Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 28 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 450 .... .' i- . Dr. B l och 's V ochrn sch r i ft Nr 28 auch seine klaffende Halbblldnng. Vom Alten Testament scheint er nicht viel gekannt zu haben, dagegen sagt er den Studenten, wenn sie schon Antisemiten sein wollen., sollen sie es im.Sinne von Moses, Christus, Spinoza und . Lessina f?) sein, nämlich Feinde des aoldenen Kalbes, gleichgültig, ob es jüdisch oder christlich -sei. Merkwürdia ist mir aber immer .die Schilderung gewesen, die Rosegger von dem Eindruck eines jüdischen Gottesdienstes macht.- Er aibt eine begeisterte Schilderung der Weihe, die von den zwölk Tafeln ausgebt, leistet sich aber den AussMnch, erst Christus habe die eherneu Tafeln mit den Roien der Liebe umsponnen, ja er gibt ein so borniertes Bild von jüdisch ein Külhus und der orientalischen Sitte des bedeckten Hauptes, daß man nur wieder über seine Halbbildung staunen muH. Selbst irr einem reiner bedeutendsten Werke, dem Roman „Das ewige Licht", zeigt sich seine zwiespältige Stellung zum Judentum. Der sehr verzeickmete Wald- und Bauernverderber ist ein getaufter Jude — so unkultiviert spricht und bavdeli kein jüdischer Großindustrieller, ob' getauft oder nicht —. aber auch die edelste Gestalt des Romanes ist Jude, ein ungetauster. .dessen Sohn Josef. Dan diewr iüdelt, sich taufen läßt, als er ein Bauernmädel freit, ist dein Dichter gang selbstverständlich; er muß erst wahre Heldentaten von 'Nächstenliebe vollbrinaen, bis der Geistliche, unter dessen Maske der Dichter sehr Deutlich hervortritt, ihm verzeiht, daß' er eine Tochter deutscheu Volkes au sich gerissen hat. .'Schon diese Stellung, die der "Dichter Zur Judeufrage genommen hat, ließ es mich freudig begrünen, daß ein so aroßer, vorurteilsloser "Geilt, wie der Inder Rabindranath Taa.ore. gegen ihn beim Nobelyreiswettbewerb 'siegte, obwohl damals gerade die „Judcnpresse" den meisten Lärm über angebliche Zurücksetzung' Oesterreichs schlua. 'Anderseits erfüllte es mich mit tiefer Trauer, daß ein so wahrhaft guter. edler und aartst'ihlender Mensch. wie Röseg ae r, doch so wenig sich in jüdisches Volkstum . und in iüdiühe Reliaion hin einp ersetzen konnte, und gerade diese Erkenntnis, daß uns auch von den edelsten Germanen unüberbrückbare Gegensätze trennen, hat mich immer mehr davon überzeugt, daß das künftige Heil " unseres.Volkes nur än der Rückkehr zur Urheimat zu suchen ist. ______ Bekanntmachung. hNrWend Wrogim. Die Hllsskommiffion1915 und Kriegsspitalshilre für Palästina hat sich dar in der jetzigen Zeit besonders schwierigen Aufgabe unterzogen, die jüdischen Gemeinden der Monarchie mit Zedern. Palmen und Myrten für das diesjährige Lauöhüttensest nach Maßgabe der Möglichkeit zu versorgen. ' Wir find bestrebt, die genannten Requisiten womöglich aus Palästina zu beschaffen, es erscheint jedoch voraussichtlich nicht ausgeschlossen, daß zumindest ein Teil durch die Schweiz wird kommen müssen.. Das Reänerbräanis soll unseren Palästina- Aktionen zugute ko Mm en. Wir nehmen Vorbestellungen vorzüglich von Kultusgemeinden, Bethausvereinen bis spätestens 10. August' entgegen. Vorbesteller besitzen den Vorzug! der 'Priorität bei eventuell nicht ausreichenden Quantitäten. Nachdem der Einkaufspreis heute noch' gar nicht zu übergehen ist, laßt sich naturgemäß auch der Verkaufspreis' momentan noch nicht positiv fixieren. Es'wird. jÄoch ausdrücklich betont, daß die Veäaufspreiise recht mäßig „ Lud Nutzenüberschrei tuna en vollständig ausgeschlossen sein - werden. Bei Bestellungen wird ans eine zuvereinbärende Anzahlung reflektiert. . Das Präsidium der „Hilsskommiffion 1915" und „Kriegsspitalshilfe^ für 'Palästina. Zahlstelle: Bankhaus S. Mv. R o t h s ch i l d, Wien, 1. Bezirk, Renngasse 3. - - Gin Fmrffnillivsten-LcMt für ein jndff'ÄM Waisenhaus. In Arad starb! vor kurzem im' hohen Alter voll 89 Jahren die. Witwe Elise Fischer, die in ihrem Testamente ihr mehr als fünf Millionen Kronen betragendes Vermögen für jüdische W o h l sah r tsa n sta l te 11 vermachte. Viereinhalb Millionen Kronen bestimmte sie für die Errichtung eines jüdischen Mädchen-Waisenhauses in Arad und in ehr als eine halbe Million .Kronen .für .die Errichtung einer Augenkliniken ihrer Heimat. Frau Fischer führte in den letzten Jahren ein sehr bescheiden es-Leben, wohnte in einem einfachen .Parterrehaus, da sie, wie sie sich wiederholt äußerte, die Waisenkinder nicht durch ihr eigenes kostspieliges Lebert in der Erbschaft verkürzen ävollte. Die jüdischen Flüchtlinge in Alexandrien. Wie man sich erinnert, sind beim Ausbruch des 5lriea.es zwischen der Türkei und der Entente Zehntausende palästinensischer Juden, die sich lftcht ottomanisieren wollten, nach Aegypten gegangen. Die meist eil hatten, in der Hoffnung, bald nach ihrer Heimat. Zurückkehren zu Wunen, ihre Zelte iu Kairo und Alexandrien aufgeschlagen. Die Palästiimkommission betrachtet, wie das Jüdische .Korrespondenzbureaa im Haag berichtet, als eine ihrer Haupraufgnben, diese Flüchtlinge, die sich in Alexandrien aufhalten, wieder nach Hause zu befördern... Voll beit 5000 Flüchtlingen leben 1500 in zwei Baracken in „Shvma", einem Warenhause am Hasen, .rurd „Gabbari", einer früheren Quarantäne. Die anderen haben Arbeit gefunden und brauchen die Hilfe der Regierung nicht anzurufen. Auch nicht alle Flüchtlinge in den Ba- ' racken sind arbeitslos. Viele von ihnen gehen täglich in die Stadt arbeiten, während die Frauen und jungen Mädchen für die'Armee arbeiten. Die Knaben lernen zimmern und liefern Liegestühle und Tische für das Rote Kreuz. In dieser Weise werden sie auch für ihr späteres Leven vorbereitet. Das Leben ist, soweit'es nur möglich ist, in häuslicher Art eingerichtet. Jedes Lager hat eine Synagoge, eine-Schule und eine Badeanstalt. In Gabbari gibt es ein Spital für Kinder/eine Musteranstalt. dieser Art. Die hygienischen Einrichtungen sind ausgezeichnet. Im Lager herrscht große Reinlichkeit. Man findet dort jüdische Typen ans allen Welttellen: bucharische Juden, kaukasische, yemeuirische, marokkanische,'osteuropäische usw. Die Schulen, die von der Anglo Jewisli Association erhalten werden, werden von 600. Knaben und AWchen besucht. Die Unterrichtungssprache ist hebräisch. Affe leben in der Hoffnung, baldnach'Palästina zurückzükehren. Ein sehr großer Teil ist bereits in die Heimat Zurückgekehrt. __ . Das Gerichtswesen in Palästina. Das Jüdische Korrespondenzbureau im .Haag berichtet: Den „Times" wird aus Kairo vom 20. Juni gemeldet: Die' Wiedereröffnung der bürgerlichen Gerichtshöfe im besetzten Teile Palästinas ist angekündigt. Das Personal wird eine, gewisse Anzahl englischer Offiziere. umfassen, die juridische Erfahrung besitzen und der arabischen'Sprache-mächtig sind, während der übrige