Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 30 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Mr 30 Tr. Bloch's Wochenschrift <5«itr 483 bieitftc zuschanden macht und über einen Rumpf und Stumpf nicht hinauswächsen will. Freilich (und .auch dies sei Herrn Dir. Kr enberge r> wie allen, die um! ihn sind, nicht verhehlt) viel eine Generalversammlnngsstimme hat darauf reagiert imb der einzige Effekt war die 'Szene — nach denr Tribunal.- Da hat der gütige Vorsitzende der damaligen Generalversammlung (es war nicht der Präsident der „Mianz") Mich, etwas' pikiert, aber sonst zutraulich, unter den genommen und mir schalkhaft ins' Shr geraunt: „Bieber Freund! Was wollen Sie von uns ..?" Ich war entwaffnet- Freilich^, was ich wollte, das will jetzt Herr Dr. Krenberger. Möge er sich nicht irre und kirre machen lassen. Er hat (was mir zu fehlen scheint) eine lebhaft pulsende agitatorische Wer — und ein solcher Aderlaß ist oft recht gesund. Men, am' 27. Juli . 1918. Dir. Heinrich Schreiber. Universitütslprosefsor Dir. Einannjel Löwy. Der Kaiser hat den nach dem Ausbruch des Krieges mit Italien nach Wien zurückgekehrten Professor der Universität zu Rom Dr. Enranuel Böwy zum außerordentlichen Professor der klassischen Archäologie an der Wiener Universität unter gleichzeitiger Verleihung des' Titels und' Charakterseines ordentlichen Professors ernannt. Professor Emanuel Bö wy ist in Wien mit 1. September 1857 geboren, besuchte hier das Akademische Gymnasium' und studierte an der Universität vorerst^ allgemeine Sprachwissenschaft und klassische Philologie, wurde. Zögling des! archäologischeepigraphischen Se^pinaps.,und.widmete sich, besonders, der klassischen Archäologie unter Alexander Conze und Otto Beint * d o r f. An denarchäologischen Expeditionen Conzes und namentlich der kleinasiatischen Otto Benndorfs, durch die dem Wiener HofinuseuM das hochb'edeutsame Denkmal, alrgriechischer Kunst, das bekannte Heroon von Gjülba'jchi, zugewächsen isthat Bö w y rühmlichsten Anteil genommen. Nachdem' er einige Zeit als Privatdozent in Wien tätig gewesen, erhielt er 1889 einen Ruf an die Universität in Roch, wo er,- als erster Professor der klassischen Archäologie iM Modernen Sinne, durch 26 Jahre wirkte, und nach Ueberwindüng nrancher Schwierigkeiten durch seine Tätigkeit sich imMer mehr zur Geltung zu bringen verstand. Nicht unerwähnt darf bleiben die mit verhältnismäßig geringen staatlichen Mitteln bewerkstelligte Schaffung eines! großen, guteingerichteten GipsmUfeums, des ersten und größten In Italien überhaupt, und eines der schönsten Europas. Seine populären Vorträge daselbst erfreuten sich eines ebenso zahlreichen wie vornehmen Besuches; auch die Königin- Mutter fand sich gelegentlich ein. Auch im. Consiglio sup riöre di antichita e belle arti am Ministerium für Kultus und Unterricht wirkte er verdienstlich, und manche Erwerbung des Staates für den römischen Kunstbesch (wie des sogenannten Mädchens von Anziv, der ganzen Sammlung Budovisii Mit denr berühmten archaischen Thron der Aphrodite, der Sammlung des Prinzipe Barbärini und andere italienische Museen) gehen aus ihn zurück. Seine österreichische Staatsbürgerschaft hatte er beibehalten; als der Krieg mit Italien unausbleiblich war, verließ er Rom' mit Zurücklassung seiner Habe. Seither lebter in seiner Vaterstadt Wien. Vor kurzem wurde aus Zeitungsüach,richten bekannt, daß die italienische Regierung Professor Bö w y feiner Stelle für verlustig erklärt hat. Seinen anerkannten wissenschaftlichen Namen hat sich Enranuel Böwy durch bedeutsame fachwisstnschaftliche Werke gesichert. SyuagogenLinwMMng an Lee italienischen Frvikt. Eine Feier, die eiftt schönes und rühmenswertes Zeugnis,ab-> legt von der rastlosen Rührigkeit, Mit wsslcher unser Feldrabbkner Dr. M. Friediger hier draußen an der Front fernen Berus erfüllt, hat am Vorabend des Schabbos Nachmu in einem an der italienischen Front gelegenen Orte stattgefünden. Den rastlosen Bemühungen des Herrn Feldrabbiners Dr. Friediger ist es gelungen, im Bereiche unserer Dirision an der Front eine Synagoge m errichten, wo täglich morgens und abends Gottesdienste abgehalten we.den. An die Synagoge schließt sich ein Lesezimmer, wo eme Weine Bibliothek untergebracht ist, und wo Zeitungen jeder Art, hauptsächlich verschiedene jüdische Zeitchristen, ständig ausliegen. Die Einweihung fand am 19. d. M. statt und wurde für uns Juden an der Front zu einer erhebenden und erfreulichen Feier. Anwesend waren das Divisronskommando. ein General, der Brigadier, mehrere Stabsoffiziere. Hauptleute und viele andere - Offiziere als Vertreter der eiryelnen Regimenter, nebst vielen Soldaten. j Den Mittelpunkt der Feier bildete eine begeisternde, von aufrichtigenl religiösen Empfinden und von echter Vaterlandsliebe getragene Rede, die auf die Zuhörer eine tiefe, nachhaltige Wirkung, ausübte. Ein Gefühl der Genugtuung war es für uns, als der Herr Feldrabbiner im Aufträge Sr. Erzellenz von der uneingeschränkten Anerkennung sprach, die seitens der hohen militärischen Behörden den jüdischen Soldaten für ihr tapferes Verhalten und ihre erprobte Vaterlandsliebe gezollt wird. Die österreichische und ungarische Volkshymne, gespielt von einer Regimentskapelle, schloß die wirkungsvolle Feier, die uns jüdiche Soldaten mit berechtigtem Stolz erfüllte und die den Beweis erbracht hat, daß die Religion stärker ist als Not rund Leiden und haß nur jene Treue /«um Vaterlande ccht ist. die sich nicht nur,km Frieden bewährt, sondern c^lch im Leid aufrecht bleibt. Was Feldrabbiner Dr. Friediger geleistet hat. ist ein KiddvZch» haschem. Baal M i l ch a m a. .Zum 9. W 5b78 im Felde. Langsam senkte sich der Abend, der sonst strahlende Mond zieht am Himmel empor und Sterne ohne Zahl krönen das Firmament. Da stehen Judas Söhne in einem grünenden Hain des italienischen Bodens zu einem stillen Gebet vereint. Im Klage- Ion ertönen ihre Meisen, denn sie kennen der -Stunde hohe Pedeutung. Da plötzlich tritt Ruhe ein, an Stelle -der Klagelieder ergreift einer aus ihrer Mitte das Wort: „Der'.Esel kennt seine Krippe, der Ochs seinen Herrn, doch Juda seinen Gott nicht!" Vor Jahrtausenden hat der Prophet dies Wort gesprochen, die heilige Stadt ward durch die Unieinizkekt des Judenoolkes ein Opfer der Babylonier geworden. Im Golus zu neuem Leben erwacht, bringt vereinte Kraft die heAige Stätte ihm zurück.-di: aber w-iever, unv nun für lange Jahre, der Sitz-«fremder Völker bleibt. Juda hat eben den Geist für seine Schätze -verloren, nur noch ein Anker knüpft es fest, der Glaube, der durch.die im Golus zu bestehenden Prüfungen, immer fester wird. Allein, was Juda auch immer leisten möge, seinen Zvonsstern kann er nicht wieder erlangen, hingegen bleibt Spott und Schande an ihm haften. Da fand sich aber doch vor Jahren ein Mann, der neuen Geist in die Masse des Volkes brachte, und starb er auch allzu früh, was er uns gelehrt. ist uns geblieben. Nicht länger wollen wir. jenes Volk sein, das laut Prophetenwort schlechter als Ochs und Esel sei. im Gegenteil. wir wollen aufwärts streben, des Volkes Ehre nicht nur retten, sondern auch der der anderen Völker gleichstellen. Wie -Löwen kämpfen wir für Oesterre'chs Fahne, die Besten unter uns. sie fallen; wir wanken nicht, im Gegenteil, mutig harren wir aus, denn nur. wer Pflichten kennt, kann Rechte fordern. So fei es denn, und ftets soll Einigkeit in Juda herrschen, damit, wenn glücklich wir zu unseren Lieben heimgekehrt, des Mondes sanfter Schein Heller noch am Himmel uns erscheine. Nach diesen. Worten schließt das Olenugebet unseres Volkes Söhne stille Andqcht. ein gemeinsames Kadischgebet für die Gefallenen und unseren größten Volkeskämpfer hallt wieder nt den Bergen der südlichen Alpenwelt. __ ' K. F-. Tier patriotische Kultüsvorstarrd. Ung.-Brod, den 26. Juli 1918. Vor zwei Wochen verschied hier nach längerem schweren Leiden der Infanterist Moritz Fuchs, Besitzer des eisernen Verdienstkreuzes, der bronzenen Tapfermedaille und des Karl-Truppenkreuzes. Seit Kriegsbeginn eingerückt, erkrankte er nach dreißigmonatiger Felddienstleistung, njährend der er bei einer MaschmengewehrMeitung einen verantwortungsvollen und schweren Dienst versah, und zwar im Gletschergebiet des Ortler, an einer totoringenden Nierenentzündung, die er sich dort zugezogen hatte. Ohne jegliche Unterstützung von seiten des Kultusvorstandes, blieben die Pflege und I