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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-11 · 40 (11.10.1918) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
40 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 650 Dr. Bldch!s! Wochenschrift Nr. 40 im Felde gestanden und schwer verwundet war, hat schon vier Kriegsauszeichnungen erhalten. Gegenwärtig ist er Leiter der Nervenheilanstalt Rosenhügel. Aach dem Tode ausgezeichnet. Der Kaiser hat dem vor dem Feinde gefallenen Oberleutnant d. N. Walter Bar dach, I.-R., und dem Leutnant d. R. David Kr iß in Anerkennung tapferen Verhaltens das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit den Schwertern verliehen. Korrespondenzen. an Palästina hängen wir seit Jahrtausenden mit Liebe, und Sehnsucht." „Kann denn Palästina alle Juden aufnehmen?" „Daran wird nicht gedacht: auch zur Leit des zweigten jüdischen Staatswesens hat der. größere Teil der Juden in der Diaspora gelebt und jeder von ihnen hat dem Lande, demer angehörte, als guter Bürger , seine Dienste geweiht." " Hierauf informierte sich der Kaiser noch über .die Verbreitung der zionistischen Bewegung. Dr. CHajes , nahm auch Gelegenheit, über seine zehnjährige Wirksamkeit im jetzt feindlichen Ausland' zu sprechen. Er hat als österreichischer Staatsbürger am Seminar und an der philosophischen Fakultät in Florenz als' Professor gewirkt. Als Dr. CHajes auf die auch im Auslands vorhandenen Sympathien Ur Oesterreich und seinen Kaiser hinwies, bemerkte Kaiser Karl : .„Sie wissen — ich mutz es ja nicht immer Wiederholen—, dach ich den Frieden will, und zwar vom ersten Tage meiner ^Regieru^ng an." Dr. ChajeS dankte dem Monarchen, daß er ihn Audienz des Wiener Obermhbmers bei Kaiser Karl. Mittwoch den 2. Oktober erschien Oberrabbiner Dr. Ehajes als Kenner der Verhältnisse im Judentum besonders im Osten über Berufung beim Kaiser in Audienz. Der Kaiser ließ sich vom Oberrabbiner über die großen ftldischen .Fragen informieren. Nach einer Einleitung, die Wals einen Vertreter des jüdischen Volkes empfangen hat. die Tätigkeit des Oberrabbmers an semem früheren H __ - Amtsorte Trieft züm Gegenstand hatte, erkundigte sich H der Kaiser über die gegenwärtige Lage dpr jüdischen Flüchtlinge in Wien. Dr. CHajes erwiderte, daß der größte Teil bereits in seine Heimat zurückgekehrt ist und daß die Lage derer, die wegen Zerstörung ihrer Heimat bisher nicht Zurückkehren konnten, insofern schlecht ist. als sie nunmehr viele Jahre, vom Heimatboden losgerissen, in einer ihnen, fremden Umgebung vielfach der Not ausgesetzt sind. Der Kaiser bemerkte darauf: „In Ihrem Volke hilft ja immer einer dem' anderen." Die nächste Frage des Kaisers galt der Lage der Oftjuden. Dr. CHajes, antwortete, daß die Lage der Ostjuden eine schlechte ist, besonders mit.Rücksicht auf das schlechte.Verhältnis der Polen zu den Zudem Auf die Frage des Kaisers, was nun zu geschehen hätte, erwiderte der Oberrabbiner, daß die einzige Möglichkeit einer Abhilfe in der Sicherung der Rechte der Juden als nationale Minderheit liege. Die jüdischen Massen im Osten hätten lick immer als Nation gefühlt. Die Auffassung des Judentums als konfessionellen Verbandes fei vor mehr als hundert Jahren in Westeuropa entstanden, wo übrigens gleichfalls die nationale Strömung Fortschritte macht. Nun fragte Kaiser Karl: ,.Was halten Sie vom Judenstaat, den die Entente errichten will?" „Die zionistische Bewegung ist die einzige internationale Bewegung! die als solche den Krieg überdauert und als solche ihre strenge Neutralität bewahrt hat. Ihr ist es zu danken, daß die englische Regierungin ihrer Erklärung über Palästina nicht den Ausdruck „Judenstaat", sondern nationale „Heimstätte" gebraucht hat. Eine Formel, die bereits 1897 auf dem 1. zionistischen Kongreß in Basel geprägt wurde, also zu einer Zeit, als die Führer des Zionismus mit der Türkei Verhandlungen pflogen, welche die türkischen Souveränitätsrechte zur Voraussetzung hatten." „Was bedeutet eigentlich Palästina für die Juden?" „Das jüdische Volk ist in Tausende und Tausende Gruppen zerschlagen, von denen jede einzelne um ihre Existenz kämpfen muß und nur durch ein Wunder sich bis heute erhallen konnte. Auch die Juden in Abessinien. die seit 2000 Jahren von uns getrennt sind, haben ihr Judentum bewahrt. Doch kann ein Volk'seine Eristenz nicht auf Wunder 'aufbauen. Wir müssen einen nationalen und religiösen Mittelpunkt haben." „Und das kann nur Palästina sein?" „In Palästina hatten wir unseren Ursprung und Wo ist der Bethausvorstand? Eine Verierfrage. Am vergangenen Freitag abend kam ich in die Tempelgasse 3, um, wie seit Wochen, dort dem Gottesdienste beizuwohnen. Ich fand das Betlokal gesperrt. Vom Portier erfuhr ich, daß im türkischen Tempel gebetet werde. Ich staunte, daß nicht zum .mindesten durch" ein Plakat hierauf hingewiesen wurde, noch mehr aber darüber, daß erst am selben Tage. überhaupt die Entscheidung gefallen war, daß uns Besuchern des abgebrannten Leopoldstädter Gemeindeiempels cm'djrtif diesem Winter im Tempel der türkischen Gemeinde ein Asyl gewährt werden soll. Zwei. Tage (!) zuvor war nämlich erst, das Ansuchen der Kultusgemeinde bei der türkischen Gemeinde eingetroffen. W o i st d e r B e t h a ü s v o r st a n d, den doch vermutlich, wie jedes Wiener und sonstige Bethaus, auch unser Leopoldstädter Tempel besitzt? Am Schemini azeres und Simchasthora war im Konzerthaus kein einziger turnushabender Bethausvorsteher der Kultusgemeinde zugegen. Wenn auchunser Tempel, zur Schande für unser Judentum noch immer nicht wiederhergestellt Ast, und man wohl darum von der Bestellung eines besonderen Vorstandes für diese Aushilfsgottesdienste absieht, so viel Rücksicht verdiente doch ein nach Hunderten zählendes Publikum, daß wenigstens zwei Mitglieder des Bethausvorstandes der Kultusgemeinde mit der Wahrnehmung der Aufsicht auch bei diesen Gottesdiensten betraut werden. Es werden ja wohl außer den durch Altersschwäche an der .Zurücklegung A) es weiten Weges nach dem Konzerthaus verhinderten Herren sich jüngere daMr finden lassen. Daß aber unsere Sabbatgottesdienste im zweiten Bezirk selbst in Abwesenheit jedes Vorstehers abgehalten werden müssen, gehört zu chen MißMnden, an deren Beseitigung endlich und gründlich geschritten werden sollte. Wir Wiener haben uns schon an manches gewöhnen müssen,. was anderwärts undenkbar wäre, so viel sollte Man aber auf die Reputation der Wiener Gemeinde halten, daß zufällig anwesenden Fremden nicht ein so. kläglicher Mblick geboten werde. __ , . - S. H'.' Aufruf! An alle KriegsgefangenettlagLr der Monarchie. Von dem Skandinavisk Jodisk Centralkomitee werden uiis für Kriegsgefangene im Bereiche der Monarchie Liebesgaben in Aussicht gestellt,-bestehend in Butter, Käse, Heringen, Grütze, geräuchertem Fleisch, Wurst, Seife

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