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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-08-02 · 30 (2.8.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
30 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Herr. 474 Dr. idloK'S Wochenschrift ßk. 30 Nur Brosämerr sind' von diesem reichen Tisch an die Juden gefallen, aber die deutschen Abgeordneten wollen letztere trotzdem den wildesten Instinkten des Pöbels auÄiefern, damit die deutschen Industriellen verschont bleiben. ' Hervorragende Nebenbuhler in dieser Kunst der schamlosen Judenhetze sind natürlich die Allpolen. Vor uns liegen Prollanmtionen mit der Aufforderung zum Pogrom gegen die polnischen Juden, die am hellen Tage Verbreiter werden, mib selbst im deutschen Reichstag wurde, von ihnen gesprochen. Wenn Man sich an den Bezirkshanptmann ' wendet, der nreist selbst ein Allpole, ist, so erklärt dieser, nichD machen zu können, iveil er keine Weisungen habe. Bleibt vielleicht auch das Auge der Militärbehörden^ geschloffen?. Man erlaubt al',0 diesen Vertretern des offenen Hochverrates di e Agitation zu Mord und Plünderung. In der „Ostdeut- ' schen Rundschau" ist zu lesen -gewesen, daß. die Lchlachta bei den Requisitionen den Behörden offen Hohn gesprochen und kein eurziges Kilogramm Getreide abgeliesert hat. Polnische Legionen haben gegen. uns in Rußland gekämpft und kämpfen jetzt in Massen auf der Seite der Feinde in Frankreich. Keinen Mann und leinen Groschen haben die Polen für die Befreiung ihres Königreiches geopfert, aber jetzt leisten sie den Ottnpationsbehörhen jeden möglichen Widerstand und wollen eine Provinz von der Monarchie abtrennen. Zn Beginn des Krieges haben sie jeden Halm von ihre st Feldern der Heeresverwaltung um teures Geld verkauft und voir der Haltung einiger polnischen Regimenter im Kriege wird man spater noch sprechen. Samt ihren Beamten haben sie Ausstände und Demonstrationen ver- ' anstalter. Diesen Stützen der Gesellschaft und des! Staates erlaubt man' nun, den inneren Krieg gegen die Inden zu verkünden, offenbar weil diese sich weigern, am schamlosen Hochverrat der.polnischen Enreutefreunde : teilzunehmen. Natürlich darf im Reigen der Edelsten.und Besten unser Freund Kunschak nicht fehlen. Die christlichjsoziale Partei' des „Gottes Nimm" gehört überhaupt zu den ausgebeuteieu Opfern dieses Krieges. Hohlwangig und gebeugt schleichen unsere Stadtväter durch die weiten Hallen des Rathauses. Es ist nicht wahr, daß sie ebenso wie so viele deutsche Wgeordnete^glänzende Lieferungs-. und Vermittlungsgeschäfte gemacht haben. ED ist nicht wahr, daß sie ihre eigentliche Aufgabe vergaßen, die Stadt Wien in weiser Voraussicht vor einer Hungersnot zu schützen. Es ist nicht wahr, daß sie selbst fast gar nichts tun und alles von der Regierung verlangen, und daß es der jetzige Bürgermeister war, der in öffentlicher Rede im Jahre 1914 sagte, der Krieg, sei der ewigen Spannung vorzuziehen. Gewiß, es sind Ehrenmänner, diese Christlichsozralen, und ihr biederer Knrisch ak ist. ihre Blüte und-Auslese. Er hat eine Versammlung gegen die Gerüchte Wer das! Kaiserhaus' dai zu benützt, nur blutig! gegen die.'Juden zu Hetzen. Wie konnte er sich, denn unterstehen, die.Juden mit diesen infamen Gerüchten überhaupt in Zusammenhang! zu bringen? Er weiß wohl ausgezeichnet, wer die.Gerüchte in Wirklichkeit auMbrachk und ausgesprengt hat, und daß diese Uebeltäter seiner, Partei nahestehey, aber Feinde der Judensind. Das! hürdert diesen Geistes- und Charakterhelden aber durchaus nicht, seine antisemitischen Unflätigkeiten lo^ulassen gegen Staatsbürger, deren unbedingte dynastische und vaterländische - Treue viel - zu hoch sichen, als daß sie noch betont werden müßten. Gerade gegen die staatstreuen Juden wird in Oesterreich-Ungarn gehetzt. Vielleicht, um sie für ihre Staats^ treue zu strafen, uM die Verwirrung im Staate zu vergwßjern,umdie Iud en d es Auslandes gegen die ZentrchlMachte zu erbittern, um der englischen ProPag an da bei un.s ein eFren d e zu Machen. Gewiß, auch Juden haben in diesem Kriege ein volles Kerbholz von Sünden. Wir denken nicht daran, - sie zu schützen und sie vor der Strenge des Gesetzes zu bewahren. Ganz gewiß aber vor der . Strenge KunschaW. Wir Juden sind kein besseres, aber ganz gewiß kein schlechteres Volk als die anderen. Wir haben auch schlechte Menschen unter uns- und diese sotten ihre Taten verantworten wie jeder andere. Wer wir wehren uns entschieden dagegen, daß wir alle Juden mit den wenigen Schuldigen unter uns leiden sotten. Das eine muß den verantwortlichen wie den unverantwortlichen Faktoren, mit größter Schlürfe und Deutlichkeit gesagt werden: Wir Inden in Oesterreich- Ungarn fürchten uns nicht!. Wir sind keine russischen Ghettojuden, die sich wehrlos , ansplündern öder abschlachten lassen. Wir haben Massen von Menschen unter uns, die an der Front den Kampf gelernt haben, Massen von- Menschen, die nackjahrelanger Verzweiflung in den Flüchtlingslagern nichts mehr zu verlieren haben. Wir hoffen nur, daß Kun - schal, dessen Bruder von einer Mordtat her schon bekannt ist, Und seine Gesinnungsgenossen bei der Pogromhetze nicht ein paar arme Dnmmköpfe vorangehen lassen, sondern selbst in der ersten Reihe steheir werden, wchin 'es losgeht. Sie werden uns bereit finden! Kimdgebimg der Wiener Israel. Kult«» gemeinde «nd der österreichischen Kultnsgemeinde« gegen die antisemitische |terhrtznng der Kenötkernng. Freitag den 26. Juli 1918 fand im! Sitznngssaale der Wiener israelitischen Kultusgenteinde unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Mfred Stern eine überaus zahlreich besuchte öffentliche Plenarsitzung statt, deren einziger Gegenstand eine Kundgebung- ..gegen die immer mehr zunehmende Verhetzung der Bevölkerung gegen die Juden bildete. Präsident Dr. Stern eröffn ete die Sitzung mit folgender Ansprache: „Sehr geehrte Herren! Der Gedanke, gegen die in Oesterreich um sich greifende Jndenhetze öffentlich Stellung zu nehmen, beschäftigt die österreichische Judenschaft schon seit tanger Zeit. Schon vor vielen Monaten wäre eine Versammlung wie die heutige, die so allgemeinen Zuspruch fand, in den Verhältnissen begründet gewesen, aber immer war eN es Rücksichten' auf. das Interesse und. das Ansehen des Staates im Auslande und Rücksichten auf die finanziellen Interessen des Staates' im Inland«, die uns bisher davon abhielten, gegen die Agitation der antisemitischen Partei in ihrer Presse, in 'öffentlichen Versammlungen, im Gemeinderate und. Reichsrate und überhaupt in ihrem.ganzen Gehaben gegen die Juden öffentlich Verwahrung einznlegen. Wir .haben es bis an die .äußerste Grenze des. Duldbaren ertragen, daß der Burgfriede vvn seiten der Antisemiten von dem Tage seiner Proklamation an in der schnödesten.Weise gestört und gebrochen wurde, wir haben es! ertragen, weil wir damit dem Vaterlande dienen wollten. Nun abeA da diese Hetze.bereits' Formen angenommen hat, die die Bevölkerung zu. Pogromen gegen die Juden aufreizt, da es einem niedrigen Hetzer möglich war, in einer

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