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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-06-21 · 24 (21.6.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
24 (21.6.1918)
Date
1918-06-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ftr 24 Dr. MoH'S Sochenfttzrift Stil* 383 der vielvölkerigen österreichisch-ungarischen Monarchie, die sich durch Weltanschauung und Erziehung wesentlich voneinander unterscheiden, sondern auch 'Brüder aus den feindlichen Ländern,. die hier als Kriegsgefangene interniert sind. Bor allem die ^polnischen Juden, in denen wir noch einen Hauch von unserer urväterlichen Mt verspüren, litauische, die als treue Ueberlieferungsjuden in all ihrem Sprechen und Handeln hervorstechen, ukrainische, großrussische, kaukasische, rumänische und schließlich« italienische Juden. Was ich an diesen meinen StamMesgenossen wahrgenommen habe, alles Wichtige, das ich von diesen seit vier Jahren vvn Heimat und Familie losgerissenen Stammesbrüdern erfuhr, habe ich in einem 'Werke „Israel in der Verbannung" niedergeschrieben, welches aus begreiflichen Gründen erst nach Friedensschluß wird erscheinen können. Vorderhand lasse ich' hier die Uebersetzungen von drei Schriftstücken folgen, welche ich bei zwei jüdischen Kriegsgefangenen aus Italien in -hEMscher-, Sprache vorgefunden habe, und möchte hier nur noch die Bemerkung machen, , daß in /dem mir vorgelegten Siddor (Gebetordnnngsbüch), nach welchem die italienischen Juden beten, anstatt des bei uns eingeführten Segens im Morgengebet: „Gepriesen seiest du Ewiger, der.du mich nicht als Heiden schufest", dort der Segen lautet: „.der du mich als Israelit geschaffen hast", worüber auch die alten Dezisoren in wissenschaftlichem Widerstreit standen. ' liebersetzn ng aus dem hebräischen Text. , I. . . / . - -: Univorsitö Israolitioa äi Roma, Ufficio Rabbinico ■ ' '• *; . ' Roch, 3. '.Sept. 1917: . Zur allgemeinen Kenntnisnahme, daß Jehuda Sohn des Morbechaj Spicikono, Jude und ein Kind unserer heiligen Gemeinde ist. Dieses Zeugnis wird ihm zu dem Zweck äusgefolgt, damit unsere Brüder und Söhne Israels, insbe1>ondere aber jene, die sich mit der'Lehre und dem Gemeindedienste beschäftigen, ihm helfen, jederzeit, da er hilfsbedürftig sein wird. Geschehen -zu -Rom',' unsere Stadt werde erbauet, amen, 16. Elul 5377. . ‘ II Rabbino Maggiore Dr. H. Angelo Sacerdoti., II. Schöpfer -aller Welten, Herr aller Kreatur, der die Herzen prüft und die Gedanken der Menschensöhne kennt! Es ist Dir offenbar und bekannt, daß ich nicht aus Feindseligkeit und bösem Herzen in den^ Krieg hinauWog, sondern um unsere h eckige Pflicht gegen mein Vaterland zu erfüllen, welches für seine Ehre und Recht und Freiheit seiner unter fremder Herrschaft ächzenden Söhne*) in den Kampf zog. Daher, o Herr Gott, rechne es mir nicht als Sünde an, wenn ich gezwungen bru, die'Waffe gegen Dsine Geschöpfe zu erheben, denn ich tue es nicht nach meinem' Willem Aus der . Tiefe rufe ich Dich, o 'Gott, vernimm die Worte Deines Knechtes und erhöre mein Gebet. Dü bist mein Fels mnd meine Burg, .Allmächtiger, dem ich vertraue. Verlasse mich nicht und entferne Dich nicht.von mir in der Stunde der Bedrängnis, verleihe mir Deinenhilfevocken Schutz un!d Deine Rechte.'stütze -mich. Behütemich vor allem Bösen und rette -mich von den Todesgefahren und überliefere mich nicht dem Feinde. Solltest Du aber bestimmt *) Wie wir sehen, glauben Mch die jüdischen Kreise Italiens an -ldie -Lüge, -Vatz Italien für die Freiheit seiner „unter fremder Herrschaft ächzenden Söhne* känrpft. - haben, daß ich im Kriege sterben soft, so nehme ich das mit DeMut und Hingebung an Deinen heiligen Willen an. Und es möge wohlgefällig sein vor Dir, barmherziger und sanftmütiger Herr, daß mein Tod meine Sühne sein soll, und daß Du mir alle Meine Sünkden vergibst, wie ich auch meinen.Feinden vergebe und all jenen, die bereit find, meinen Tod zn verursachen. Du, o Gott, Deiner Hand vertraue ich meinen Geist und Dü erlöse meine Seele von der Hölle und bringe sie zum ewigen Leben. Gott schütze und segne mein teures Vaterland, erhebe es in Ehren. Möge unter den Menschen Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit herrschen und das Gottesreich möge bald aufgerichtet werden. Höre, Israel! Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist. einzig. _ III. Gott der Allmächtige und Herr der Geister Ücker Leiber, in Deiner Hand ist die Seele jedes Lebenden und der Geist äckes menschlichen Fleisches. Würdig sei in Deinen Augen die Seele Deines Sklaven Mordechaj, Sohn der Uröano, hüte und rette ihn vor aller Angst und Furchtsamkeit, mache seine Hände zum Kriege geeignet, gebe ihm Kraft und schenke chm die Gnade, daß er vor den Feinden gerettet werde, wenn sie ihn umringen. O, Du Gott, werde ihm zur Stütze und zum Hort und zum Stützpunkt, rette ihn vom Tode in seinen blutjungen Lebensjahren, schütze ihn vor bösen Krankheiten, vor Seuchen und xEpidemien, vor Gefangenschaft, Hunger und Durst undallen schlechten Zufällen und sonstigen Gefahren des Krieges. Es möge sich an ihm bewährhecken das Wort der Schrift: „Und ich werde dich retten am selben Tage, so spricht Gott, und du wirst nicht geraten in die Hände der Männer, welche du fürchtest denn ich werde dich ihnen entziehen und du wirst dem Schwerte nicht znM Opfer fallen. Und es wird dir deine Seele zur Beute sein, weil du meiner vertrautest, so spricht Gott." Und der Vers: „Gerate ich in den Krieg, bann vertraue ich Dir."- Und der Vers: „Wurdest du auch übers. Wasser fahren, ich An mit dir und die Flüsse werden dich nicht Merfluten. Und würdest du in Feuer geraten, so wirst du nicht ‘ verbrühen und die FlamMe wird dich nicht erfassen." Du, o Gott, schenke ihm das Recht zum Leben, damit er zu seiner Familie gesund heimkehre. Ter Anspruch aus die staatliche FLüchtckuMfÄrMze. .(Eine wichtige prinzipielle Entscheidung des Berwaltu naGi Der Verwaltnnasgerichtshofunter Vorsitz. Baron Hertls hat am 8. d. eine prinzipielle Entscheidung darüber gefällt, ob bei der Erhebung des Anspruches auf eine staatliche Flüchtlingsnuterstützung das Vermögen oder das Einkommen des Flüchtlings entscheidend ist. Der Sachverhalt ist folgender: L. T., Gurspächter aus Horodenka, ist im Jahre 1916 mit feiner aus drei Mitgliedern bestehenden Familie gefluchte", und es wurde ihm der. Aufenthalt in einer Gemeinde im Bezirk Ried (Oberösterreich) angewiesen. Am 15. Januar 1918 wurde er von einem Gendarm' in der Station Attnang angehalten, da er nach Wien mit einigen Kilo Butter reisen wollte. Es wurde bei T. auch eine Leibesnntersuchung vorgenommen und bei ihm ein, Barbetrag von 10.500 K. vorgefunden. T., wegen Preistreiberei angellagt, wurde vom' Bezirksgericht Vöcklabruck freigefvrochen, weil er nachgewiefen hat, daß er de Bucke" für m W»M» SÄ m CD gt CD M CD a S 4*

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