Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-19 · 28 (19.7.1918) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
28 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022329--27034-3052427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 28 em 453 i Dr. MES KoMnWrßst JaiMlitz. Kürzlich gestalte^ sich die Heimreise Bu- ' kowinaer Kriegsflüchllingie aus dem! mährischen Städtchen Iamnitz zu einer bemerkenswerten Danteskundgebung. Nachdem zwei Flüchtlings namens aller allere die ihnen Teilnahme gewidmet,! insbesondere aber dem dortigen Wirtschaftsbesitzer H'errn Ludwig Lohn,- letzterem dafür, daß er oft für die Beschaffung ihrer Bedürfnisse Vorzug sorgen 'hatten ja aus ((eigenen Mitteln ihnen aush-alf,' herzlichst dankten^ war es herzergreifend,' mitanzusehen, wie sich schließlich alle Flüchtlingskinder zum Abschiedskusse an Herrn L. Kohn herandrängten. Prag. (Leichenbegängnis.) Am Freitag den 12. d. sM wurde der Professor (der deutschen Handelsakademie in Prag, Herr Paul Baum> der einzige Sohn des Oberlehrers Herrn A. Baum in Klattau, unter sehr zahlreicher Beteiligung aller Beoölkerungsschichten, insbesondere seiner Berufsgenossen und gewesenen Schüler, beerdigt. Der Verblichene stand erst im 27. -Lebensjahre. Er hatte alle seine Studien mit Auszeichnung absolviert,ünb war, wie die Todesanzeige der Akademie hervorhsbt, einer der tüchtigsten Lehrer von den besten Charaktereigenschaften. An seiner ,Bahre» die mit zahlreichen herrlichen Blumenkränzen geschmückt war, sprachen im Namen des Lehrkörpers Herr Prof. Schulrat Deimel, für den Humanitätsverein „Praga" B'nai B'rith der Präsident Bankdirektor Freund und in Vertretung der Schüler.ein Abiturient der 4. B-Klasse, deren Vorstand der Entschlafene gewesen. Alle Redner schilderten die Verdienste und die seltenen Charaktereigenschaften des geliebten Kollegen, und gewissenhaften Lehrers und Beraters der Fugend. Die tiefgebeugten Eltern des Verblichenen erhielten unzählige mündliche, -schriftliche unjd telegraphische Beileidsbezeigungen. -Möge dem jEntschlafenen, der in jeder.Beziehung ein iMuster- Nieufch war, die Eiche leicht sein! l OlmM Der Verband der Rabbiner Mährens gibt bekannt, daß für den. Landesverband der isr. Kultusgemeinden in Mähren außer den Herren Rabbinen mit Virilstimmen die Herren Dr. Levy-Brünn, Dr. Weißj- Jglan, Dir. S p t x a-M-O ffcait, Dir. O p p e n hei ms- Olmätzi, Dir. G. oldsch m id t-Proßrntz, als Delegierte die Herren Rabbinen Dir. Hoff-Bisenz, Dr. Lazarus- GMng/ Dir. Flesch-^B^Kroman, Dr. Schweng er- Lundenhurg, Dr. Hille l-Leipnik, Bela D i am a n t-Mißflitz, Dir. S t e i f-Neu--Ranßnitz, Dr. G, sch e i t-Triesch, Dir. R achm u t-Teltsch, Dr. Nü r n be r g e r-Ung.-Brod gelvählt wurden. - Feuilleton. Wober 8t»uuut ä«r Glunb« an Ritualmorde? Ein Vortrag im Verein fiir jüdische Geschichte und Literatur in Breslau gehalten von Dr. Joseph 8. Bloch. (Fortsetzung.) 3. Allein, cler- Ritualmordwalin hat auch einen bestimmten g eis tigen Niälirb oden und eine ganz bestimmte geistige Atmosphäre zur Voraussetzung. In den Ljändern außerhalb des Christentums, in dem persischen Reiche, unter der Herrschaft der Araber uad Os inanen, seihst im Machtbereich der grausamen. Berberstämme, brauchten sich1 die Juden niemals gegen dies'e oder ähnliche Anschuldigungen zu verteidigen. Ein schweres Geschick hatten sie auch dort zu ertragen, sie wurden oft von grausamen Verfolgungen heimgesucht. Allein das Mjärchen des Ritualmordes war diesen Ländern durchaus unbekannt. Bei allen Blutprozessen1, die im Laufe der Jahrhunderte mit den Mitteln grausamster Folterungen abgeführt wurden, waren immer Christen die Ankläger. Damaskus ist eine Stadt in der Türkei, dort wohnen Türken, Christen nnd Juden, aber die Türken haben nie daran gedacht, daß Juden nach ihrem Blute Verlangen tragen. Nur die christlichen Mönche im dortigen Kloster haben die Klage erhoben, daß die Juden einen von ihnen, den Pater Thomas, für daSvPessachfest abgeschlachtet haben. Diese Tatsache, daß die Blutbeschuldigung gegen die Juden noch nie in einem nich'tchristliöhlen Lande aufgetaucht ist und immer nur innerhalb einer christlichen Bevölkerung Verbreitung und Gläubige gefunden hat, ist von hoher völkerpsychologischer Bedeutung. Die Empfänglichkeit der unteren Volksschichten christlicher Länder für. die giftige Aussaat der Blutlüge, welche oft wie eine geistige Seuche verheerend über die jüdischen Gemeinden dahinraste, und die Immunität nichtchristlicher Volksgruppen speziell.gegen derartige Ausstreuungen muß eine psychologische Begründung haben. Es ist eine erweisliche Tatsache,' daß die niedere christliche Bevölkerung in ihrer Naivität niemals Apstand nahm, auch dem vermeintlichen Feinde des Christentums eine christlich dogmatische Auffassung zu supponieren, ohne zu bedenken, daß derjenige, welcher außerhalb der Kirche steht, einer solchen Auffassung vollständig unzugänglich ist. Wir wissen z. R., wie oft blutige Judenverfolgungen ihren'äußeren Anlaß und Vorwand in einer Anklage hätten, daß Juden eine Hostie mißhandelt, verhöhnt, ja sogar, um ihren Christushaß zu .befriedigen, mit Nadeln durchstochen hätten.- Die Hostienanklage bot den Stoff für ein historisches Drama, welches den Judenmord von Deggendorf darstellt unter dem Titel „Der Religionseifer oder Ausrottung der Juden in Deggendorf anno 1337, ein Trauerspiel in 5 Aufzügen“. Die Juden haben bei einer Christin 10 Hostien gekauft, um den Messias zu beschimpfen. Diese Beleidigung Christi wird gesühnt durch Ermordung aller Juden von Deggendorf. Im 4. Aufzug rühmen sich die Helden ihrer vollbrachten Tat und einer erzählt, wie er in einem Judenhanse eine Kellertür aufgebrochen — Tod! Hölle! „Da sah ich eine noch übrig gebliebene Judenbrut, worunter ein Rabbiner war. Wie ein Würgengel eilte ich auf ihn zu, schlug ihn mit solcher Gewalt vor seine Stirne, daß das herausspritzende Gehirn an allen 4 Wänden Echo gab, dann greife ich nach meinem Schwerte, rieb alles auf, was lim mich war, wie ein verzehrendes Feuer. Allein ein Weib wollte mir noch entfliehen, sie eilte geflügelt die. Treppe hinauf. Ich sah es, folgte ihr nach bis auf den Platz. Aber dort traf sie mein Arm so gewaltig, daß ihr Lebenslicht auslosch.“ Daraufhin wird diesem Helden zugerufen: „Recht, Mann! Für Deinen Eifer wird Dich der belohnen, welcher jede Tat ausgezeichnet hat.“ Dieses Drama wurde noch im 19. Jahrhundert in Bayern aufgeführt. Wegen des angeblichen Verbrechens der Hostienschändung sind zahlreiche jüdische Siedlungen in Ranch und Flammen aufgegangen. Im Jahre 1478 wurden zu Passan viele Juden hingerichtet, die auf der Folter folgendes Geständnis abgelegt hatten: Sie hätten für einen Gulden 8 Stück einer Hostie gekauft, hätten sie zerstochen, darauf sei Blut ausgespritzt und das Antlitz eines kleinen Kindes erschienen; 2 Stücke hätten sie nach Prag, 2 nach Neustadt, 2 andere nach Salzburg geschickt, die letzten 2 hätten sie in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.