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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-10-04 · 39 (4.10.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
39 (4.10.1918)
Date
1918-10-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 6äü Dr. BLoch's Wochenschrift Nr. d!) Wenn dem' aberso istwem diese Männer aus den Ereignissen der letzten Jahre und besonders, aus dem Kriege keine anderen Lehren gezogen haben, warum bleiben, sie im Verborgenen? Warum organisieren ' sie sich nicht? 'Warum befragen sie nicht die Massen des Volkes, ob sie gleicher Gesinnung sind, ob auch, sie in dem Allmählichen Tod, in dem Absterben eines so gesunden, lebenskräftigen Teiles unseres Volkes das erstrebenswerte Ziel ihres Lebens erblicken? Das Unglück, von dem wir noch immer so schwer heimgesucht sind, besteht nicht darin, dass es unter uns verschiedene Meinungen hinsichtlich der politischen Ziele des österreichischen Judentums gibt; das katastrophale Unglück ist vielmehr, dass nichts unternommen wird, um die wahre Gesinnung der Mehrheit der österreichischen Juden kennen zu lernen und festZustellen oder-eine wirkliche öffentliche Meinung in der Judenschaft .zu schaffen. Die sogenannten jüdischen „Geheimdiplomaten" sind unser Unglück: einzelne Juden, die, ohne Kenntnis der jüdischen Volksseele, ohne Mandat auch nur einer Gruppe von Juden, oft nur geleitet von dem Bestreben, den immer mehr verblassenden eigenen politischen Einfluss aufzufrischen, in Audienzsälen der jeweiligen Regierungsmänner und höherer Persönlichkeiten hie wahre Stimmung im Judentum verschleiern und in den Köpfen der Staatsmänner eine heillose Verwirrung, an- - richten, sind die Urheber jener unheilvollen Lage, in. der wir uns jetzt politisch, befinden. Was uns jetzt am dringendsten nottut, ist.rasche, offene politische Arbeit zur Sicherung jener Stellung in dem künftigen Oesterreich, die uns als jüdische Oesterreicher und als österreichische Juden gebührt. Da Müssen aber jene Kräfte heran, die niemals anderen Göttern als dem jüdischen Volke gedient haben, die gehobenen Hauptes sowohl vor die Judenschaft als auch vor die anderen Nationen hintreten können, ohne für ihre Schwenkung ins Jüdische die elfteren abbitten, die letzteren um Entschuldigung bitten zu müssen. Und diese Männer müssen rasche Arbeit leisten. Sie müssen die Juden Oester- ' reichs auf Ehre und Gewissen fragen, welchen Weg sie gehen wollen. Und sie - Müssen den Brüdern den freigewählten Weg in ihre Zukunft bahnen.rücksichtslos, alle künstlich errichteten Dämme niederreissend, ebnen. Diese Arbeit ist dringender als die Abwehr schändlicher, antisemitischer Angriffe, die durchaus nicht unterbrochen werden soll. Den Hauptteil der Abwehrtätigkeit werden ja doch unsere von der Front heimkehrenden Soldaten auf sich nehmen müssen. Aber wehe uns allen, wenn wir im Hinterlande nicht inzwischen auch unsere Pflicht erfüllt haben. Aus der Woche. Ausnahmebestimmungen gegen die Juden der Ukraine. Die ukrainische Regierung beginnt, die Juden wieder Ausnahmebestimmungen nach zaristischem Muster zu unterwerfen. So hat, wie die ukrainisch-jüdische Zeitung „Reies Leben" berichtet, das ukrainische Kultusministerium einen speziellen Judeneid für die jüdischen Rekruten ausgearbeitet. Der Eid beginnt mit den Worten: „Ich schwöre bei dem Gotte Israels mit reinem Herzen,, nicht mit einer verborgenen Meinung, sondern nach der Meinung jener, die mir den Schwur abnehmen usw.", Die Wiener Universität einst und Mit. Die Wiener Universität, die jetzt für jüdische Studenten an der medizinischen Fakultät den Numerus clausus einführte,. war nicht zu allen Zeiten ihres 55$ Jahre währenden Bestehens antisemitischen Einflüssen zugänglich. Es ist bemerkenswert, dass Juden bald nach.' der Gründung der Universität als Studierende derselben teilnahmen. Mindestens finden wir einen Juden Gunz- Hauser, Sohn des L e s et, welcher int. Jahre 1403 Arzneikunde in Wien betrieb. Die Wiener Universität und speziell die theologische Fakultät an derselben hat sich wiederholt sehr liberal gezeigt. Es geschah *btes insbesondere in dem berühmten Reu ch l i n'schen Streit um deN Talmud. Reuchlin verteidigte den Talmud gegen den Renegaten Pfefferkorn. Während die Universitäten zu Pari s und, K ö ln das Verdammungsurteil über diese Ansichten flussprachen, infolge welcher der Talmud in Löwen/ Mainz, Köln usw. verbrannt wurde, hat die Wiener Universität die SchriftenReuchlins gebilligt, und Kaiser Ma r ging auf das Ansinnen Pfefferkorns nicht ein. Ein Beispiel anderer Art ist das Gutachten der theologischen Fakultät vom Jahre 1673. Nachdem die Juden im Jahre 1670 aus Wien ver^ trieben wurden, war es die theologische Fakultät, die ihre . Rückkehr im Jahre 1673 befürwortete. Magerechte Grabsteine. Zu diesem Thema wird dem „Jsr^" von fachmännischer Seite geschrieben: Ich kenne aus eigener Anschauung einen grossen Teil der jüdischen Friedhöfe Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Polens und Italiens und habe — von Einzelheiten abgesehen — ^nirgends die wagerecht liegenden Gruftplatten oder Sarkophagform als Charakteristikum vorgefunden, bis auf die portugiesischen Friedhöfe in Hamburg, Altona, und Elückstadt. Da scheint die liegende Grabplatte geradezu Gesetz gewesen zu sein und Man hat der Schlichtheit dieser Form durch künstlerischen, sogar plastischen Bildschmuck — wie biblische Uebertragüngen und Wappen — Leben und Variation verliehen. Nach alledeM scheint mir also die Gruftplattenform "eine sephardische Einführung zu sein, die vielleicht Uebung und Tradition wurde, weil die Maurische und christliche Form allgemein die aüfrechtstehende Stele war. Vielleicht aber auch sollte durch die liegende Form die Herausforderung zur Demolierung gemindert werden, oder liegt gar darin eine Fortbildung des früheren Grabschutzes, der in der Anhäufung einzelner Steine auf den Grabstätten bestanden haben soll: eine Reminiszenz an letzterer Uebung scheint mir ja noch die heute noch erhaltene Sitte des Auflegens kleiner Steine bei den Gräberbesuchen zu sein. In Festungsstädten ist die Errichtung liegender Grabsteine noch jetzt eine Anordnung der Militärbehörden. Uninteressant dürfte im übrigen nicht sein, dass der mittelalterliche St. Johannis-Friedhof in. Nürnberg in allen erhaltenen Denkmälern gleichfalls die. liegende.Gruftplatten- und SärkophagforM zeigt. . . . FrohMann-Holländer. Spanien und die Juden. Dr. Mar Nord au wurde zuM korrespondierenden Mitglied der medizinischen Akademie.von. Madrid. ernannt. Der bekannte Zionist Professor Richard Gotth.eil^in Newyork und der jüdische Antiquitätenforscher Ignaz Bauer in Madrid wurden za korrespondierenden Mitgliedern der historischen Akademie von Madrid ernannt. KriegsdekoraLLorren jüdischer Kfstziere und SsldüLen. Seine Majestät der Kaiser hat v erflehen: den Orden der eiser n en Krone 3'. Kllasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern dem Oberleutnant d. R. Artur- Perl Heft er, Feldart.-Reg.;

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