Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 38 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Wcttrda Landau, Hörerin der Philosophie, geb. 25. «Mai 1896 Wien.- Meier, rcctc Msütz Wachte!, geb. 24. Dezember ft864 Krakau/ 1. Bezirk, Rathausjtratzr 3. - Klara Minzer, Blatt, geb. 19. Dezember 1883 Wien, 3. Bezirk, Tosessrratze 9. > Richard Pick, geb. 11. Juli 1388 Wien, >röm.-kath. Gl. Leopold SHurgaft, Handelsangestellter, geb. 15. plovember 1894 Wien/ 4. Bezirk, Große Mugätze 3d. Ludwig Hugo WMz, Student,., geo. 22. Dezember 1895 Wien, 9. Bezirk, Sarnijonsgasse 13. - > Hugo Wrcharitzj, Direktor, ged. 16. November 1878 Wien, 7. Bezirk, Schottenseidgasse 78. LerrchrrZ. Die hiesige Kultusgemeinde hat durch das Hinscheiden eines iyrer treuesten Beamten.einen neuerlichen .schweren Verlust erlitten. Sekretärstellvertreter Moses Schaffer, der seit ungefähr 15 Jahren im Dienste Lek Gemeinde stand, erlag am ersten Neujahrs- . morgen einer tückischen Lungenentzündung, nachdem er noch kurz vorher, obwohl schon krank, seine Beruss- ^pflichten erfüllt hat. Der Verewigte war ein äußerst pflichttreuer und tüchtiger Beamter, dem die Interessen der Gemeinde sehr gm Herzen lagen, anderseits wußte er sich Lurch liebenswürdiges Entgegenkommen die Sympathien der Gemeindsmitglieder zu erwerben. Schreiber dieser Zeilen hat .einige Tage vorher seine Mithilfe in . einer jüdisch-religiösen Angelegenheit (es handelte sich um die Dispensierung, der jüdischen Beamten und Diener des Postressorts an den hohen Feiertagen) mit Erfolg in Anspruch genommen. Das von der Kultusgemeinde verunstaltete Leichenbegängnis fand am 9. September unter großer Beteiligung statt. — Ebenfalls am Neujahrsfeste wurde der jn allen Kreisen^ der jüdischen Gesellschaft hochgeschätzte. Universitätsprofessor Dr. Schorr durch das in Vöslau erfolgte Hinscheiden seiner Mütter in tiefe Trauer versetzt. Die Verewigte war eine wahrhaft gottesfürchtige Frau, die vereint mit ihrenß. im Tode vorausgegangenen, gelehrten Gatten ihre Kinder zu glaübens- und staminestreuen Juden zu erziehen verstand. Ihr Haus war die Kflegestätte echt jüdischer Religiosität, ihr Wandel der einer esches chail. Ehre ihren: Angedenken! . . FeuMeton. Roüaud im Iran Christof über ««d Irrdrntum, Von Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. (Fortsetzung.) / . ' ' Js. , - : u :;;V Jean Christofs Liebe zur Bibel. ■ezzssrr- -«ir. Als er seine Heimat verlassen mutzte, gab ihm die' fromme Mutter auch! die alte Familienbibel mit auf den Weg.^Sie hatte „Grobvater und Grotzvafers Vater gehört. Die Familienoberhäupter hatten am Schluß! auf eine leere Seite ihren NaMen und bedeutende Lebensdaten eingetragen: Geburten, Heiraten, Todesfälle. . . Diese Bibel hatte auf einem Brettchen üb«: seinem Bett gestanden: Während seiner vielen schlaflosen Stunden hatte er sie oft herabgenommen und sich! eher mit ihr unterredet als . sie gelesen . . . Mit ihr fühlte sich, Christof weniger allein". (II, 16.). Als er in Maris ankaM und Not und Elend und die furchtbare. Verlassenheit ihn zu. Boden drückten, schlug er die düstersten Seiten dieses! gewaltigen Buches auf: in Hiobs Leiden vergrub er. sich, und der grenzenlose Schmerz dieses großen Dulders erleichterte feine Seele und befreite sie. „D e r herbe H a uch, d er a u s dem alten V;U che sti e g, en tfachte in Christof neues Leben: der Wind vom Singi, von der weiten Einsamkeit und dem mächtigen Meer fegte die Miasmen fort. . .'Er sah sein Elend Md seine Verlassenheit, aber er fchaute ihnen ins Gesicht. Die Verzagtheit war vorüber,--nur eine männliche Schwermut blieb ihm zurück, er wiederholte sich Hiobs Wort: Wenn Gott mich tötet, lasse ich nicht ab, auf ihn zu hoffen." -Und dieser Liebe 'zur alten Bibel blieb' Jean. Christof treu bis .an sein Lebensende. Wenn von tobender Unruh und Unrast sein Herz voll war, von Leid und Wehe, suchte, und fand er Trost bei den .Propheten Israels, bei den markigen, wuchtig stämmigen Persönlichkeiten der biblischen Geschichte. Selbst Zorn-und G.rimm beruhigten sich in .ihm, wenn er die Bibel aufschlug und unversehens auf eine Stelle traf, die zu seinem 'Gefühlszustand paßte. Als er sah, daß die kokette. Colette Steven ihm Levy- Coeur vorzog, entschloß er sich, mit ihr zu brechen. „Sein Herz war schwer. . . Als er daheim mechanisch seine Bücher ordnete/ öffnete er zufällig seine Bibel und las: . . Und der Herr spricht: Darum-, daß die Töchter Zions 'stolz sind und gehen mit aufgerichtetem Hals, mit geschminkten Angesichtern, treten einher und schwänzeln und haben köstliche .Schuhe an ihren Füßen, so wird der Herr die .Scheitel der Töchter Zions kahl machen und der Herr wird ihr Geschmeide wegnehmen." (Jesaja, Kap. 3.) Er lachte hell auf, als er dabei an.. Colettes Treiben dachte: und er begab sich in guter Laune zur Ruhe." (II, 144.) Auch für seine musikalischen Ideen suchte er sich häufig die Vorwürfe aus den biblischen Erzählungen und Bildern. „Die Bibel, die ihm seine Mütter als Gefährtin in die Verbannung ' Mitgegeben hatte, war ihm eine Quelle von Träumen geworden. .O bgleich ex;fte nichLiw.relig i ö f.en; Sinneins, war ihm die sittliche, oder besser gesagt, .Lebensenergie dieser hebräischen Ilias ein Bronnen, in bem er abends seine, nackte Seele badete, die der Dunst und der Unrat von Paris beschmutzt hatten..Um den geheiligten Sinn des Buches kümmerte ey. sich nicht: aber es war ihm ein heiliges Buch durch ben Hauch wilder Natur und ursprüngliche'r Persönlichkeiten, den er daraus spürte. Er sog in sich die Hymnen der vom Glauben verzehrten Erde, der bebenden Berge, der frohlockenden Himmel und der menschlichen Löwen." (II, 174.) «es**-." Christof. hatte auf seinem langen Leidenswege in Paris endlich eine Seele gefunden, der.er sich anschließen konnte, endlich einen Freund, einen echten und selbstlosen: Olivier Ieannin. Gerade so ehrlich und rein wie Christof, nur hsttt, feinfühlig, vornehm!, ängst- .lich, scheu, ohne rechte Energie und Lebenskraft. Seine Kinderjahre verlebte Olivier als Sohn reicher Eltern in der Provinz. Der Vater verspekulierte.sich und beging einen Selbstmord. Die Mutter zog mit Sohn und Tochter na-ch Paris, wo sie Kummer und Sorge bald ins Grab brachten. Bruder und Schwester liebten sich mit rührender Zärtlichkeit. Antoinette war robuster, gesünder, kräftiger als ihr Bruder, der immer kränkelte und physisch wenig aushielt. Antoinette opferte ihre Gesundheit, nur um Olivier zu pflegen und ihm das Leben angenehmer, erträglicher zu machen. Aber die. rastlose Arbeit untergrub, schließlich die Gesundheit des Mädchens. Antoinette starb und ließ den Bruder einsam und allein in Paris zurück. Sie hätte es besser haben, können. Des hübschen, schutzlosen Mädchens, um das sich feine nächsten Verwandten gar nicht kümmerten, nahm ' sich in Paris eine reiche israelitische Familie namens Nathan -mit besonderer^. Herzlichkeit an. Die Schilderung dieser Iudenfamilie zeigt wieder, wie ° trefflich Rolland das