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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-04-26 · 16 (26.4.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
16 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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nr 16 Dr. Vlaiv's «MenWsrtft Sktte 249 zur Rede, weshalb er/feinem Barer, während er selbst an der Front kämpfte, die Ails^ahtung des Unterhaltsbeitrages verweigerte. Im Verlaufe der erregten Auseinandersetzung zog der aufgebrachte Feldwebel den Sabel und drohte, den Gemeindesekretär und die anwesenden Mitglieder der Repräsentanz niederzumachen. Der Gemeinderepräsenimrz gehört u. a. auch der Rabbiner Moriz Mackowics an. Die erschrockenen Gemeindeväter flüchteten aus dem Sitzungssaal', nur Rabbiner M a ck o w i e s blieb zurück und versuchte, den wütenden Soldaten zu besänftigen. Der Feldwebel führte aber mit dem Säbel mehrere Hiebe gegen den ihn beruhigenden Rabbiner, der die Hiebe mit einem Sessel auffing. Dieser Kampf zwischen Rabbiner und Feldwebel währte ziemlich lange, bis die iuzwischen avisierte Gendarmerie erschien und den Wütenden entwaffnet e. Rabbiner Mackowics trug einige leichte Verletzungen davon. Große Erzeffe gegen die Jaden in Krakau. - Ein Toter, zwanzig Schwer- und viele Leichtverwundete, zahlreiche Geschäfte geplündert. Wie aus Krakau berichtet wird, haben dort am 16. d. M. große Ausschreitungen gegen die Juden stattgefunden, unte r dereit 0pfein sich ein Toter befindet. Die Unruhen begannen inn 9 Uhr vormittags auf dem Marktplatze mit der Plünderung jüdischer Buden und arteten , bald in eine wüste Schlägerei ans. Die Exzedenten,-die zum größten Teile aus Legionären, Studenten, Eisenbahnern bestanden, überfielen die Straßenbahnwagen, schleppten Juden heraus und schlugen auf sie ein. In der ganzen Stadt wurden den Juden die Fensterscheiben eingeschlagen, jüdische Läden geplündert und z a h l r e ich e P e r s o n e n v e r.w u n d e t. Die jüdischen Geschäfte wurden sofort gesperrt, wurdet! jedoch vom Pöbel aufgebrochen, während die offenen christlichen Geschäfte vollkommen unbehelligt blieben: schon aus diesem letzteren Umstand erhellt, daß es sich keineswegs mn Hungerexzesse, sondern um euren regelrechten Pogrom nach russischem Muster handelte. Der Jude Petachja Meller aus Stryj wurde erschlagen. Er war 'ein Ein nt l d fün fzigjäh r iger, der" eben erst vom Militär /beurlaubt wurde, und hinterläßt zwölf unversorgte Kinf der. Er war zuni Besuch seines Sohnes) der krank in; einem Krakauer Militärspital liegt, von Stryj nach Krä- \ kan gekommen. Am Mittwoch! wurde eine Protestver- } smnmlung abgehäüen ltnb die Juden ansgefordert, am l gesichts der Passivität der Polizei einen Selbstschutz zu s organisieren. Das.Begräbnis des Erschlagellen vollzog l sich unter großer Beteiligung und Erregtheit. Sofort snach Bekamuwerden der.Vorfälle wurden von der zioni- \ stischen Exekutive in Wien Schritte zur Verhütung einer. /Wiederholung der Exzesse bei den Behörden unter- I lrommen. Aus Krakau: lvird uns ferner berichtet: 1 Die Ruhe, und Ordnung kehrt allmählich! zurück. Es Lverdieilt. festgestellt zu werden, daß dies dem energischen Einschreiten des Militärkommandos einerseits, am Uderseits aber der organisierten Gegenwehr der Juden Mn danken ist. Als die Unruhen einen größeren Cha- Urakter änzunehlnen drohten, bildete sich sofort eine jüdische Selbstschutzorganisaiion, welche von der jüdischen »Jugend geleitet wurde. In einem zum Anschluß an die- Men Selbstschutz auffordernden Aufruf heißt es: 8 Duden, Bürger! In dem Momente, da sich das 8- Schicksal der Welt entscheidet, da sämtliche Völker ihr Blut im Namen der heiligsten Ideale für Freiheit und Demokratie vergießen, wagte es ein Dell der polnischen Gesellschaft, die Juden mft einenr huliaanischen Pogrom zu "überfallen, zu vlündern und blutig *it schlagen. Alte Inden und wehrlose Frauen wurden in unmenschlicher Weise m'ßhandelt, unschr'ldiges Blut wurde vergossen. Das tat der verwilderte Pöbel, unter dem auch bürgerliche und waenannte intelligente Ete-' . mente nicht fehlten, und selbst polnische Vaterlandsverteidiger, Legionäre, waren unter ihnen. Juden! Wem von Euch unsere Ehre heilig ist, stelle sich in die Kampfreihe für menschliche Rechte und unsere nationale Freiheit. Fort mit den Huligans, fort mit den unberufenen Mordrührern!" Aus Krakau wird den „Poln. Nachrichten" gemeldet: Auf die Nachricht von den am 16. und 17. d. M. in Krakau ausgebrochenen Mawallen, die ihre Spitze gegen, die Juden kehrten, begab sich der amtsführende Obmann des Polenklubs Stapinski und die Abgeord neten Vizepräsident Hofrat German, Dr. Ad. Groß. D r-. K o t i f ch e r, Rau ch und Dr. S r e i n h a n s mit dem. Präsidenten der israel. Kultusgemeinde in Krakalt Dr. Till es Samstag den 20. d. M. zunr Minister- .Präsidenten Dr. Ritter v. S e i b l c r, überreichten ihm einen Bericht über di? Vorfälle und verlangten unter Hinweis auf die Unzulänglichkeit der polizeilichen Hilfe umfassende Schutzmaßnahmen. Ter- Minifterprä'idenr nahm diese Mitteilung *ut Kenntnis und versprach, das Notwendige zu veranlassen, uuz.- derartigen Exzessen in Hinkunft vorzubeugen. Die Nachricht, atH.-ob:.der Jude Petachja Meller aus Strhß erschlagen worden, wäre, ist unzntreffend. Er verschied) ww die gerichtliche Obduktion ergab, nach einehr Herzschlag. Eine zronistische AeorLuuug beim Grasen Toggendura. In' Vertretung der zionistischen Partei und des Jüdischen Narionalvereines sind die Herren Stand, Ingenieur S rricke r, Dr. K a ß n e r und B a t o beim Minister des Innern Grafen Togaenburg erschienen. Die Herren schilderteil die seit Monaten andauernde antisemitische Bewegung im Lande. In vielen Städten wurden 7Juden mißhandelt und beraubt. In Krakau begannen die Unruhen am 16. d. M. und dauerten mehrere Tage. Jüdische Läden wurden zerstört und beraubt, Bürger schwer mißhandelt. Der Jude Meller ist infolge der erlittenen Mißhandlungen gestorben. Die Herren ersuchten die Regierung um energisches Einschreiten, da sich die Maßnahmen der lokalen Behörden als unzureichend erwiesen. Die Herreil vrorestier»en auch gegen das Verhalten der .Zensurbebörde iit Galizien, welche alle Nachrichten über die Vorfälle unterdrückt und ledige lich solche Berichte zugetassen habe, welche alles rundweg äbleugnen. Graf Toggenburg erklärte, daß die Regierung die Ausschreßungen bedauere und vernrte'le. Wenn die getroffenen Maßnahmen nicht ganz ausgereicht haben, so sei das darauf zurückzusühren, daß zufolge der. Verhältnisse im K-äege nicht überall ervrobte Sicherheitsvrgane zur Verfügung stünden. Das Ministerium habe sofort nach Erhalt der Meldungen iliilfassende Maßregeln getroffen und strenge Weisungen hinausgegeben, und zwar mit gutem Erfolge, da nunmehr Ruhe herrsche. Was das Verhalten der Zensurbehörde betrifft, erklärte der Minister, daß er das Verlangen näch Zulassung der ben Tatsachen entsprechenden Berichte in der Preise für gerechtfertigt halte und seinerseirs umgehend die nötigen Weisungen erlaffeit werde. Trauerandacht. Auf Jnitiarive des „Gemeinsamen iüdischel?"Hochschularrsschusses" fand Donnerstag den 25. d. M. um 7 Uhr abends eine Trauerandacht für. das Opfer

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