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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-09-27 · 38 (27.9.1918) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
38 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 8 Dr. Bloch’s Lentralorgnn kür die aesa mte nnteressen des Audsntums SS- S. k. .y»MV«ksF«nrmr Deartzrg-Brrkehr: 810.978 oo ©eb*lttü* »nb Rbmlnljb«tt*ax Wie» U/,. Praterstraßr 9 ^Talcp&OB! 45’&&9 ■■ ■ — ■ r o<F ien,127. September 1918 Erscheint jeden Freitag - Grich-Adrrff«: Wies. II/i, PrsterßrsHr 9 rsrssr«WM«Udnff»r Blech s s»och«rschrift, «Sr» -r-DO * Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Steuer. Lmzelrxemplare 50 HeLr» Tfon*t—i ib lwA|ihsfM» t*8f* Juhalt: Leitartikel: Die Wohnungsnot als Hetzmittel. — „Das Opfer Jsaks und das der Flüchtlinge." — Zwei alte jüdische PrüfungSzeugniffe und was sie erzählen. — Aus der Woche: Das Gesetz über die rumänische Staatsbürgerschaft. — Ein deutschnalionaleR Urteil über die Motive alldeutscher Antisemiten. — Die Juden in der polnischen Industrie. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Zwei Brüder acht Auszeichnungen. — Zum fünftenmal ausgezeichnet. — Große silberne Tapferkeitsmedaille für Offiziere. — Korrespondenzen: Die Aufgaben der jüdischen Jugend. — Zur Ethraugimfrage. — Heimstätte für jüdische Kinder (Kriegswaisenheim). — Flugschriften der Deutschen Fortschrittspartei in Böhmen. — Schon wieder eine Razzia im Tempel. — Eine Requisition in OSwiecim. — Nach Wiener Muster. — Ein Zeichen der Zeit. — Einiges über Bessarabien. — Vermischtes. — Feuilleton: Romain Rolland im Jean Christof über Juden und Judentum. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Zur gefälligen Beachtung! Wir, ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lausenden Aüon° nementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Betrage wolle man lick des der vorliegenden Nummer beige!egten?ss»L«s»SsßI-. sskrssksss bediLNkN.;ßje Adsulsilstratloii. Die. WohmrnSSnoL als Hetzmitiel» Die galizischen Flüchtlinge sind zum allergrößten Teil in ihre Heimat zurückgekehrt, die meisten von ihnen allerdings in eine Heimat, die noch, nicht bewohnbar ist, denn der Wiederaufbau der von wiederholter feindlicher Invasion gründlich zerstörten Gebietsteile vermochte leider nicht Mt der Ungeduld Schritt zu halten, mit welcher das goldene Wiener Herz diese „jüdischen Freim den" loszuwerden trachtete. Trotzdem heute mit Bestimmtheit behauptet werden kann, daß, die Zahl der noch in Wien befindlichen jüdischen Flüchtlinge die Zahl der aus anderen als galizischen Gebieten stammendeu Flüchtlinge zumindest nicht übersteigt, und die Zahl der galizischen Flüchtlinge in Wien überhaupt auf die Behebung oder Verschärfung der herrschenden Wohnungsnot keinen wesentlichen Einfluß, zu üben vermag, wird dennoch die Wohnungsnot in gewissenlosester Weise als Hetzmittel gegen die galizischen Flüchtlinge und auf diesem Umwege gegen die Juden überhaupt' mißbraucht. Wir befinden uns im fünften Jahre des Weltkrieges. Während dieser vier Kriegsjahre blieb das Baugewerbe, wie fast alle Friedensgewerbe, völlig lahmgelegt. Die Wohnungspolitik Wiens war schon lange vor dem Kriege so schlecht und sinnlos wie in keiner anderen Großstadt der Welt, und es war daher nur selbstverständlich, daß die ^Folgen dieser Wohnungspolitik in einem Jo lange dauernden Kriege auch dann zw einer Katastrophe führen müsse, wenn während des Krieges nicht durch Heranziehung ganzer Häuserblöcke für öffentliche Aemter und Bureauzwecke die Zahl der Wohnungen künstlich Herabgemindert worden wäre, wie es tatsächlich der Fall war. Jahrzehnte alte Sunden, verschärft durch nunmehr vierjährigen völligen Stillstand der Baubewegung, auf der anderen Seite das Anwachsen der Bevölkerung Wiens sind' schuld an der Wohnungsnot, und es ist erbärmliche Heuchelei, bewußtes Ablenken der von der Gemeindeverwaltung Rechenschaft fordernden Bevölkerung, für die Wohnungsnot die galizischen Flüchtlinge, nur die galizischen Flüchtlinge, verantwortlich zu machen.; Eine Art geistiger Wohnungsnot wurde auch vom Dekanat der medizinischen Fakultät an der Wiener Alma mater zum Vorwand genommen, um einen nnnwrns clausus einzuführen, der sich offenkundig nur gegen jüdische Studierende aus Galizien und der Bukowina richtet. Dieses mit den Bestrebungen der heutigen Zeit sicherlich nicht vereinbare Verhalten der für diese Fragen maßgebenden Wiener Stellen, hat, da es sich ja bloß um Juden und überdies noch uM galizifche Juden handelt,^ bezeichnenderweise bisher von nichtjüdischer Seite noch keine Zurückweisung erfahren. Dieser Tage endlich 'hat sich ein polnischer Graf veranlaßt gesehen, in einem, in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" veröffentlichten „Offenen Brief" an Bürgermeister Dr. Weiskirchner mit aller Offenheit auf die Heuchelei der Wiener Rathausmächtigen hinzuwejsen und das Vorgehen der antisemitischen Patrioten ins richtige Licht zu setzen. Dieser „Offene Brief", der von neuem beweist, daß die Vertreibung der Flüchtlinge aus ihren gegenwärtigen Aufenthaltsorten und der Zwang, in ihre sogenannten Heimatsstädte zurückzukehren, unter den gegebenen Verhältnissen, ein Akt unbeschreiblicher Herzlosigkeit wäre. Der Brief des Grafen Wandalin Mniszech hat folgenden Wortlaut: . .

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