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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-29 · 13 (29.3.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
13 (29.3.1918)
Date
1918-03-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sss» 2M Dr. Moch's sanvmlung An der hiesigen Bürgerschule, an welcher sich folgende Schüler -beteiligten: Erna Ko.hn, Elsa Wdllner, Gerda - Schild^,: EryA.. Turner, Helene Turner, Amalia Knall, Berta Bogner, EiNisie- Spiro, Leopold Bader, Robert Pisk, Anton Bogner. Gürvrirl Deralte Gawriel sichtete Schriften. Längstbezahlte Rechnungen, wertlos gewordene Briefe aus der Zeit seiner srüherenrgeschästlichen Tätigkeit vernichtete er, chennseine Tages gllrgen hoch und er wollte Ordnung schaffen in feinen Habseligreiten, da der Krieg, der grvM Weltkrieg, der' nun i schon seit langem^ wütete, alle Verhältnisse unsicher'machte.^ Nur das wollte er außer seinem bißchen Hausrat behalten, wovon er Erinnerungen in sich trug, an denen sein Hertz hing. Und er las'mit feuchten Augen die wenigen_erhalien gebliebenen Briefe feines nun schon seit-einigen Jahren in Gott ruhenden Weibes, das ihn als Einsamen Zurückgelassen hatte; denn seine drei guten Söhne::'— Gort beschütze sie auf ihrem Lebenswege — waren schon vorher nach Wien gegangen, da ihr ProvinZstädtchen wenig Aussichten für ihre arbeitsfreudige Jugend bot. Und sie hatten recht mit diesem..Entschlüsse gehM; sie waren schon %u ansehnlichen Stellungen gelaugt, der Äteste war Dlisponent einer Bank, der Zweite Leiter eines Unternehmens, welches für das Heer arbeite,! und der. jüngste, den er hatte studieren lassen können — bei den Zwei älteren waren die Verhältnisse noch. :zu: dürftig gewesen—, wirkte als Regimentsarzt an der russischen Front. Und diese drei Söhne machten das Alter ihres Vaters sorgenlos. Sie ließen es an nichts -fehlen/- was ihm.das Leben ^behaglich Machen konnte. Er verdiente es wohl, daß sie sich seiner so liebevoll annahmen, denn er, der als kleiner Kaufmann eines Landstädrchens unaufhörlich! hatte arbeiten und sorgen müssen, um für die Familie das Notwendige herbeizuschassen, hatte, allen Schwierigkeiten trotzend, seine Kinder aus-einen Weg gebracht, der sie einer schönen, gesicherten Zukunft entgegensührte. Der alte Gawriel sichtete also. Die Briese seines verstorbenen Weibes band er sorgfältig zu einem Päckchen zusammen, das er verwahrte, denn er wollte, daß ihr Mvar einfacher, von den bescheidensten Dingen handelnd«:, aber von tiefer Reinhell zeugender Inhalt seinen Kindern erhalten bliebe. Auch seiner Kinder Briefe las er wieder, jene ersten, noch von Furcht und Hofsnjung erfüllten aus der Zell, als die Söhne, einer nach dem anderen, das elterliche Haus verlassen hatten, um in die ResrdenZstadt zu Ziehen; dann spätere Briefe voll Zuversicht, die schon von Erfolgen erzählten; Briese zu sesllichen. Gelegenheiten, in welchen sich die Liebe der Kinder zu ihren Eltern offenbarte, welche Liebe später, o% bie teure Mutter dahingegangen war, sich ganz dem-einsamen Vater zuwandte; und Briefe aus .den letzt«! Jahren — Kriegsbriese. . - Ein. Schreiben seines Jüngsten von der galizischrussischen Front fesselte ihn. Er las: „Lieber Vater! Zu . Deiner Beruhigung telle ich Dir vor allem wll, daß ich vollkommen wohlauf bin. Lasse mich bald hören, daß auH Du Dich, vollständiger Gesundheit erfreust, denn es. macht Äir bange, wenn ich aus den Briefen meiner Brüder erfahre, daß Du, lieber Vater, dem wir nach so vielen Jahren voll Mühe und Arbeit ein Alter bereiten wollten, dem jede Sorge und jedes Leid fernbliebe, infolge, der schlechten ErnahrungsverhILltnisse jetzt manche Entbehrung erdulden mußt und Dich außerdem noch ängstlicheu Besorgnissen um mein Leben und mein Wohl Wochenschrift «r, 13 hingibst, liebet meine körperliche Sicherheit kann ich Dich beruhigen, denn das! Gebiet meiner. Tätigkell, das Lazarett, hat kein feindliches Feuer zu fürchten. Was nun aber Deine Entbehrungen betrifft, von denen ich sprach, so hoffe ich: aus ganzem Herzen, daß ein gütiges Schicksal die Zeit der Prüfungen bald beenden werde, damit Du wieder Dein schönes, gleichmäßiges Leben in Ruhe führen kannst. Bei all der Sorge, die mir der Gedanke bereitet, daß Du, lieber Vater, unter dem Krieg zu leiden hast, tröstet es mich, daß ich! Dich in Sicherheit weißj, weit entfernt von allen Schrecknissen und Greueln des Krieges. Es blieb Dir glück- , licherweise erspart, -mit Deinen alten Augen, zu sehen, was meine , jungen Augen sehen Mußten, und was mir das ganze. Leben hindurch unvergessen bleiben wird: wie unschuldige Menschen, imb1 vor allem unsere ~ armen Glaubensgenossen, zu leiden hatten, wie man in Rußland und in dem von den Russen .besetzten Galizien Pogrom aus Pogrom veranstaltete, die Juden unter den grausamsten Foltern tötete, ihre. Frauen . entehrte und ihre Kinder vor den Augen der Eltern mordete. Vor ihrer Front trieben die Russell ganze Armeen von Juden, Männer, Weiber und Kinder, her, um ihren Ansturm gegen uns durch diesen lebenden Damm zu decken. Und in diese Massen der von ihren Verfolgern noch vorwärts gepeitschten, jvion Todesangst erfüllten Menschen sielen die Geschosse ein — zu Tausenden wurden sie da niederkartätscht, von' den Nachstürgenden zertreten—, eskwar ein Morden, wie noch nie eines zum _ Himmel geschrien hat. Und ich! mußte es nrit ansehen, wie die Brüder und Schwestern meines Volkes, dem ich die ganze hingebungsvolle Liebe weihe, die Du, geliebter Vater, in unsere Herzen gepflanzt .hast, den grauenvollsten Tod sterben. t. Ich habe mich von der Erinnerung an all das Furchtbare hinreißen ' lassell,'' Dirschildert! '.M - ' wollen,' was sich nicht schildern läßt. Hätte ich es unterlassen sollen, um äDir nicht ans Herz zu greifen? Vielleicht toeim Dich adiev neben diesem vieltausendfachen Schrecken und Grauen Dein- Ungemach winzig und leicht zu er- ' tragen dünken wird, dann will ich es. nicht bedauern, eine Beschreibung versucht zu haben. Dann-wirst Du, lieber Vater, mit noch größerer Ergebenheit jenen Anteil an den Opfern tragen, die der Krieg von der ganp Zen Menschheit und besonders vom Judentum fordert. Und wenn der Friede wiedergekehrt - sein . wird, wie wollen wir Dich für alle Kümmernisentschädigen! Denn wir, Deine Kinder, sind, eines!. Sinnes: wir. wollen, geliebter Vater, Dein Alter — möge es ein hohes werden — vergolden. Und wenn Du einen Wunsch in der Seele trägst — wonach er auch stehe —, wir wollen und werden ihn mit der Hilfe Gottes erfüllen. Das Herz voll, umarmt Dich Dein Dich treu liebender Sohn Theodor." Gawriel faltete langsam den Brief zusammen. Er hatte ja seinen Inhalt schon gekannt, aber er war eben so tief erschüttert, wie damals, als er ihn empfangen und Zum erstenmal gelesen hattet Mit dem Ordnen war es für heute vorbei. Er schloß den Schrank, nahm Hut und Stock und ging ins Freie, um seinen stürmenden Gedanken nachzuhangen. Die Vorstellung der Greuel, die sein L>ohn geschildert hatte, quälte ihll unb erfüllte ihn mit tiefer Traurigkeit. Seit Zweitausend Jahren wanderte sein Volk ruhelos über die Erde, überall gehaßt und verachtet, an Leben und Eigentum bedroht. Es tvar ihm immer natürlich gewesen. Zu denken, daß die Juden, unschuldig verfolgt würden, daß das Böse, das man ihnen nachfsagte, von ihren Gegnern erfunden sei, weil diese für die Anfeindungen, die den schmählichsten Beweggründen

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