Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 21 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022322--26903-3052289- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M. 21 Dr. Bloch’s Aa-,,«, XXXV Zentralorgan kür die gesamten „Interessen des Judentums 00= =DO OCF Do 9 9 K. L Postsparkafsrnamt «leariag.Ver!ehr: 810.97« Wien, 31. Mai 1918 * - Bezugspreis: *} Halbjährig 10 Kronen 8*fc«ttto« unb Ldmtntstratt»«: Ganzjährig 30 Kronen «Ne» ■:* Erscheint jeden Freitag Einzelexemplare 50 Heller II/i, Praterstraße 9 Kattic««: Die t msI ,eü>«lt»»» .Telepltom 45*359 * ' * Brief-Adresie: Wien. II/i, yratrrßrstze S L Petirzeit»He»« nn _or» ZelMMnrn-Zhttfft! »lach « Wochenschrift Wie« , Q i... ■ ■■ ■——--Oo Inhalt: Leilartikel: Namen nennen!— Zarismus und Antisemitismus. — Ludwig Gerger. — Luther über die hebräische Sprache. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten.'— Weitere Auszeichnungen. .— Deutsche Kriegsdekorationen. — Beförderung zum Oberst-Rsgimentskommandanteu. — Maiavancement. — Mie eine -Jüdin ihre Pflicht erfüllte. — Korrespondenten: Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Helfet, unseren Brüdern in Nordpalästina! — Der österreichische jüdische Jugendtag in Wien am 18!. 19. und 20. Mai. — Kleidersammlung für notleidende jüdische Hochschüler und Hochschülerinnen der tlansn ucnctswioa suZaie». Bereinigung Wiener Tenipelvereine. — Vergessene Synagogen in. Westböhmen. — Die hebräische und jüdische Bücherei in der Frankfurter Städtbibliothek. — Vermischtes. '— -Feuilleton: Eine Esches Chajil. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. - Kamen nennen! Wer vorn-uns-hat nicht schon einmal dfe Szene miterlebt, wie in irgendeiner Versammlung irgendein ' stolzer Tugendrichter auftritt und gegen irgendeine Person, eine - Partei oder ein ganzes Golk Pauschalderdächtignngen niedrigster Art indie Versammlung hineindonnert und dabei aus scheinbarer Wohlanständigkeit es unterläßt, den Namen der Person, der Partei oder des Volkes zu nennen, gegen die er seine giftigen Pfeile schlendert. Und wenn dann aus der Versammlung der >Ruf ertönt: „Namen nennen!", da verkriecht sich-dieser Tugendbold hinter seine-Anständigkeit, denn: ,,-Nomma sunt ödiosa“. . Dieses billige, meuchlerische .Auskunftsmittel wählen alle, denen Verleumdung zum Geschäft geworden, die vom Haß und der Verhetzung der Volksmassen gegen andere leben. Die „ReschDipo st", das Blatt antisemitischer Pauschalverleumdung en gegen die Juden, hat in der letzten Zeit- — moralisch gezüchtigt durch die Dementis, die es abzudrucken gezwungen wurde — sich gleichfalls hinter dieses blllige Auskunstsmittel verkrochen und wagt es nur selten, die Namen zu nennen, wenn es sich! ihr darum handelt, das gesmnte Judentum mit ihren Verleumdungen zu treffen. Man hört förmlich in solchen Fällen den Ruf der anständigen Leser: „Namen nennen!" Tut sie es-aber dennoch, dann folgt die verdiente moralische Züchtigung auf dem Füße, denn die Widerlegung-ihrer Behauptungen kommt-nicht etwa aus dem Lager der Angegriffenen, die - esverschmähen, mit dem Hetzblatt in Berührung zu kommen, sondern von auch für die „Reichspost" einwandfreien Leumundszeugen aus der Mitte ihrer eigenen Partei, ihrereigenen -Anhänger. . ,, . - Unter dem gleißnerischen Titel „Die da am Staate zehren . - brachte die.„Reichspost" am 24. Mai einen ganzen Rosenkranz von sogenan'nten Jllustrationsfakten, die den Beweis erbringen sollten, daß die Juden es sind, die an dem Staate' zehren und das Volk ausbeuten. Drei dieser Fakten sind aus Oesterreich geholt. - Wir lassen sie hier folgen: Bilder von hüben und drüben. Fangen wir herüben an undgreifen wir aus der-Reche jener, dir nur verdienen, zu einer Zeit, da Die Mehrheit der Bevölkerung nur Opfer, Opfer an Leib, unv (Lut bringt, einige Beispiele heraus. - Der Krieg dauerte schon. eine Weile, Brotkarten wurden eingeführt, die zweite der gcofen Musterungen war im Gange, da kam-der frühere Spediteur Ostersetzer aus dem Osten - - aus Brody - nach Wien. Uns Brody waren viele nach LWien gekommen, ebenso aus Lemberg. .Aus Lemberg kam auch die Gattin des dortigen Versicherungsagenten Jonas. In Wien sollten sich die beiden finden; sie fanden' sich zur Miatärfirma Ostersetzer & Cie. zusammen. Die Firma ^chrpil einen ursprünglich auf sechs Monate, nach Ablauf dieser Jeit auf drei Jahre verlängerten iBertrag auf das- Waschen und Färben von Uniformen. Die Firma Ostersetzer & Cie. wäscht seitdem und .färbt Uniformen in Atzgersidorf. In dem zwei Stationen von dort .entfernten Brunn a. G. hat das Aerar eine kolossale Waschanlage errichtet und jedermann fragt sich: Warum, mutz die Firma Ostersetzer & Cie. noch nebenan in Atzgersdorf waschen? ... Im Mariahilfer Cassenhof hatte ein kleiner Jude im Jahre 1915 sein kleines Kaffeehaus, ein wpnerifches „Tschoch", umi 10.090 Kronen verkauft. 400!) Kronen war er schuldig und »s bleiben ihm 6000 Kronen übrig. Damif trater bei der Viehverwertungsgesellschaft als Einkäufer ein und kaufte und verkaufte, -bis er vor kurzer Zeit in. die Notwendigkeit versetzt .vurde, bei der Linkommensteuerkommission den Betrag von 7 Millionen Kronen als einkommensteuerpflichtig zu bekennen. Der Mann vom kleinen Tschoch ... Bei Zlabings haben galizische Juden um eine halbe Million Wald- . und Grundbesitz gekauft. Sie haben den halben Wald abholzen lassen, das Holz um zwei Millionen Kronen verwertet den Waidhumusboden abkratzen und auf die Felder führen lassen und schließlich im Winter den ganzen Besitz um -21/« Millionen Kronen weiterverkauft. Jetzt ..arbeiten und verdienen"" sip anderswo .. . . - - - Drei „große Fälle",- die Millionen - stiegen - nur .so herum, -die-'dieMsen Juden in diesem.Kriege erwuchert haben, aber nur ein Name, der Name des.Spediteurs Ostersetzer aus . Brody. Die anderen zwei Fälle sind .'eben, jene vagen Pauschätoerdächtigungen, in denen so Wer treu za Kaiser and Reich steht, zeichnet die 8. Kriegsanleihe.