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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-12 · 27 (12.7.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
27 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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M. 27 Dr. vloch'S Wochenschrift 4»S Höre, dem Zu gründenden Verbände jüdischer..Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter als' Mitglied beizutreten."" - - .Wer mehr: Lun will, etabliere sich als! Werber solcher Beitrittserklärungen, indent er die Wsendung der betreffenden Karten.veranlaßt oder selbst die Anmeldungen in Listenfvrm einsendet. Vleibe' keiner zurück! Es gilt die Schaffung einer Selbsthilfe-Organisation von noch' nicht dagewesener Stoßjkraft!.. Cs gilt die Wahrung der jüdischen Ehre! Die Anmeldungen sind an Dr. jür. Karl Meisels, Wien, 1. Bez., Ebendorferstr. 3, zu adressieren. An die . löbliche Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift" Wien. Ein eifriger Leser Ihres geschätzten Blattes ersucht um Ausnahme nachstehender Schilderung, damit . die Judenschaft eine Idye.hat, wie jetzt gegen sie gehetzt wird. ... . Wegen meines leidenden Zustandes suche ich nahezu alljährlich einen Sontme rausenthalt auf, und so übersiedelte meine Familie auch Heuer aufs Land. Ich fuhr mit dem Wagen, da man bei den jetzigen Verhältnissen nicht vorsichtig genug sein kann. Als wir auf die Heiligenstädterstruße kamen, da ersuchte mich der Kutscher, er möchte sein Pferd füttern. Du dies etwa eine Stunde, auch noch länger, in Anspruch nimmt, so ging ich auch in das Gasthaus — Denk, Heiligenstädterstraße 77 — und bestellte, für michein Getränk. Als wir einige Minuten dort saßen, kam ein Herr mit einem Girardchüt und einer Ledertgsche' von einem anderen Tisch zu uns und frug, ob es! erlaubt wäre, Platz zu nehmen; natürlich gestattete ich dies in höflicher Weise. Kaum vergingen einige Minuten, so ließ er schon.die Schimpfereien guf die .Juden vom Stapel. Als er 'sah, daß ich ineine Glaübensbrüder in Schutz nahm, artete seine Schimpferei vollends -aus. .Inzwischen kamen zwei Soldaten, die er zu seinem Tische lud und chnen sagte, sie mögen nur anschäsfen, er würde schon alles bezahlen- Jetzt ging es erst los. Er fluchte und schimpfte noch viel -mehr und forderte die beiden Soldaten auf, Juden, wo immer, um jeden Preis umzubringen. Ich saß natürlich wie. versteinert und wußte mir kaum Rat, ha die ■ Wirtin. auch schon im vorhinein bemerkt hatte, ihr Gasthaus wäre ein antisemitisches, zu ihr komme im ganzen Jahre lkein Jude. Natürlich schimpften die Soldaten auch mit und bemerkten, daß kein Jude an der Front wäre. Als wer eine Soldat.sich äußerte, daß er jeden Juden niederstechen möchte, da ging ich hinaus!, um.einen Wachmann zu holen, konnte jedoch keinen -finden. Es blieb mir daher nichts anderes übrig, als auf der Straße zu warten, bis der Kutscher kommen würde. Ms dieser erschien, erzählte er mir,, der Herr habe ihn aufgefordert, die Fuhre stehen zu lassen. Ich muß noch bemerken, daß dieser Hetzer eine große Zeche bezahlte und. ich deshalb annehme, daß dies ein .Agitator war, der-mit Parteigeldern in heu Wirtshäusern das Volk aufwiegelt. Es tat mir leid, daß ich ihn nicht frug, bevor er so ausartete, wo er in Stellung war, da er mir erzählte, daß er 25 Jahre hei Juden gedient Indem ich im voraus für die Aufnahme dieser ' Zeilen bestens danke, ersuche ich, mir ein Exemplar der .-betreffenden Nummer Ihres ge sch. 'Blattes zuzusenden, . und zeichne hochachtungsvoll S. H. Deutsch, Wien. Die Angriffe gegen die Juden werden nnmer stärker und drohender. Alle möglichen Gespgenheiten, letzthin, sogar feierliche Bolkstage, werden benutzt, nicht nur, um die Juden als die einzig Schuldigen an den bekannten Kriegsmißbräuchen zu verleumden, sondern auch, um die jüdische Jugend als! Drückeberger hinzustellen, während in Wirklichkeit Hundertern-, sende unseres Stammes an alhen Fronten 'des Vaterlandes kämpfen und kämpften, bisher zu vielen Zehiütausenden von Opfern an Toten und Verkrüppelten stellten und eine nicht geringere Zahl, für tapferes Verhal-« ten vor dem Feinde ausgezeichnet wurde. Wer nicht will, daß diese niederträchtigen Verleumdungen ohpe Widerrede und unwiderlegt von Fälschern in das Buch -der Geschichte eingetragen werden, wer die Gefahr'ermessen kann, die. aus Gewährenlasfen für die Judenheit und den jüdischen Namen erwachsen kann, unterstütze das Jüdische Archiv in Wien'materiell und durch zweckentsprechende Mitteilungen. Jeder teile. die genauen Namen.(samt Truppenkörper und "Begleitumständen) der gefallenen, verwundeten und ausgezeichneten sowie der überhaupt im Felde ^stehenden Juden, die ihm bekannt sind, unverweilt dem! Jüdischen Archiv, Wien, 2. Bez., Praterstraße 43, mit. Versäume keiner diese Pflicht! PpoWitz- Der Vorstand der isr. Kultusgerneinde Proßnitz hat an die Allerhöchste Kabinettskanzlei folgendes' Telegramm gesendet: „An die Kabinettskanzlei Seiner k. ü. k. Apostolischen Majestät Kaiser Karls I. Wien. Tie allzeit kaisertreue Judenschaft in Proßnitz hat in tiefster Entrüstung Kenntnis erlangt von jenen ruchlosen Ausstreuungen, welche sich in den letzten Tagen an die geheiligte Person Eurer k. u. k. Apostolischen Majestät und Allerhöchst Derer Gemahlin Ihrer Majestät der Kaiserin herangewagt haben. Die Repräsentanz der Israel. Kultusgerneinde in Proßnitz, als berufene Vertreterin der hierortigen Judenschaft, erlaubt sich in tiefster Erregung ihrer Empörung und ihrem Abscheu aus diesem Anlasse Ausdruck zu geben und zu bitten. Eure k. uk. Apostolische Majestät geruhe, auch bei" dieser Gelegenheit die Versicherung unserer unerschütterlichen Treue und unwandelbaren Anhänglichkeit an das Allerhöchste Herrscherhaus . allergnädigst entgegennehmen zu wollen-"" Für den israelitischen Kultusvorstand Proßnitz: Rabbiner Dr. L. G öl d s ch m i e d. Kais. Rat Sigmund Reiner. I m m c c a Vermisedtes. Ter Wiederaufbau dos Leopoldstädter Tempeks. Dem Komitee (2. Bezirk, Tempelgasse 3)' sind, in der abgelausenen Woche nachstehende Spenden zugekomMen: XXV. Spendenliste: Herr Baron Alfred Gutmann, Wien, 3. Bezirk - K. 4000 — Herr Theodor Krishaber, Wien, 2. Bez. „ 50.— Herr Salomon SiMon, Wien, 1. Bez. „ 1 00 — Herr Rachum Pritikin, Wien, 2. Bez. „ 50.— Herr Rudolf Goldstein, Wien, 2. Bez. „ t00.— Herr N. Wozafek, St. Pölten „ 100.— Herr Josef Edelstein, Wien, 2. Bezirk „ 50.— Herr Karl Flandrak, Wien, 1. Bez. „ . 150.— Herr Dr. SiegfriedGoldftein, Wien, 1. Bez. „ 500.— #i 7 3

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