Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-31 · 21 (31.5.1918) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
21 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022322--26912-3052298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Srit« 331 Dr. BloH'S Wochenschrift Nr, 21 00 V4! O) M *3 ns cß sa _<D *s M. §- V « '3 o > « Q> b S-I « ö « LS LS!3 iß eö den Dorfe NeuKedlrsch; hinfuhr, da erkannte ich in der Ruine einen seltsamen Typus des' Sakralbaues, das Werk eines (leider ungenannten) Meisters, dessen reiches Können sich in der souveränen Beherrschung des ihm wohl gänzlich neuen. Bauprogramm es .äußerte. Und so Hatte er, der wohl gleichzeitig die hübsche Diorfkirche errichtete-'hier mit glücklicher Hand' ein Gotteshaus er-? stellt, das' «in seiner Anpassung an den Kult manchen Neubau des 19. -Jahrhunderts in den Schatten stellt."- Der Verfasser beschäftigt. sich alsdann mit einigen weiteren vergessenen Synagogenbäuten Westböhmens desselben Typs und kommt dabei auch auf Eigentümlichkeiten der Inneneinrichtung zu sprechen: „Mit das Eigenartigste dieser sämtlichen Synagogen ist deren „Altar", wie man den „heiligen Schrein" meist fälschlich bezeichnet. Es' liegt die Vermutung nahe) daß! einzelne dieser pompösen Zierstücke mit ihren gedrehten Säulen, ihrem reichen spätbarocken Schnörkelzierat und ihrer ausgesprochenen Farbenfreudigkeit vorher rein kirchlichen Erfordernissen grient und von den Juden zum Zwecke der Einrichtung der heiligen Lade angekaust'wurben. In der josefinischen Zeit waren die durch Schließung von Klöstern zur „Versteigerung" gelangenden .Kirchenaltäre in Böhmen durchaus nichts- Außergewöhnliches. Wir erfahren, daß! zum Beispiel 1788 der Altar des heiligen Vinzenz aus der Klosterkirche in Wiitingau verkauft wurde; das Altarbild' aus dem Kloster irr Staab', das 1782 gesperrt wurd g, finden wir zwanzig Jahr espäter in der Mieser Pfarrkirche usw-. Ob -meine Vermutung für alle diese Synagogenattäre zutrifft, sei duhingeMlt; kaum >abzuweisen aber scheint sie mir bei jenem in Neuzedlisch. In dem noch erhaltenen Buche, das der Gemeindevorsteher anläßlich des Synagvgenneutzaues im Jahre 1788 einaerichtet hat, und in dem er mit.peinlichster Sorgfalt. alle, auch. die kleinsten ,Ausf gaben verzeichnet, ist sehr auffallend, daß über die Kosten des Schreines nichtserwähnt wird. Nur in einem Nachträge wird von einem Gemeindemitglied' berichtet, das den Schrein „von seinem Gelde hat machen lassen mit Ausnahme der Vergoldung der Kapitale". Tire hebrAischie und' jüdische Büchjerei in der FrankfurtLr ,Von Oskar Lehma nu. Die Stadt Frankfurt besitzt Zen Vorzug so manches Sehenswürdigen, um das andere Städte sie beneiden. Eine einzigartige in ganz Deutschland nicht Wiederzufindende Kostbarkeit aber, die selbst vielen alteingesessenen, auf ihre Vaterstadt stolzen Bürgern kaum bekannt ist, ist die „Hebraica- und Judaica-Sammlung" in der Frankfurter Stadtbibliothek, das ist eine Sammlung hebräischer und das Judentum' betreffender Wirrte. Freilich, der Fachrmann schätzt diese Sammlung und wo immer in Deutschland irgendein Eelchrter oder Schriftsteller -ein jüdisches oder hirbräislches Buch braucht, das anderwärts gar nicht zu beschaffen ist. wendet er sich nach Frankfurt; Hier nmß es fein, und hier ist >es auch. Denn was irgendwie für Geld tzu beschaffen war. ist hier angeschafft worden. Aber das große Publiftun! ist schon lange nicht, mehr auf-diese köstlichen Schätze hingewiesen worden. Es war im Juli 1902, als gelegentlich einer Räbbinerversammlung die Bibliothekare der Frankfurter Stadtbibliothek eine kleine Ausstellung ' besonders sehenswerter - hebräischer Merke veranstalteten. Aus der Vorrede des damals herausgegebenen Kataloges erfuhren weitere Kreise zum erstenmal etwas über die Entstehungsgeschichte dieser bemerkenswerten Sammlung. Nicht von jeher war die hebräische Abteilung der Frankfurter Stadtbibliothek besonders wertvoll, im! Gegenteil, sie war lange Jahre hindurch recht klein und mittelmäßig pnd erst .stufenweise hat sie sich zu ihrer heutigen überragenden Bedeutung -eMporgeschwungen. Den ersten Grund zu ihr legte der bereits 1704 verstorbene Sprachforscher Hiob Ludolf, indem er der Stadt! d en größten Teil seiner orientalischen. zahlreiche Bibelausgaben und grammatische Schriften, enthaltenen Vuchersammlung vermachte. Nach mehrmals 100 Jahrevj, im. Jahre 1822, kamen .durch den Anfall der Klosterbibliotheken auch wertvolle Bücher anderer Gathung zur Stadtbibliothek, wis Ausgaben der Mischnah,. des Talnrud und selbst. Gebetsammlungen, die wohl durch Konfiskationen ihren Weg in jene gefunden haben mochten. Weiteren beträchtlichen Zuwachs brachten -dann zwei größere Schenkungen: die eine erhieltdie Stadtbibliothek .aus dem Nachlasse des 1860 verstorbenen Lehrers der Philanthropie, Dr. Isaak Marcus Jost, die andere stiftete im Jahre 1867 Justizrat Dr. S. Fuld zum Gedächtnis feiner Eltern, des hervorragenden Talmud gelehrten Aron Moses, Fuld (gsst, 1847) und dessen 1862 verstorbener Gattin Schönchen Fuld, geb. Schuster.Wär die Jostsche Schenkung durch ihren Reichtum an Schriften zur jüdischen Literatur und Geschichte, insbesondere zur Geschichte der Judenemanzipation und zur Reformbewegung im Judeutümr, die Fuldsche aber, durch ihre Bestände an Werken der rabbinischen und namentlich der Talmudliteratür hervorragend, so würde die Sammlung der Hebraica und Judaica im Jahre 1893 durch den Ankaufder Bibliothek des 1891 verstorbenen Rabbiners Dr. NeheMias Brüll, wozu die Frankfurter -Israelitische Gemeinde, nie auch, auf Anregung des Herrn Heinrich Emden, eine Anzahl Privater erhebliche Beiträge beigesteuert hatten, weiter abgerundet und damit zu einer SaMmlung höheren Stils erhoben. Denn die Brüllsche Bibliothek enthält nicht nur eine große Anzahl bemerkenswerter jüdisch-deütscher Schriften, "sondern sie erstreckt sich überhaupt auf alle Wissensgebiete der hebräischen und jüdischen Literatur. Nun erst war die Sammlung eines systematischen Ausbaues würdig und sie erhielt diesen teils durch regelmäßige umfassende Anschaffungen sowohl von Neuheiten, wie .von älteren Drucken aus den Mitteln des laufenden Bibliothek-Etats, teils durch den im ^Jahre 1899 erfolgten Hinzutritt der Bibliothek des vor einigen Jahren verstorbenen bekannten Gelehrten Dr. AbrahaM Berliner, Dozenten am Rabbiner-Seminar in Berlin.- Die wissenschaftliche Bedeutung dieser letzteren Büchersammlung bestand, abgesehen , von ihren sonstigen vielen Seltenheitenvornehmlich, in^ ihrer einzigartigen Sammlung Hebräischer Gebetbücher aller Zeiten, aller Länder und Städte Mit ihren verschiedenen Riten. Tie Bibliothek Berliner wurde auf Anregung des verstorbenen Rabbiners Dr. Horovitz, durch opferbereite Mitbürger (Freiherr und Freifrau Wilhelm Carl von Rothschild, W. Bonn, ,Ed. Cohen, Charles L, Hallgarten, G. Speyer, Theodor Stern und einen ungenannten, im- Ausland lebenden Frankfurter), umeine namhafte Summe erworben und der Stadt zum Geschenk gemacht. Nachdem' dann noch, 1899 dürch Oberrabbiner Dr. Horovitz mit Unterstützung , Mehrerer Gönner der Anstalt eine größere Sammlung interessanter Fragmente aus der Genisa der Esra und der Karäer-Synagoge bei Kairo und 1900 durch - ihren unermüdlichen Förderer Eh. L. Hallgarten eine solche synagogaler Musikliteratur als Geschenk überwiesen worden war, erhielt die Hebraica und Judaica der -Frankfurter Stadtbibliothek im Jahre 1901 einen wciteren außerordentlich wertvollen Zuwachs durch die Wilhelm-Earl von Rothschildsche Stiftung seitens der Freifrau Mathilde von Rothschild-' die der Stadtbibliothek erlaubte, aus der Büchersammlung ihres im 'Jahre >1901 verstorbenen GeMahls alle zur Vervollständigung ihrer Bestände geeigneten Werke auszusuchen. Das Ergebnis dieser Auswahl waren 23 teilweise auf Pergament gedruckte Inkunabeln und eine umfangreiche Kollektion von Werken der HebraiM: Bibelausgaben, Ritualien, jüdisch-deutsche Schriften, darunter viele Mmelien, alles, aber in tadellosen, teilweise sogar in selten schönen Exemplaren. Nun gelangen wir zu der bedeutendsten Erwerbung der Frankfurter Stadtbibliothek auf deM .Gebiete des jüdischen Schrifttums. >Jm Mai 1903 konnte sie die seither in München befindliche AbrahaM Merzbachersche VüchersaMmlung ihr eigen nennen,' eine Sammlung. die in ihrer Bedeutung nur noch von deM britischen Museum und der Bodleiana in Oxford Sbertrosfen wird. Wiederum war es dem Opfersinn Her Fxankfurter Bürger zu danken, daß die Merzbachersche Sammlung der Frankfurter Stadtbibliothek einverleibt werden konnte. Was den hohen Wert -dieser Erwerbung, ausmacht, ist eine einzigartige SaMmlung von Talmuddrucken und Responsemoerken. Diese beiden Zweigs sind fast erschöpfend vertreten. Einige der ersten Talmuddruäe sind die cinzigen bekannten Exemplare; sie dienten dem verdienten Münchener Gelehrten, dcim verstorbenen Nabinowitz, zur Bearbeitung ' seiner kritischen Talmudausgabe. Dieser war auch der-Sammler der fast 6000 Bände umfassenden Bibliothek. Ein hervorragender Platz gebührt den 156 Handschriften, von denen etwa 20 aus Pergament geschrieben sind. Von den mit Miniaturen versehenen Manuskripten sei hier der MaiMonides-Kodex aus dem 13. Jahrhundert genannt, der zu den besterhaltenen illuminierten Handschriften gezählt werden kann. Eine Bibelhandschrist aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, die schon einen Verkaufsvermerk aus deM Jahre 1365 trägt, enthält eine ganze Reihe vorzüglich gelungener Vollbilder. Bon großem historischen Werte sind die in einem Manuskripte aus dem! -Jahre 1460 enthaltenen Mitteilungen über die Hussitenkriege. Gar manche der Handschriften sind von der Fachwelt schon verwertet worden. Wir nennen nur die kulturgeschichtlich bedeutsamen Memoiren der Glücke! von Hamelndie der verstorbene Professor David Kaufmann (Budapest) nach dieser Handschrift herausgab. Von den Druckwerken sind an erster Stelle 34 Inkunabeln (Druckwerke vor dem- Jahre 1500) zu nennest, so daß die Zahl der int der Frankfurter Stadtbibliothek vorhandenen Inkunabeln auf 53 stieg. Wenn man erwägt, daß -bis heute nur .hundert hebräische Inkunabeln bekannt sind, wird man den hohen Wert dieser Exemplare nicht hoch genug anschlagen können. Von den weitaus meisten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.