Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-05 · 26 (5.7.1918) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
26 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022327--26988-3052379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. 26 Dr. Blöch’s -ayr,««, XXXV Zentralorgan für ble gesamten „Interessen des Audentums Otr~ - 0 o o q *. t. Postsparkaffenaml Clearing^Verkehr: 810.976 oo VUbettton unb Kbmtntftxatten: «Sie» II/i, Praterstrafte 9 Telephon* 45*359 lb \ d QO. —.. Or> Wien, 5. Juli 1918 »> Lrsckeint jeden Freitag Bri«f-Adrefl«: Wie», II/i, Praterstraße 9 Lüeg>««mMbreffe: Bloch t Wochenschrift, Wie» ocF Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare 60 Heller Ka|*if»]t: Me »«el,es»»tte»e © »rttt|*Ue «S =0 0 Q ©Gs Inhalt: Leitartikel: Die antisemitische Hitzwelle in Ungarn. — Kriegsdelorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen.— Jüdische Familien im Felde. — Oösterreichische Auszeichnungen in Konstantinopel. — Auf dem Felde der Ehre 0 gefallen. — Kriegssührung der Juden in alten Zeiten. — Korrespondenzen: Der Friedensvertrag mit Rumänien im Hauptausschuß des Reichstages. — Jüdische Erklärungen im polnischen Staatsrat. — Professor Dr. Adolf Birch, Rabbiner in Brüx. — Tagung der Bukowinaer Judenschaft. — Dr. P. E. Levy — unfreiwilliger Apostel der deutschvölkischen Religion. — Berlin. — Ein jüdischer Kulturfonds zum Andenken an Mendele Mocher Sephorim, Perez und Scholem Mechern. — Vermischtes.— Feuilleton: Rembrandt ein Jude? — Literatur. — Briefkasten. — Jnserat.e Die antisemitische Hitzwelle in Ungarn. Von Dr. Ludwig Szabolefi (Budapest). Ich willfahre gern Ihrer Bitte, hochgeschätzter Herr Chefredakteur/ indem ich in nachfolgendem einen kurzen Ueberblick über die heutige mißliche Lage der ungarischen Juden dem großen WeltPublikuM der „Oesterr. W o ch e n.s ch r i ft"" eröffne. Wie diese heutige Situation, dieser Antisemitismus ohnegleichen, entstanden ist und warum, davon will ich .Ihnen etwas! Näheres mitteilen. In den ersten Jahren des .Weltkrieges ging es in der antisemitischen'Presse Ungarns! ganz ruhig zu. Die erhebenden Waffentaten ungarischer Juden, die in der großen Zahl von hundert fünfzigtau send M a n n un t e r die % a hn e n des Vater lande s sich gereiht haben, das immense Werk der ungarisch-jüdischen -Wohltätigkeit, die unzähligen humanitärer! Institutionen/die ausschließlich von Jüden fundiert und erhalten wurden, dies altes war von so überwältigender Ueberzeugungskraft, daß man an den Juden beim' besten Willen nichts ausfetzen konnte. Erst vor zwei Jahren, als die Invasion der aus ihrem Var erfände von den Russen verdrängten galizischen Flüchtlinge angefangen und die allgemeine politische Situation sich im Lande immer mehv und mehr gespannt und! verwickelt hat, konnten wir in der ungarischen Presse und -Literatur eine ganz neuartige Strömung beobachten. Es war der sogenannte „wissenschaftliche Antisemitismus^.. - ' . Wissenschaft und Antisemitismus stehen im diametralen Gegensatz zueinander. Ich ' glaube,. davon muß eben... Mer, in der Zeitschrift deHepi^en Dir. B l o ch, der zuerst den Modernen Antisemitismus seiner sogenannten wissenschaftlichen Grundlage entänßert hat, nichts Au!ssührlicheres gesprochen werden. Die heutige in Ungarn' versuchte Rehabilitierung des wissenschaftlichen AntisemitiHnAs müßjte auch mißglücken. Vor ungefähr zwei Jah-ren fing die systematische. Judenhetze Mil einem Buche des ruthenischen Geistlichen.Nestor Dudinsky an. Der hochwürdige Herr, der in den Marmaroser Bergen seinen hehren Beruf ausübt, ließ ein größeres Buch vom Stapel gegen die sogenannten „Chasar en". In der antisemitisch eit Literatur von Ungarn werden diejenigen Juden mit diesem, in der jüdischen Geschichte glorreichen Namen bedacht, die aus Galizien und der Bukowina eingewandert, sich in den oberungarischen Grenzkomitaten niedergelassen haben und heute trotz aller Schikane der Grenzpolizei als fleißige Tagtöhner. Erd- und Bergwerksarbeiter dem Staate m'chlich geworden find. Herr Dudinsky zog gegen diese armen Leute los, er griff sie mit dem Rohlingschen „Talmud" an. Rohlings Talmud ist heute bereits eine durchaus nicht in Ehren zerfetzte Fahne, und als dem hochwürdigen Herrn von unserer ^Seite bewiesen wurde, daß er falsch zitirert, daß er den Tabmud fälscht, unddaß er, well er in schwerer Zeit die . einzelnen schichten der ungarischen Bevölkerung gegeneinander hetzt, als ebensolcher Vaterlandsverräter zu betrachten sei, wie die nicht wenigen seiner Stammesgenossen, welche die einziehenden Russen glückstrahlend bei uns empfingen und ihnen als Wegweiser Renten; als ihm. alles dies klargelegt wurde, blieb er die Antwort schuldig. Doch es sollte noch besser kommen. Einige Monate später erschien in Nagyvarad ein mehr als WO Seiten umfassendes Buch von einem der ersten ungarischen Rechtsgelehrten, Soziologen und Freimaurer, Herrn Prof. Dr. Peter A g o st o n. Da war schon der Antisemitismus als reine Wissenschaft destilliert; statistische Tabellen, Soziologie, Sprachwissenschaft wurden ebenso gegen die Juden herangezogen, wie die altbewährten Zitate aus dem Schulchan Aruch und Schene luchoth haberllh. Es würde hier zu weit führen, wenn ich fetzt den ganzen Inhalt dieses seltsamen Buches im Auszuge wiedergeben wollte. Es genügt, festzustellen, daß das'Buch von unserer Seite in einem drei Monate später erschienenen Erwiderungsbuch. gründlich demoliert wurde. Die Wer Iren zu Kaiser and Reich steht, zeichnet die 8. Kriegsanleihe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.