Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 27 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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(Seilt 426 KESMvMMkD Lr.M i-r h< j:;' i- ■ r 02;‘jC| 1 *3 « zn 02 dS M L- SS 02 02 LS SV "2 S ^-e M -S S-« 02 S-. 02 S-, 02 2/3 Talmud— ist dies nicht Wische Kultur? Ferner gibt eine beträchtliche Muffe, die nach ihrer Art bestrebt istjüdische Jnstirünonen — darunter auch schöne und große — Zu schaffen, ihr Judentum nach außen selbstbewußt auszuprägen, jüdische Werke, wissenschaftliche und belletristische, erscheinen, wenn auch nicht in großer' Zahl, doch auf entsprechendemMioeau, jüdische Geschichtsbücher, alt- und neuhebrAische Dichter wurden übersetzt, manches wird auch HM,Lisch.geschrieben, jüdische Vorlesungen, Musikabende und Kunstausstellungen wurden Veranstalter, ungarisch-jüdische Zeitschriften werden von Zehntausenden gelesen — ist dies nicht jüdische Kultur? Und Zionisten gibt es, wenn auch ebenfalls nicht in alkzu- D'roßer Zahl, die Nationalvereine und Jugendverbände gründen, hunderttausend Kronen Preßfonds! sammelten, eine Wochenschrift und hie und da kleinere Werke herausgeben — ist dies nicht jüdische Kultur? Doch.gehöre ich am wenigsten zu denjenigen,. die dem ungarischen Judentum mit Weihrauch und üobgesangechhuldigen. Im Gegenteil. Ms es hier angeregt wurde, das 50 jährige Jubiläum der Emanzipation mit großem Lärm zu feiern, stellte ich im „Mult es JS'vö" - pJannar-Hrft'1918) -die Bilanz der letzten fündig Jahre auf, und das' Ergebnis,war betrübend. Auf jedem Gebiete ist mehr „Soll" als „Haben". Der unnütze' und -unfruchtbare „UniffAtionskampf" zwischen den „Orthodoxen'" und ,'Neologen" verzehrte aus beiden Seiten die Energien. „Ja, wenn wir nicht getrennt wären!" war die stete Parole, anstatt daß die Orthodoxie ihre Pflicht im traditionellen und die Neologie im modernen Sinne ' erfüllt hätte. So manche .waren darüber empört, daß . ich festgestellt habe, daß „selbst die anZgeplünderten und ^verachteten Juden des vom Kriege niedergestampsien Galizien für allgemeine jüdische Zwecke Mehr ppfern, - gls das ungarische Israel; .die großen Probleme des- 'allgemeinen Judentums, mit'denen sich überall die Besten unseres Voltes beschäftigen, werden hier von leeren Köpfen mit leeren Phrasen erledigt, so daß das ungarische Judentum ins Auslände als verachteter Renegat der jüdischen Gemeinschaft gilt/" Und Mit leeren Phrasen wollte, man Jahrzehnte hindurch auch den ungarischen Antisemitismus „erledigen"". Denn der Antisemitismus in Ungarn ist nicht von gestern und vorgestern, und ist nicht mit den „Galrzianern" als Fremdling nach Ungarn eingewandert, sondern ist hier in Ungarn zugleich mit der Emanzipation als ihr Zwillingsbruder geboren und ist heute 'beim 50 jährigen Emapzipationsjubiläum ebenfalls snnszig Jahre alt, ungarischer Staatsbürger, großgesund und stark. Der Judenhaß trat übrigens überall mit der Emanzipation der Juden zusammien.auf. Solange die Juden nur Parias waren, gab es eher eine Jndenverachtung, die sich bei.den.Edlen der Völker oft in Mit- "leid für die Juden verwandelt hat und endlich zu ihrer Befreiung führte. Gehaßt wurden die Juden im Römerreich, solange sie eine Macht waren, und gehaßt werden'sie, seitdem .Man Wien wieder Bürgerrechte eingeräumt hat, und „die Söhne Israels wuchfen, vermehrten und bewegten sich und wurden sehr, allzusehr mächtig, so daß ihrer das Land voll ward". So wuchs auch der Antisemitismus in Ungarn, je größeren Raum die Juden in der ' Landwirtschaft, im Handel, in Der Industrie, Kunst, Politik, mit einem' Worte in der Kultur des Landes mit ihrer Mühe, ihren Fleiß und ihrer Arbeit sich erobert haben. Und wie wurde hier gegen diesen Antisemitismus ^gdAmpst"? Nicht mit Organisation, Stärkung! des Selbstgesühles und Steigerung des inneren jüdischen Inhaltes und Wertes) sondern Hauptsächlich mit Ueber- .jchreien und Ueberwi'tzeln. Die- Antisemiten würden einfach für tolle Gauner und„Land eso er röter" er-/ ihnen WüW scharfsinnig^' MMKviesen) daß sieHniM'Wr mit dein TalMühsondern auch; mit der Logik Wf fchlechtem Fuße stehen. Dbch die/Zvhl der tolleü-TäWWWkenner und „Landesverrärer"" wuchs von TM. zu Dag und unter ihnen sind bereits viele Größen' der ungarischen .Nation. \ Manche aber steckten einfach die Nase in den Säüd und sagten: „Wir sehen nichts."^ Der gesellschaftliche Boysott Der Juden war fast in allen Schichten fühlbar. Trat ein Jude zwischen seine christlichen Kollegen ins Amt ein, dä verstummte plötzlich alles) dmn mW sprach üben „von den Juden"". Doch brüstete mansich.stolz und zufrieden damit, daß es in Ungarn, Gott sei Dank, keine Judenfrage gebe, und daß hier alles in größter Ordnung sei. Wer von einer Jud'önfrage in Uitgärn sprach, wurde sofort zum „Antisemiten" oder zum „Zionisten" gebrandMarkt, die nach obiger Theorie beide Ungleich „LäWWoermter" sind. Und die. Assimilationswut erhöhte sich bis zum Ekel und die Zudriitglichk'eii und die Aufdringlichkeit . gewisser Kreise und das fortwährend e Betonen der große»r Leistungen der „Magyaren israelitffcher Konfkffivn" für das Heil der Nation, düs gWKe kindische (Gebärden und Behagen half nur noch, den ohn'eW schön ' brausenden Strom des Judenhasses. WznschMllen. Umsonst wurde als Damm immer nM immer wieder'den Antisevvr die Augen gestellt:. „Der erste Dichter,. der erste Sprachforscher, der erste Fabrikant usw. lauter Juden."" Der zweite Dichter, der zweite Sprachforscher,^ der zweite Fabrikant dächte MVg Ün den nationalen 'Wöitschätzj, den die Juden vertretentr dächte nur?dMM,-Mß ohne - den Juden er nicht der zweite,^sondern. der erste wäre- Nun kam noH ''^kx, ''MMieg/ Mb," die Juden, die. größtenteils den WMl - in H.Wden' hatttzn, MWh ‘ die „Konjunktur"" nicht^WürWs vödirberlMfen- /föüdedn! Wtz>- ten sie ans) leider öst zu hastig, .Mie es über .Mch die Agrarier, BüMdn Md-GWeH Md Me' talen. Dbch, daß der BaMr eine Khone für ein Ei Und'Meihündtzrtfnnfzig Krönen für eine GMs! öMWgte, hielt mW für natürlich; das/-aber erregte MWriM) daß cher jüdische KausMämr diese höhenPrtzlfe 'bezWte (weil er Mußte), Mötzn die von MeM'MMlte' MerMn M'ämM (zumeist heräLWMsnene GenKys) nicht-Mistande Wären. Dazu kaM Usch, daß die Juden- Me Wch W Ungarn zumeist -der MWWn SWÜche MächW fMd, MlMcht in höherem PrözentM! /W'Wn^rWhen'Mn'Midn''Mr, österreichifch-imKrisMn Armee VtzMWdet/Merden Äkußlen, als ihre Mutsch nicht verstehenden Mitbürger Md ' MitWnpser. Und da wird man wöhl üMsönst eine Statistik aufbringen Ellendaß Ne Juden arkch äm Schlachtselde entsprechend Größes gMistet habba. Mr Neid und der Haß tvMen - keiüe StaUstik, keine Logik, keine Wahrheit,' ihnen ist eob'jr ihrbr Mtnrnach' mcht zu helfen. ' .; Auch der sögenminte -gviffsnfchäMche AntiseMtismus^"" hat hier stin 'Entstehen der WlgMWen Vdlks- ' stiMMung zu verdanken. Er äst nicht id'äs' Wioäte Ntzrgnügen irgendeinM --RäMWen"" WerMrchVViWLfs)-'hr . 'ist eine Folge, Mn /WWegMMd. DieMMn EgDi- ' scheu OffMere, ' die a.uch nit M; rufsischien Md' MMnischen MsW^^Hft'-sWn-iÄMWWng^Msl/ Krieges) HM mit sitzen wollten): haben Mder 'Mn nWM'JasM, Mch den .neuen Nün ttrccb-^ijpiTi-■"-Me Ulge- Meine Krise auf die „GalrMner"" ^u/WHen. -'DeWMn ' '..'ikönnen kommen, Bankfilialen, Fabriken, nun Gesellschasts- und Jnduftrieunternehmüngen gründen,'