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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-11 · 40 (11.10.1918) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
40 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9*9tg**V XXX? Dr. Bloch’s Lentralorgan kür die gesamten.Rnteresssn des Judentums SS R. t Postsp«r»fttn«mt Tleariug-Berkehr: 810 =%)© 1 .m I «Äs«rtt»v anV 8tbmhüffeatt*o 1 ©Ich Il/i, Prstrrstrksie 9 Y«l«$s5iö2is 45»3Ä® SEa sssstLzDö Wien, 1!. Ottober 1S18 Lrsck«tLnt jeäen Freitag BrLH-Bdrrsi»: g$f«n. llj\, VrrLtrrK?«ßr? 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Krtt>stbtsti«mn«gsrrcht — Keji-stiirstimnmttgspMcht. Immer stärker und eindringlicher Mit an die Juden der Monarchie die Lebensfrage heran, ob und in welcher Form sie als Gemeinschaft an . der Neugestaltung der Monarchie Teil haben wollen. Das Selbstbestimmungsrscht der Völker gehört' in den Ländern der Habsburger Monarchie heute nicht mehr zu den offenen Fragen, es wird von den einzelnen Nationen ohne Ausnahme gefordert und von den Leitern des Staates offen zugebilligt. Was noch fraglich ist, ist das Ausmaß dieses Selbslbestimmungsrechtes, die Grenzen, die ihm in der praktischen Durchführung gezogen werden sollen. Dies trifft jedoch nur auf alle nichtjüdischen Völker und Nationen in diesem. Reiche zu. Bei den Juden allein ist die Frage des Selbstbestimmungsrechtes für das jüdische Volk noch immer eine offene Frage. Während es bei den anderen Völkerschaften in Oesterreich heute kaum mehr ein Mitglied des betreffenden Volkes .gibt, welch es nicht von dem unveräußerlichen Rechte seines Volkes auf die Selbstbestimmung, seiner künftigen Gestaltung durchdrungen wäre, jst diese Frage bei den Juden noch nicht einmal so weit gediehen, dieses Recht der Selbstbestimmung cruch für das jüdische Volk in Oesterreich geltend zu machen. Während andere Völker bereits über das Wie beraten und.zu einer Einheitlichkeit zu gelangen trachten, gibt es im jüdischen Volke noch immer Menschen, die über das Ob nicht hinauszukommen vermögen. Es ist gar kein Zweifel, daß die Feinde des Judentums diese Unentschlossenheit der Juden mit Freude begrüßen, lyifc auch die Leiter des Staates werden schließlich, wenn dieser Zustand weiter anhält, nicht anders können, als bei der Neuformung von Hesterreich- Ungarn über die Juden zur Tagesordnung überzugehen. Es, ist unbegreiflich, daß sich in Oesterreich kein Jude findet, der die Macht besäße, .das jüdische Volk aus seiner sträflichen Gleichgültigkeit aufzurütteln und es daran zu erinnern, daß "die Juden dieses Reiches nicht nur ein Selbstbestimmungsrecht, sondern die Selbstbestimmungspflicht haben, wenn sie aus diesen inneren und äußeren Kämpfen nicht als das einzige Schlachtopfer auf der Wahlstatt liegen bleiben wollen. Und der wahrheitsgetreue Historiker wird es nicht verschweigen dürfen, daß der moralische, soziale und wirtschaftliche Tod der Juden in Oesterreich-Ungarn nicht allein durch fremde Hand, sondern in selbstmörderischer Weise herbeigeführt wurde. Eine unnatürliche, unbegreifliche Zaghaftigkeit hat unter den.Juden im Hinterlande Platz gegriffen, die, wenn sie nicht bald einem mutigen Zugreifen den Platz räumt, unaufhaltsam dem völligen Ruin zutreibt. Warum fürchten wir uns denn, endlich einmal einig zu werden? Wer und wo ist das Hindernis dieses Zieles? Im neutralen und dem uns noch feindlichen Auslande ist eine solche Einigung unter den Juden, schon langst herbeigeführt. Dort sind die Großen rm Volke, die Wirtschaftlich, wissenschaftlich und sozial Großen, die vor dem Kriege gleichfalls wenig Interesse und Sinn für die politischen Forderungen der Mischen Massen bekundeten, nunmehr vereinigt mit den breitesten Volksschichten zu gemeinsamer Arbeit, zur Erreichung von gemeinsamen Forderungen, nach innen und nach außen. Dieseihre der ernsten Zeit Rechnung tragende Volksarbeit hat ihrer Stellung und ihrem Ansehen nach oben in keiner Weise geschadet. Im Gegenteil! Je kräftiger, je prononcierter sie für die Rechte des Judentums als Volk eintraten, desto mehr wuchs die allgemeine Hochachtung vor ihnen, desto gefestigter wurde ihre öffentliche Stellung. Und das sollte in Oesterreich-Ungarn nicht möglich sein? Haben wir so wenig Vertrauen zu einer wirklich demokratischen Neugestaltung der Dinge in der Monarchie, daß wir es als undurchführbar ansehen, daß hier nicht nur den anderen Völkern, sondern auch den Juden ihr Recht werde?

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