Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 23 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 23 Dr. Bloch’s Aa»r,m», XHV Zentcalotgan für die gessrnten Interessen des Judentums 00 9t. L Postsparkafsenamt Lleariug^öertehr: H1V.S7E oo Wetz Es« «nd «dmintstratt»»: «1»» ll/,. Pruterstkaße S 9 T«l«pli0M> 45*359 DO Q Wien, 14 JumM918 0(r 9 OQz O Do Erscheint jeden Freitag *:• BrichAdreff»: Wir*, IIfi, Praterstraße 9 rele-r»««-Lbreffe: Bloch » AÄcheufchrljt Wir» b OÖ Bezugspreis: Halbjährig 10 Krone» Ganzjährig 20 Kronen Mnzelyemplare 60 Heller Ste *«wl 9 9KH|iiit (V £tXts =ÖO zDo Zuhalt: Leitartikel: Tatjachen und Mißdeutungen. — Der Feldrabbiner und die Heilige Schrift. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. *— Weitere Auszeichnungen. — Jüdische Helden auf dem Budapester Friedhof. — Korrespondenzen: Der Wiederausbau des Leopoldstädter Tempels. — Aus dem Jahresberichte der „Jsr. Allianz" zu Wien. — Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswaisen, Lehrmädchen lind Arbeiterinnen.— Verein zur Errichtung von Volksküchen nach isr. Ritus. — Ans dem Oesterreichischen Statistischen Handbuch. — Antisemitische Preßhetze in Wiener-Neustadt. — Große Stiftung. — Brief aus Rumänien. —IM , Zum rumänischen Friedensvertrag. — Nachrichten aus Warschau. — Der Wiederaufbau von Brest-Litowsk. — Dank des Kultus-A» Vorstandes in Wladimir Wolynski an Herrn Feldrabbiner Dr. Färber. — Maßregelung einer jüdischen Tageszeitung in Newyork. — W Vermischtes. — Feuilleton: Der „ewige Jude Londons". — Literatur. — Brieftasten. — Inserate. Tatsache« und Mchrle»tttngeu. Es ist in der österreichischen Presse wiederholt betont und beklagt worden, djaß wir im Auslände im allgemeinen keine gute Presse haben. Wir wollen uns hier nicht auf die Untersuchung eintaffen, wer und was schuld daran ist, daß das neutrale Amstand so wenig Verständnis! für die eigenartigen Verhältnisse der österreichisch-ungarischen Monarchie bekundet' und Erscheinungen des Parteilebens, Kundgebungen mehr oder' weniger verantwortlicher Gruppen und Körperschaften aufgreift . und sie als Regieruttgsäkte oder als Willensäußerung der Regierung aufnimmt und weiterverbreitet. Gewiß ist der Umstanddaß die österreichischen Regierungen vor dem Kriege solchen politischen Kundgebungen, wie z. B. — Mas uns ja zunächst liegt — den antisemitischen Umtrieben nicht die gebühr eiwe Beachtung geschenkt haben, mit schuld daran, daß Oesterreich heute iM Auslande, besonders von böswilligen Elementen, als das Land des von Staats wegen geförderten oder zumindest geduldeten Antisemitismus verschrien ist. Rur von diesem Gesichtspunkte aus ist das vor kurzem in Zürich erschienene Buch von Dr. Lazar Felix P'inkus „Vo r dea .Gründung desJudenstaates" zu beurteilen. Dr. Pinkus begeht in dieser allerdings hochachktuellen Broschüre eine Ungerechtigkeit gegen die Donaumonarchie, die man zurückweisen muß wenn Man ein unbedingter . Zionist ist, ebenso wie Man auch-. wenn Man durchaus!' kein Zionist ist, sich der Tatsache nicht verschließen kann,' daß der Zionismus im allgemeinen und die PaMMnäfrage im besonderen, heute zu den aktuellsten und wichtigsten Problemen des. Weltkrieges gehören und auf dem Friedenskongreß eiüe Frage allerersten Ranges bilden weÄen. 7 ' . " ' ' Dr. Pinkus ist, Wie düs Muer Broschüre hervorgeht, doktrinärer Zionist orthodoxester Richtung. Er macht sich die Sache allzu leicht, wenn er von. einem Neutralen Lande aus die PÄläftinafrage' nur als Jüdensrage, völlig losgelöst voll politischen Rücksichten der einzelnen Mächte, behandelt und die Zionisten der Mittelstaaten aus dem Grunde angreift, weil sie, die ga doch Bürger dieser Staaten sind, sich nicht gleichfalls wie er, im neutralen Lande, 'von den politischen Rücksichten ihrer Staaten loslösen wollen oder lotzznlösen vermögen. Dr. Pinkus hätte vielleicht recht, wenn die Zionisten Oesterreich-Ungarns — und wir dürfen wohl bei diesem An-, lasse hinzufügen, daß in der Palästinasrage die überwiegende Majorität der österreichischen Juden sich mit den Forderungen der Zionisten identifiziert — einer ablehnenden Haltung der österreichisch-ungarischen .Regierung zu den Wünschen der Juden bezüglich Palästinas, gegenuberstünden, Dies'ist jedoch durchaus nicht der Fall. Die österreichisch-ungarische Regierung hat mit den Vertretern der Zionisten wiederholte Verhandlungen gepflogen, behandelt die vorgebrächten Forderungen mit dem Ernste, den dieses schwere Problem erheischt, und es ist durchaus kein 'Grund vorhanden, an der Ehrlichkeit * der abgegebenen Erklärung zu zweifeln, daß die Regierung diese Forderungen bei dem türkischen Verbündeten aufrichtig unterstützten werde. Es ist nicht unsere Sache, daraus einzugehen, ob Tw. Pinkus wirklich das Sprachrohr des größeren Teiles der maßgebenden Zionisten, geschweige denn des jüdischen VolM ist, wenn er für ein. englisches Palästina eintritt. .Es muß vielmehr der Wahrheit gemäß konstatiert werden, daß selbst englische Zionisten sich nicht scheuten, zu erklären, daß ein englisches Palästina nicht dasjenige zu bieten vermöchte, was sich das' jüdische Voll unter einem künftigen Palästina erhofft. Wer nur Doktrinalismns, wenn nicht gar böser Wille können so sehr von dem Pfade''der Objektivität abweichen, wie es Dr. Pinkus tut, indem er einen Vergleich zwischen der Haltung der Entente und derjenigen der Mittelmächte zieht, und aus der kurzenaber ebenso entschiedenen Erklärung der österreichisch-ungarischen Regierung' gegenüber den wortreichen Versicherungen der englischen Re- Wer treu m Kaiser und Reich steht, zeichnet die 8. Kriegsanleihe