Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 39 (4.10.1918)
- Date
- 1918-10-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. MMs WoMnMM Seite M auch alle Arten von Auskünften Wer das Gemeindeleben auf Aufforderung der ZentralverwalLung zu übeirmitteln- 6. Die Verordnungen der Zöntralverwaltung bezüglich!'des Budgets!nnd der Fincnrzgebarung sind für die. Memeinden obligatorisch. - L) Die Rückwanderung. 1. Die Organksierung der Reeivakuation und der Hilfeleistung! an KriegsgefanMne und Kriegsopfer ist eine nationale Arbeit, an der alle GeMmd'en, alle 'jüdischen Zentralorganisationen und sämtliche aktiven Kräfte! im Judentum Anteil nehmen Müssend ' 2. Zwecks Aufstellung eines Systems.dieser Tätigkeit muß ein Spezialorgan geschaffe-r -werden, das zur Hälfte laus Vertretern d^r Zentralen Verwaltung der Gemeinden.und zur Hälfte aus Vertretern der Hilfsgesellschaften Wsammengeschjt werden wird. > Z. Sämtliche Materialien bezüglich de;r ^Reevakuation und der Kriegshilfe werden von den Gemeinden-und den! Gesellschaften diesejm neu zu schaffenden Organ zur ^Verfügung lgestellt. t 4. Die Zentralverwaltung der Gemeinden-hat Delegationen in die okkupierten Gchiete und andere LäyHev zu entsenden zwecks Hesrste'ttnng -einer Verbindung zwischen den Gemeinden und dessi interessierten Kreisen bezüglich der Reevakuation und allseitigep Hilfe Per Kriegsnotleidenden. 'Es ist erwünscht, daß an dieses Delegationen auch Vertreter der Flächftingej teilnehmen. 5. Die Konferenz, hält es für nötig, die Frage de!.' Hilfeleistung seitens der entsprechenden Regierinngen, zwecks Wiederherstellung der ruinierten Existenzen in den vom Kriege betroffenen Gebieten und ihrer Entschädigung Lei dem internationalen Frichenskongreß -zur Sprache zu bringen. -• .6. Die Konferenz beauftragt die Zenträlverwältung, ' die Frage der Schaffung einejc jüdischen Nationalanle'che .. für den oben erwähUten' Zweck zu erörtern. Zur UrMrung des Gryßwesirs Tlalaat MaWa in der Palaftinafrage. Vom Präsidium der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" erhalten wir . nachstehende Zuschrift: Die die Bildung eines jüdischen Zentrums in Palästina betreffende Erklärung, welche der türkische Großwesir anläßlich seiner Verhandlungen mit den Vertretern jüdischer Organisationen ein^M der Delegierten gegeben hat, hätte sicherlich sämtliche Gruppen der Iudenheit befriedigt, wenn sich nicht eine durch die türkischen Verhältnisse bedingte Unklarheit in den Tert eingefchlichen hätte. Diese Unklarheit hat zu unrichtigen Interpretationen und' zu einer Polemik zwischen den Organen der! Zionistischen Organisation und der Orthodorie in Deutschland geführt. Die Beseitigung dieses Mißverständnisses liegt ebenso int Interesse des einträchtigen weiteren Zu-> faMMenwirkens der jüdischen Organisationen, wie in dem . des Erfolges der nochbevorstehenden Verhandlungen. Da 'S. H. der Großwesir bereits int Januar 1918 gegenüber den Vertretern der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" und der „Deutsch-Israelitischi-OsManischen Union" über feine Absichten sich ausgesprochen hat und auch im Septemher d. I. Mitglieder des Präsidiums der „A. I. K.-O." empfing, glauben wir über seine Intentionen richtig informiert zu sein. Wenn Tala at Pascha das künftige jüdische Zentrum' als ein religiöses bezeichnete, so wollte er damit keineswegs sagen, daß die türkische Regierung ausZ schließlich die religiösen Bestrebungen der Juden in Pa- - lästina fördern würde, ohne den nationalen entsprechende Fürsorge angedeihen zü lassen. Dies ist allen Delegierten durch die Darlegungen des Grohwefirs hinsichtlich der Haltung, welche die Regierung in Sachen des jüdischen Schulwertes, der hebräischen Sprache, des jüdischen Vereinswesens usw. einzunehmen gedenkt, genügend klar geworden. Daß Takaat Pascha trotzdem! in der erwähnten Erklärung nur von einem religiösen Zentrum spricht, dürfte auf zwei Gründe zurstchuführen sein. Nach der überlieferten türkischen Auffassung, die mit der Anschauung der jorthodaren und zionistischen Kreise übereinstimmt, bilden die Juden nicht nur eine religiöse, sondern auch eine nationale Gemeinschaft. Eine solche wird m der türkischen Sprache mit dem Worte „millet" bezeichnet. In einem von den Vertretern der „A. I. K.-O." und! der „D. I. O.-U." am Beginn der Verhandlungen ausgearbeiteten Entwurf, welchen der Großwesir genehmigt hatte, war auch ausdrücklich hervorgehoben worden, daß dem jüdischen „mittet" nationale Rechte ebenfalls zustehen sotten. Bei den außerordentlichen Schwierigkeiten. .welche die innere Lage der Türkei mit sich bringt und mit denen die Regierung rechnen muh. fällt es ihr jedoch sehr schwer, auf das Wort „national" besonderen Nachdruck zu legen, wett diese Bezeichnung mit den gegen die Integrität der Türkei gerichteten Bestrebungen der Armenier und Araber zu sehr verquickt wurde. Man darf nicht aus den Augen kaffen, daß die türkische Regierung in Sachen des Palästinaproblems zu einer vorsichtigeren Sprache gezwungen ist, als England, welches als Eroberermacht, auftritt und sich auf eine liberale Oeffentlichkeit stützt. Alle «Kenner der türkischen Verhältnisse werden zugeben, daß es bereits ein großer Schritt nach vorwärts und eine 'bedeutende Errungenschaft-für die jüdische Sache ist, weun die türkische Regierung sich nunmehr zu dem Prinzip eines jüdischen Zentrums in Palästina auf dem Wege planmäßiger Ko- - Ionisation bekannt hat. Wir dürfen hoffen, daß es nrt Verlaufe der weiteren Verhandlungen und in dem'Maße» als die türkischen Kreise sich an die neue Palästinapolitik gewöhnen werden, der türkischen Regierung möglich sein wird, den Wünschen der verschiedenen jüdischen Gruppen auchnach der formellen Seite hin immer mehr Rechnung zu tragen. Moses Ursiki. Der ermordete Volkskommissar für innere Angelegenheiten Moses SaloMonowitsch Urizkr (1873 geboren) entstammte, Nekrologen der letzten russischen Zeitung^ zufolge, einer ärmlichen jüdischen Gelehrtenfamilie im Kiew er Gouvernement: seine Kindheit war dem eifrigen Studium des Talmud gewidmet. Natürlich fehlte ihm nicht der „revolutionäre Zensus" sämtlicher jetziger Machthaber Rußlands, d. h. er wurde, als er nach Absolvierung der juridischen Fakultät der Kiewer ^Universität zum Militärdienst einberufen worden war, bereits drei Tage nach dem Eintritt ins' Regiment wegen Zugehörigkeit zur.sozialdemokratischen Partei nach Sibirien ver- . schickt. Im Revolutionsjahre 1905 wurde er befreit, 1906 aber aufs neue verschickt und nur krankheitshalber wurde ihm die Auswanderung nach. Deutschland gestattet, wo er die Zeit bis' zur letzten Revolution verbrachte. Als besonderen Vorzug heben die offiziösen proletarischen Blätter an ihm den großen Idealismus und' vollkommenen Mangel an persönlichem Leben hervor. Wievjek Juden Men auf dev Erde? In Heft 1/2 der von Bub er herausgegebenen Zeitschrift „Der Jude" veröffentlicht Dr. A. Ruppig der bekannte Verfasser der Bücher „Die Juden der Gegenwart" und „Syrien als Wirtschaftsgebiet" eine interessante Studie über die Zahl der Juden. Hiernach