Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 31 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Dr. Blsch'N Wochenschrift - 501 ' Lei weitem nicht aus! —, gestattet sich der Vorbereitungsausschußi, an die Leser der „Oesterr. Wochenschrift" «mit der Bitte heranzutreten, unserem Fonds! einen Beitragi freundlich st stberw eisen zu wollen. , Beiträge wären an. Herrn FeldraVüiner Dr. San.a er, O.-K.-H., Feldpost Nr. 308, zu richten. Wokvr »IsillMl der Glaube an Bitualmorde? Ein Vortrag im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Breslau gehalten — von Dr. Joseph 8. Bloch. (Fortsetzung.) Die dritte Erzählung in dem katholischen Lesebuch berichtet von dem heiligen Simon von Trient und hebt mit folgender Betrachtung an: »Wie dergerechteGottgroßeSünden eines Volkes auf Jahrhunderte hin schon-auf Erden straft, davon sind die Juden seit achzehnhundert Jahren die lebendigen Zeugen. Aber wie die Strafe, die sie wegen des Kreuztodes Christi leiden, fortdauert, so dauert auch bei vielen Juden der Haß gegen Christus und gegen die Christen immer noch fort und zeigt sich oft in recht greller Weise. So haben sie,-wie ganz zuverlässige Zeugnisse beweisen, in früheren Zeiten mehrfach kleine Christenkinder gestohlen oder gekauft, sie dann grausam gemartert unä von ihrem Blute getrunken, und zwar fast jedesmal am Karfreitage, wo ihre Väter Christum ermordet habfrn. Eines von diesen Kindern war Simon von Trient, einer Stadt in Südtirol; er wurde gemartert im Jahre 1475.« Die Geschichte des Knaben Simon bildet die Tragödie der reichen Judengemeinde von Trient. - Die Ereignisse vollzogen sich programmäßig und das Programm wurde vier Wochen vor dem Ereignis vorher in einer Predigt angekündigt. Der Guardian des Franziskanerklosters vermeldete in einer gegen die Juden gerichteten Predigt: „Es wird das Passah des Herrn nicht vorübergehen, ohne daß diese Leute einen würdigen Beweis ihrer Güte geliefert haben.“ Die Prophezeiung hat sich natürlich erfüllt. Am Gründonnerstag (23. März) 1475 verschwand der am 26. November 1472 geborene Knabe _Simon Unferdorben. Die Leiche "wurde in die Nähe des Wohnhauses eines reichen Juden Samuel geschmuggelt. Dieser meldete selber den Fall dem Magistrat und dem Bischof Hinderbach und nun geschah, was überall zu geschehen pflegte. Die reichen' Juden wurden sofort eingekerkert, mit raffinierter Grausamkeit den qualvollsten Folterungen durch 15 Tage unterworfen, bis sie als Gnade sich erbeten haben, lebendig verbrannt zu werden. - Man beeilte sich, dieser Bitte zu willfahren, denn einige Tage darauf kamen Befehle vom Kaiser, die Verfolgung einzustellen, und ein Delegat des Papstes erschien, um die Vorgänge zu untersuchen. Die näheren Details dieses Prozesses, der noch viele Jahre andauerte, zu schildern, kann hier nicht die Aufgabe sein. Es sei nur eines interessanten Zwischenfalles Erwähnung getan. Die Juden hatten sich an einen Priester gewandt, er möge ihnen in der bischöflichen Residenz die Pr o z e fiak t e n abschreiben. Sie wollten Kopien davon, an die geistlichen und weltlichen Behörden senden, weil sie wußten, die ungefälschten Originalakten könnten nur zu ihren Gunsten sprechen. Der Priester wurde beim Abschreiben ertappt, und, vor ein Gericht gestellt, schnitt er sich, um der Folter zu entgehen, in einem unbewachten Augenblick die Zunge ab» Auf Grund der vorhaadenen Akten gelangt ein objektiver christlicher Forscher, wie der vor wenigen Jahren verstorbene Gelehrte Dr. Scherer, zu folgendem Urteil: »Es kann nicht; einmal von einem Justizmord in diesem Falle die Rede sein, sondern die Untersuchung und Verurteilung der Trienter. Juden muß als ein im voraus verabredetes und auf Grund eines wohlüberlegten Planes ausgeführtes Komplott zum Verderben der Juden bezeichnet werden. Mag auch Hinderbach nicht, wie ihn der päpstliche Kommissär und die Anwälte der Juden beschuldigten, aus Habsucht die Verfolgung der Juden angeordnet haben, . . . einen großen materiellen Vorteil zog sowohl er als seine Residenz aus dieser cause cMfcbre dennoch, da Trient seither ein vielbesuchter Wallfahrtsort wurde.« Es ist ein schweres Versäumnis der jüdischen Gesamtheit und eine Versündigung gegen das Andenken unserer heiligen Märtyrer, daß die Protokolle dieses Prozesses, welche in Rom, in Innsbruck und in Wien erliegen, nicht längst in vollem Wortlaut der Oeffentiichkeit zugänglich gemacht worden sind. In der Kirche San Pietro von Trient befindet sich die Kapelle des hl. Simon mit zahlreichen Bildern, deren Photographien nach aller Welt als Ansichtskarten versendet werden. Sämtliche Gemälde der prächtigen Kapelle sind diesem vermeintlichen Ritualmord gewidmet; auf dem Altar selbst steht eine Nachbildung des kleinen Knaben in Lebensgröße. Größere und kleinere goldumränderte Gemälde zeichnen das Ereignis. Ein nackter Knabe liegt auf dem Tisch und Männer mit langen Bärten und jüdischem Typus machen sich an ihm zu schaffen. Während der Sommermonate hat die Kirche viele Besucher und der Kirchendiener ergreift die Gelegenheit, Reliquien zu zeigen, die die Kapelle aufbewahrt. Er schließt einen kostbaren Schrank auf und bringt zuerst einen - Glasbehälter hervor, der auf geschmücktem Untersatz ruht. Unter der schlanken Glashülle., ist das „Ritualmesser“ aufgerichtet zu sehen, mit dem die Juden das Kind gequält haben sollen. Eine zweite Glaskapsel, auch prächtig geschmückt, stellt sich daneben auf. Geronnenes schwarzes Blut füllt die Hälfte des Raumes aus. Immer mehr Reliquien erscheinen, zuletzt ein großer schwarzer Kessel, in dem das Christeirkind bei seiner Peinigung gelegen sein soll. Solche Bilder des Knaben Simon finden sich in mehreren Wallfahrtskirchen und sogar in der Peterskirche zu Rom. Andere Kirchenbilder, welche auch das Blutmärchen darstellen und so die angeblichen Greueltaten der Juden dem Volke vor Augen führen, findet sich in der Kathedralkirche zu Sandomierz an der russisch-österreichischen Grenze, wohin Tausende und Tausende fromme Pilger aus der Umgebung wandern. Auch die Klosterkirche zu Kalwarya — einem bekannten Wallfahrtsorte — ist mit einem solchen Bilde geschmückt. Auf diesem Bilde befinden sich die vorschriftsmäßigen zehn Juden, die damit beschäftigt sind, ein Christenkind zu schlachten. In Gebetmäntel gehüllt, umstehen neun einen Tisch, auf welchem ein nackter Knabe liegt, demj einer mit furchtbar fanatischen Zügen die Füßchen halt, während ein anderer ihm mit einem Schächtermesser die Kehle durchschneidet und einer bei der Tür postiert ist, und den Aufpasser macht. Unter dem Bilde steht in polnischer Sprache: „Das Martern eines Kindes, Sohn der Adam und Eva Studzinski, vierthalb Jahre alt; am Karfreitag von Juden aufgefangen und am -Samstag nach dem Schabbes in schrecklicher und unerhörter Weise im Wirtsbause Makowa nächst Zytomierz in der Nacht von Juden ermordet im Jahre des Hqrirn 1675 am 25. Mai.“ Schon dieses Datum laßt erkennen, wie verlogen die ganze Beschichte ist, die das Bild vorstellen soll — am 25. Mai! Und Ostern kann doch