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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-12 · 27 (12.7.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
27 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sfiti 429 «t. 87 . ffir. B&m*ä 'MttpMft die Juden zu richten und Wer äderen Häuser und Vermögen herzuMlen, vor all eni aber jüdische Geschäfte und Läden auszü plündern. Mährend zu Beginn des 'Krieges! Ne Polen die Juden um Spenden für die Bildung der polnischen Legionen' angingen, wobei' sie es nicht unterlassen Haben, sich an das' angeblich Patriot is ch-polnische Gefühl der Juden zu wenden, drehen sie heute den Spieß um'und lassen schon mit dem beginnenden Wiedererwachen chrer Staatlichkeit undSelbftchrdigkeit die Juden, welche sie 'sonst (bei.Wahlen) als ihre Volksgenossen in Anspruch nehmen, nun fühlen, daß sie Herren geworden seien. . Am 18. Februar 1918 brachte der in Krakau erscheinende „Piäst" einen von einem polnischen Bezirksausschuß gefaßten Beschluß des Inhaltes': „Es ist dem Einflüsse der Juden zuzuschreiben, daß die Polen im Frieden' von Brest-Litowsk so. schlecht abgeschnitten haben; überhaupt bedrohen die Juden die Lebensgrund tagen des polnischen Volkeses sei daher sein dringender Wunsch, alle. Juden auf polnischer Erde unverzüglich .ausznro tten." Der „Piast" ist ein.Blatt der polnischen Volkspartei. Die Tatsache, daß solche Aufrufe Gegenstand der Erörterung in Versammlungen einer autonomen Behörde sind, beleuchtet die - Stimmüng. Der Zensor, der sonst so aufpaßt,' hat den Aufruf verbreiten lassen. Der Kriegsdienst der Pazifisten.. Unter diesem Titel beschreibt H einrich I o r?- S t e in e r im „Pester Lloyd" in anregender Weise die überaus wertvollen Kriegsdienste, welche Pas Internationale Friedensbure.au in Bern in einer eigenen Abteilung für Kriegsopferhilfe leiste. Ein Raum von-etwa zwölf Quadratmetern eröffnet eine Perspektive auf Schlachtfelder,- Gefangenenlager^ Lazarette- Jyternierungsplätz.e und Kirchhöfe, kurz auf alle Schauplätze, Kulissen und.. Versenkungen des Kriegstheaters. Eine andere Depesche fliegt zur Tür herein: ..Oroix Uoime, kariv". „Ein Flugzeug über L. abgeschossen; Unteroffizier Kürt N. schwerverletzt qufgefunden, stach zwei Stunden gestorben, ehrenvoll begraben Wörden." Das Fräulein mit dem Dossier „N." wird durch einen T.asterdruck herbeigerufen, wortlos geht das Blatt . von.. Hand zu Hand, der Name wird verglichen, einige Zeit später eilt der Bote zum Telegr.aphlenam't, und noch am selben Tage zuckt iw fernen Sachfenland'e ein verarmtes. Mutterhlerz in unheilbarem' Leid. - Eine ziemlich rege-Korrespondenz zielt nach Palästina, das nun den „Judmschen Krieg" neu erlebt. Aus London kam eine Anfrage über eine Familie in Tellaviv, der neuen jüdischen Villenkolonie von Jaffa. Konstantinopel bedauert, die Frage nicht erledigen zu können, Weil Jaffa von den Türken geräumt sei; in Bern gibt man sich nicht zufrieden, Wan fragt in. Alexandrien an, worauf dstr englische Militärgouverneur bis in die letzten Einzelheiten Auskunft gibt: „Die ganze Familie ist Wohl, eine Tochter.unterrichtet in Jerusalem, der.Vater arbeitet im jüdischen Hilfskomitee." In alle Welt rollen Briefe aus Palästina, wo Hilfe sehr nottut, und vielfach antwortet ein geldbeladenes Echo. Ganze Listen sendet die Filiale Jerusalem der Zionistischen Bank an das Buream Listen von Unterstützten, die. für.einige Zeit der Rot entronnen "sind, und Namen von solchen, die man. nicht mehr ausfinden kann. Eine Depesche aus Berlin fragt, ob Herr N. und Frau R. Cohn noch am Leben sind. Nach einigen Tagen kommt die Antwort aus Jerusalem: Oobn8 well“ (beide Cohns gesund), unterscki rieb e n The military governov“. . Manchmal möchte die Geduld des vielervrobten Bureauleiters versagen — Aus Frankfurt et.- M. meldet eine Depesche den Tod eines Israeliten, für den. in Jerusalem das tägliche Totengebet v exrichtet werden soll: dqs .Kaddifch. Das ist nun etwas ganz Merkwürdiges mit diesem Kaddisch, das gar kein Totengebet ist, sondern eine Lobpreisung. Gottes', eine Hymne an. den einigen und einzigen Schöpfer der Welt. Aber sie ist gesättigt mit dem Todesschweiß von Tausenden, .und ihre rührende Wirkung aufgebaut durch die Seufzer von Generationen. Friedhof und düsterer Totenkutt haben ja das merkwürdige Judenvolk durch die Jahrtausende zusammengehalten, und ihr Lebensnerv reicht immer wieder nach den Totenfeldern jenseits des Tales von Hinom und den Resten des Salomonischen Tempels.. Das Totengebet soll vom Sohne gesagt werden, der mag wohl fehlen oder im Kriege sein, und ,mm soll ein „Frommer" im fernen Palästina zweimal täglich diesen Gottesdienst übernehmen. Ein ähnliches Gutachten veranlaßt das Bureau, btc Sache näherzutreten. Außerdem ist diese Art der Selbstvertretung beim lieben Gott eine Nahrungsquelle für..arme alte Män'ner in Jerusalem. Das wird vielleicht den englischen Kommandanten milde stimmen: kurz, das Bureau depeschiert und das englische Militärkommando bestätigt die Ausführung des Auftrages. Anerkennung verschiedener Art ist geeignet, den . Eifer in diesem Bureau anzuspornen. Herr Byk erhielt unter anderem das ,t u. k. Ehrenzeichen vom Roten' Kreuz 2. Ktgsse und.vom päpstlichen Hof kam ein Diankbrief voll herzlicher Worte und in einer Sprache, die ein Monument des Dante scheu JdioMs darstellt. Malfour über die Lösung der Iudenfrage iw Hsten und Südosten. Reuter meldet: Ajm! 18. Juni wandten sich die beiden größten jüdischen Vereinigungen an den Minister des Aeüßern Balfour mit der Erklärung, daß die alliierten Regierungen zwar die volle Wiederherstellung der unterdrückten Nationalitäten, wie der Polen, Serben und Tschechen, erklärten, aber nicht die der großen jüdischen Gemeinschaften iw Osten und Südosten Europas. Die Politik der Alliierten mit Bezug auf Palästina habe diese Frage nur in einem gewissen Grade gelöst, da die große Mehrheit der Juden in Ost- und Südosteuvopa in ihremGeburMande bleiben wolle. Balso ur erklärte in' seiner Antwort^ daß die englische Regierung mit den EManzipationsbestrebüngen der Juden in Ost- und Südosteuropa sympathisiere und alles tun Möchte, um die Judenfrage in diesen Gebieten zu lösen. Das Mitglied des Engeren Aktionskomitees Nahuw So ko low erhielt vom britischen Außenminister Lord Balfour folgendes Schreiben: „Seiner Majestät Regierung vergegenwärtigt sich völlig, daß die den Juden in Rumänien versprochene Befreiung weniger liberal in dem neuen Traktat ist, als das^, wozu die frühere rumänische Regierungsich selbst öffentlichst verpflichtet hat. Seiner Majestät Regierung ergreift diese Gelegenheit, Ihrer Organisation zu versichern, daß sie außerordentlich darauf bedacht ist, alles, was in ihrer Macht 'steht, zu tun, um eine gerechte und. dauerrl.de Ordnung der jüdischen Frage in jenem Lande zn sichern." Km verurteikter französisch-jüdischer Arie dens freund. Vom Pariser Kriegsgericht ist dieser Tage Charles Leon R.appapör t, Mitglied der sozialistisch en Kammerfraktion, wegen Defaitismus zu sechs Monaten

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