Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 15 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 15 Sette 2^ tien flii$ reichen Häusern Vvrzuschlagerr — da erkrankte SakMentebs Mater,, ein Jahr nach der Genesungseines Kindes. Es war eine schwere, tückische und kurze Krankheit' und nach einer tiefen.Bewußtlosigkeit von drei Tagen war der kraftvolle Mann tot, ohne daß die Ursache des' jähen Endes festgestellt werden konnte. Kaum war die Trauerwoche vorüber, da eilte die junge Witwe, in Schmerz aufgelöst, zum Maggid. Lange sprach sie mit ihm und erzählte ihm auch, was sie an jenem Tage, an. dem sie die Kleider und- Kostbarkeiten ihres Kindes weggeschenkt hatte, bei ihrer Rückkunft gesehenhabe. „Euer Kind wird gesund bleiben, nehmt nun die Sachen. wieder zurück und bezahlt den wahren Wert, keinen Silberkreüzer weniger", sagte der ehrwürdige Mann, und nachdem er alles genau, abgeschätzt hätte, auch die kleinste Kleinigkeit, damit die Armenkasse ja nicht Zu kurz komme, gab er nach Entgegennahme des Geldes den Koffer samt seinem kostbaren Inhalt zurück. „Euer Mann hat sich für sein Kind ausgemessen; wohl ihm, da er seinen Ben-JochMo) vom Tode erläsen konnte." Diese Worte erleichterten den Schmerz der armen Frau ein wenig: aber von diesem! Tage an war ein bitterer Ernst in ihrem schönen Gesichte ausgeprägt und niemand hat sie je lachen sehen oder' zur Teilnahme an einer Lustbarkeit bewegen können. Das dunkle Wi-twengewand blieb ihre einzige Tracht. * * * So lebte die noch junge,, vpn vielen begehrte, statt-, .liche und reiche Wime still und zurückgezogen nur für ihr Kind und überließ das große Geschäft ihrem' Salmenleb, der, von zahlreichen Gehilfen, unterstützt, einen reichen Kundenkreis zufriedenzu stellen wußte. Da kam die Zeit heran, wö dler junge Mann ein Mädchen gefunden hatte, das er für würdig hielt, zu seiner Lebensgefährtin zu . smlachen. - Es war in frommen jüdischen Häusern damals — und teilweise auch noch heute — nicht Sitte, daß. ein junger Mann ein Mädchen ohneweiters kennen lernen und dann bei ihren. Eltern um' sie . werben durste. Es gab keinen Korso, wo man.sich gegenseitig! anlächeln und ansprechen und letzten Endes vielleicht auch - näher kennen und lieben lernen könnte. Es gab keine Bälle und keine Feste für das junge Volk zuM Austoben und Flirten. Wenn junge Mädchen tanzen lernen wollten, dann konnten sie eben nur wieder mit Mädchen tanzen, und fromme junge Männer tanzten überhaupt nicht, es wäre denn bei ganz bestimmten Gelegenheiten, und da war es ein Hüpfen, dem Derwischtanz ähnlich, eine Verzückung, fast wie eine gottesdienstliche Uebnug. Es gab auchkeine gemeinsamen Ausflüge und keine Heimlicherl Trefforte, wo die ersten Versuche einer Annäherung begannen, es gab kein Tennisspiel, kein Ski laufen und Rodeln, keinen Schwimm- und Rudersport, kein Radfahren! und: keine Bergtouren,' ja nicht ' einmal - im Kaffeehause konnten sich.die jungen Leute treffen, und. man Mie dabei auch ganz gut und zufriedener als heute. 'Es herrschte eben streng-siLtfame Zucht und vor der Ehe haben die Mädchen außer', ihren Brüdern feine jungen Männer gekannt, haben sich auf ber- Gasse nie mit einem Manne blicken lassen und' wurden zumeist auch vom- Theaterbesuch fecngehalten. — - - Ob di es heilsam oder "für das spatere Leben förderlich^ ist, pvurde nicht geftaat. Jedenfalls hat es den ÄkKdchen. nicht -geschadet, denn;fie wurden alte tüchtige und. brave. Hausfrauen, die 7das -Hauswesen und die Kinder betreuten, aber - ftrr Sommerfrischen und Barch Konzerte und Bälle keinen Sinn hatten. , .• -> Wenn nun Salmenleb im Geschäfte, auch..Frauen,.; die nicht selten ihre Töchter bei der Auswahl der'Stoffe Mitnahmen,, zu seinen Kunden zählte, so..war ihmher der angeborenen Züchtigkeit nie, in den Sinn gekommen, diese Mädchen zu Mustern und ' ihreü Blicken zu begegnen. Dennoch trug .es sich, zw, 'daß eine Mutter mit ihrer Tochter ins Geschäft kam und. Salmenleb aus der Wähl des Musters, den Fragen und Wünschen des Mädchens aufmerksamer als sonst wurde; fein Verkehr mit den großen, Kaufhäusern harte ihm-auch trotz dev polnisch-jüdischen Tracht envas weltmännischen Schliff verliehen und die Geschäftigkeit und das Entgegenkommen des schönen jungen Mannes entgingen auch- -dem Mädchen nicht.-Die Herzerr sagten sich vielleicht,, daß sie zueinander streben, zueinander gehören. Nur für einen Moment mochten sich die Blicke getroffen, aber gleich wieder gesenkt haben. Es Mr Matchen, dw älteste Tochter im . Hause' CHajes. Sie war nichr reich, aber hübsch, und galt für die damaligen Begriff'' als gebildet. Derm ihr Vater beschästigte sich eifrig mit dem Studium der Philosophie und duldete es auch, daß seine Kinder deutsche' Bücher lasen, was in frommen 'Häusern verpönt und. den Talmudjüngern unbedingt verboten war. Salmenleb wurden noch immer Partien in großer Zahl vorgeschlagen,-aber unter all den Mädchen befand sich nicht -jenes" Malchen, das ihm so plötzlich - in den Lebensweg getreten war. Der nreistbeschäftigte Schadchen der Stadt Brody, der alte Chaim, war auch, im Hause C'hajes, wo es -viele Kinder, aber wenig. Geldgab, ein öfterer Gast. Der Umstand, daß Malchen mit ihrenachtzehn Jahren noch von keiner Heirat wissen wollte, und die ewig abweifenden Bescheide, die ihm der etwa zweiundzwanzigjährige Salmenleb stets gab, brachten den vraktischen Mann auf den Gedanken, diese zwei Leute zu vereinigen. Es ist die'. Gabe' erfahrener Leute, im gegebenen Moment das.Richtige zu.treffen. Chaim Schadchen traf das Richtige. , - (Fortsetzung folgt.) Krrefkake« Med. Tr. L. Die Geheimlehren der „Kabbala" werden in dem int 13. Jahrhundert entstandenen Werke Sohar (Glanzj vorgetragen, das in. der Hauptsache ein Kommentar des Pentateuchs ist und R. Simon ben Jochai als geistigems Urheber zügeschrieben wird. Daß die moderne jüdische Literatur, soweit sie nicht der historischen Forschung dient, sich wenig mit de< Kabbala' befaßt, -darf nicht befremden, denn für mystische Bestrebungen, Gott und das Weltall aus Zahlen- - und Zeichenzusammenstellungen ergründen zu wollen, hat man jetzt kein Verständnis mehr. <5tub. Mor. P. Unter „Mercaba" wird gemeinhin die bib-' lische Auffassung vomgöttlichen Thron verstanden, bezw. die von t^echieÜ und anderen 'gegebene Darstellung " der Fahrt Gottes durch die Wolken. Für ,iMakisim" finden wir im Augenblick keine Deutung. Ueber beide Ausdrücke werden wir die Auskunft eines Fachgelehrten einholen. ' l0) Einziger Sohn. ' Notizen, ,' Anglo-OesLerrejchische Bank. Die 54. ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Oesterreichischen Bank findet am 2. Mai 1918, um halb 7 Uhr abends, im Kassensaale der Anglo-Oesterreichischen Bank '. (1. Bezirk, Strauchgasse 1) statt. Gegenstände der Verhandlung : 1. Jahresbericht des Generalrates: 2. Bericht der Zensoren über' den Rechnungsabschluß des Jahres 1917 und Beschlußfassung hierüber. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes pro 1917. 4. Beschlußfassung über die Ermächtigung des - .Generalrates zur eventuellen Erhöhung des Aktienkapitales von 130,000.000 auf 150,000.000 Kronen durch -Ausgabe von: 83.333 Stück - völleingezahlter Aktienü -240 Kronen Nominale - und Beschlußfassung über die' Aenderuntz