Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 16 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit» M -Or. Moch'S WWenfAkist kx, 16 Eintritt der Kriegserklärung sofort in dos Heer eingereiht wurden, unÜMar in. derausgesprochenen Absicht, als erstes Kononenfutter für den Feind geopfert zu werden. Wie ein gewiß unverdächtiger Zeuge, der alldeutsche Publizist Dr. Wolsfgang Heinze in den , Preußischen Jahrbüchern" (Oktober vorigen Jahres) mitgetech hat, , erklärten die rumänischen Offtzijdre offen, ,,daß die Zeit jetzt gekommen fei, sich der lästigen 30.000 6ip 40.000 jüdischen Soldaten dadurch zu entfedigen, daß man sie in dib vordersten Linien stellte. Der allgemein verbreitete Antisemitismus der rumänischen Aerzte und Sanitäter soll auch bei Tutrakan den Tod von.Hunderten jüdischer Verwundeter verschuldet haben". Herr Dr. Heinze erwähnt auch folgendes Geheimzirkular des rumänischen. Generalstabes von 1915: „Es ist wünschenswert, keine Juden zu si mein höheren Grade zu befördern; doch muß das alles, um sie nicht zu erbittern, geheeMgehalten werden". - Die gefallenen , jüdischen Soldaten sollen als „vermißt" bezeichnet' iovrdeN se'rnj,. um dadurch die Legende der jüdischen Untreue zu erzeugen. Was übrigens die barbarischen Mißhandlungen und ^viehischen Grausamkeiten in dem rumänischen Gefangenenlager ^ipote anlangt, wo von 16.000 deutsch-österreichischen Gefangenen im Laufe eines - Winters über 12.000 gestorben sind, so zeigt sich auch hier die barbarische Roheit des rumänischen Nationalcharakters in ihrer abstoßendsten Form. Im Gegensatz zu der eingeborenen Bevölkerung haben aber gerade die rumänischen Juden sich unserer armen Gefangenen auf das wärmste angenommen. Einem Bericht der „Kalberstädter Zeitung" <14. Februar l. I.), der die Erlebnisse eines Halberstädters in rumänischer Gefangenschaft Wiedergibt, sei folgende kurze Schilderung des Schicksals einer in Gefangenschaft gehaltenen deutschen Familie in Rumänien wiedergegeben. Zwei deutsche Frauen, die wochen- und nwnatelang von einem Gefängnis nach dem andern herumgeschleppt worden waren, von denen die eine infolgedessen einen schweren Typhusansall erlitt, waren endlich aus der Gefangenschaft entlassen worden. „;Das war aber auch alles. Niemand sorgte sich um sie, 'niemand kümmerte sich um Hre Verpflegung, ganz einerlei,/ ,ob sie Geld hatten oder, nicht. Gegen Abend fanden die Frauen endlich zwei Ungarinnen, die sie aufnähmen. Dort besserte sich die Krankheit von Frau Möhser etwas, . alles aber,- erklärte Frau Möhler, habe -ich einer rumänischen jüdischen' Familie zu verdanken, die mich aufgenommen und wie eine Schwester behandelt hat. Was es an Stärkungsmitteln gab, Milch, kräftige Suppen, Rotwein, alles habe ich bei im bekommen. Ueberhaupt sind keine Worte des Lobes zu viel fiir die runränischen Juden. Es ist gar nicht zu fügen,-was "sie alles- Mr -die ^efüngenen--Deutschen--gechan haben. Ihr Wirken xoar so segensreich, baß an Plätzen, wo viele. rumänische Juden waren, nur halb' so viel Internierte gestorben sind. als anderswo." •" « Was Hilmar bezüglich! Deutfchlcurds sagt, trifft auchl für Oesterreich^lngarn zu, und wir wiederholen, wir Wunen trotz vMschiedener Symptome den Zweifeln keinen Raum geben, daß unsere Regierung anchi in dieser Frage stark bleiben und der Gerechtigkeit restlos zum Siege werhelfen wird. Arische „KorsenjuÄLN^. („Börsenschwindel" und „Mdische Mopal".) .Mit Berufung auf Sombart werden von dem Leitartikler der „Reichspost" -vor allem die Ausschreitungen des Börsengeschäftes auf Konto der Juden gebucht; ausschließlich Inden wären Erfinder und Träger des/ „Börsenschwindels". Die Inden haben die .Börse in ein Ausbeutungsinstitut verwandelt zu einer „Diebs¬ und Räuberhöhle" gestaltet. In der „ODeutschen Rundschau" wird deklamiert: „Anchi der Befchriänkteste muß einsehen, welch ein Unfug in dieser schweren Zeit die gepriesene.Börse ist, und wie sie den Leuten das' Geld herauslockt, das so dringend nötig und viel nützlicher für Bol? und Vaterland in den Kriegsanleihen angelegt werden könnte." Der aus England eingeschleppre Houston Stewart Chainberlain stellt das Börsenspiel als j ü d i s ch e s G e - w achs hin. % Was sagt dazu die Historie? . In England war in den Jahren 1690 bis' 1700 gewiß von jüdischem Einfluß keine Rede und dennoch, wie florierte damals der Börsenschwindel. Ueber die Bank von England im Jahre 1696 schreibt Th. B. M a> ca ul ah („Die Geschichte Englands seit dem Regierungsantritte Jakobs II." Deutsch von Professor: Frv B. üj l a u, Leipzig 1856, Bd. X, S. 190 s.): „Die Direktoren empfanden es bald als. unmöglich genüg 'Silber zu . beschaffen, mit jedem Ansprüche zu begegnen, der bona üäe an sie erhöben wurde. Sie perfielen darüuf aus ein neues Auskunftsmittel.' Sie verlangten v'on den Aktionären eine Einzicchlnüg' von 20 Prozent und brachten so eine Summe zusammen, dje sie instandsetzte, jedem, der sich um Zahlung meldete, auf das ihm Zukomwende 15 Prozent in gewalztem Gelde zu geben. Sie gaben.ihm seine Note Kur-üch.nachdem' sie eine Bemerkung über ersÄMe teilweise Zahlung darauf gemacht. Ein paar so bezeichnete 'Noten sind noch in den Archiven der Bank als Gedenkzeichen jenes schrecklichen Jahres erhalten. Die.' Papiere der Korporation fuhren fort, zu. zirkulieren, aber der Wert wechselte von Tag zu.Tag, ja von Stunde zu Stunde Heftig; denn der Volksgeist war in einem so erregten ZüWnde, daß die abgeschmackteste Lüge, die ein Börsenschwindler erfinden konnte, hinreichte, -den Preis in die Höhle oder herunter zu' treiben. Zu einjer Zeit war der Diskonto nur 6 Prozent, zu einer anderen Zeit 24 Prozent. 'Eine Zehlchfundnote, die' früh für mehr als neun Pfund wert genommen worben'w'är, ftöär oft vor abend weniger als' acht . Pfund wert."; Die englischen christlichen Spekulanten ver- .staUdeU es auch im . Jahre .1697, - günstige Nachrichten finanziell an. ' der Börse, auszubeuten (X., S. 315) : „Endlicham Nachmittagdes 12. September, erhielten einige Privatspekulanten in der City durch . einen geheimen _ Kanal gewisse Nachricht, daß der Vertrag vor Tagesanbruch aM Morgen des 11. unterzeichnet worden sei'. Sie behielten dieSache für sich) und beeilten -sich emen. MMiWWndw^-WbiAÄch dcftwn zu - -machen; aber ihre Begierde, Bankaktien zu erlangen, und die "hohen Preise, 'die sie 'boten, erWÄktön Verdacht, und Man glaubte allgemein, ^'däß am nächsten Taste iUstend etwas Wichtiges angezeistt werden würde." Noch einen Fall angetfächsischjen PreWrigNtentüms erzählt Th. P. M a c a n l a y (X.^ .'S.' 279 ft) äüs 'den VeÄ)>andlnngen - des englischen Parlamentes von 1697: „Während die Gemeinden," heißt es>"„eisihg mit dem grüßen Werke der Herstellung der Amäuzön beschäftigt waren,- fand ein Vorfall statt, der eine kürze' Zeit lang der jungen Freiheit der Presse verhänstnisvöll. zu Werden drohte, der sich aber schließlich! alsdas Mittel erwies, diese Freihieit zu bestätigen. ^Unterden viMn Zeitungen, die seit dem -Erlöschen der Zensur gegrüMet würden waren, befand sich>eine„diedie „Fliegende PÜst" hieß. Der Herausgeber, Johann S a bi s bu r y, wür düs Werkzeug einer Bande Börfenfchwindler in. der (Eich, deren Jitteresse es! zufälligwar, die fundierten Staatsschuldpapiere niederznschreien. Er veröffentlichte eines Tages einen falschen und boshaften Artikel, der öffenbar die SchätzkaMmerscheine zu verdächtigen bezweckte. Bon dem Kredit der SchätzEWmeAchmne hing ln 'diesem Augenblicke die /politische" Gftößje und die merkäntilftche Wohlfahrt des Reiches ab. Das Haus der Gemeinen war in Feuer. Der Sprecher erließ seinen BefHlgegtn Salisbury. Es - wurde 'ohne Abstmtmmtg besDossen, -daß eine Bill eingebracht werden solle, chm düs /Veröffentlichen von Neuigikeiten ohne Genehmigung zu verbieten. Achlmrdvierzig Stunden später -wurde 'die Bill vorgeleA und verlesen.- Doch Mt' Zeit gHabt, sich, ahzukühlen. Es: gab kaum.eines ' von ihnen, dessen Aufenthalt aus dem Lande wäMnd des vorhergehenden Sommers nicht durch die Londoner JMr-' nale angenchMer gewachtworden wäre. Wiemaget auch diese Journale jemandem'-'erscheinen mögÄr, der die „Times" täglich' auf .seinem FpWstuckstische hat, sie waren.