdienstmöglichkeit in Sicht: mit der Ernährung ist es auf das schlechteste bestellt. Das Markensystem, wie es in Westösterreich besteht, kennt man hier nicht, so daß die notwendigsten Lebensartikel Phantasiepreise erlangt haben. Die staatliche Flüchtlings- Unterstützung ist abgelaufen mnd es ist uns die letzte Möglichkeit des Haltes genommen. Wenn ein unbefangener Mensch, die Stadt betritt, würde er nichts anderes denken, als daß hier eine Zigeunerbande heruMlungert oder daß ein ganzer Friedhof Auferstehung gemacht hätte. Da aber die Menschen nicht nackt bleiben wollen, greifen sie zu allerhand Fetzen, um den Leib zu bedecken. Am den Hunger zu stillen, reißt einer dem anderen den Bissen vom Munde. Die Preistreiber und Schleichhändler, die sich durch den Krieg Geld erwirtschaftet haben, konnten auf die staatliche Anterstützung verzichten und sich in größeren Ortschaften behaglich niederlassen. Es sind also hier die Aermsten der Armen beisammen, und keine Behörde schert sich um den so nahen Verfall Ihrer Staatsbürger, von denen man immer den größten Patriotismus und die schwersten Opfer verlangte. Run, da sie sich bis zur gänzlichen Erschöpfung und Verblutung gebracht haben und noch immer bringen, stehen sie in unsäglicher Not verlassen da. Ein jüdisches Gebetbuch für Blinde. Die Pester jüdische Religionsgemeinde hat ein jüdisches Gebetbuch für Blinde herausgegeben. Die Gebete sind in Blindenschrift gehalten. An der Zusammenstellung des Gebetbuches nahmen teil der Generalsekretär der Kultusgemeinde Dr. Julius Weißburg, dis jüdischen Schuldirektoren Abraham Stern und Simon Adler und ^Professor Moritz Schönberger. Das Gebetbuch enthält sämtliche .Gebete für das ganze Jahr

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