Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 13 (29.3.1918)
- Date
- 1918-03-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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SMt 203 Nr. 13 ' Dr. BloH'S Wochenschrift Wenn diese Männer auch bald nach dem Speisen, zum Leidwesen der Danken, ins Kaffeehaus eilen, so machen sie an den herrlichen Sederabenden - eine wohltuende Ausnahme; denn an diesen Wenden, werden sie wieder zu Kindern. Sie erinnern sich der trauten, erhebenden Stunden, da sie im Elternhause das' Pessachfest feiern durften und mit Inbrunst in besonders feierlicher Weise das Tischgebet jubelten, welches Water — Gott habe ihn selig — mit seiner weichen, gerührten und rührenden StimMe anhub. An solchen Wenden gab es auch immer Gäste, die Vater sich aus dem Gotteshause mitgebracht Hatte, weil es „Zedäka" bedeutete, armen, fremden Leuten einen Platz am Pessachtische %n bereiten. Motto außen tragenden Kuvert ist Name und Adresse des. Verfassers lmitzuteilen. Die Preise werden für die beiden besten Arbeiten längstens bis 16. Oktober 1918 zuerkannt und an diesem Tage aüsgezahlt. Der Wettbewerb stcht Angehörigen aller Konfessionen-und Nationen frei, doch müssen die Arbeiten in deutscher Sprache verfaßt sein. Die Jury besteht aus den Herren: Universitätsprofessor Dr. S. Ehemann. Regierungsrat Professor Dr. W. Jerusalem kaiserl. Rat Professor E. Feuerstein. •. Das Urheberrecht an den preisgekrönten Schriften fällt dem gefertigten Verbände zu. Verband der israelitischen Humanivätsverein« V^nai B'rith.für Oesterreich. ' Vieles ist anders geworden. Die traurigen Verhältnisse beeinflussen auch den Tisch, den die Mütter für ihr eigen Blut bereiten Rinnen. Aber die Kinder besitzen an'diesen Abenden ihren Vater, die Frauen ihre Männer, und da jubeln die Herzen über den seltenen Besitz und genießen die reduzierte Mahlzeit mit einem Behagen wie niemals an Werktagen vor dem Kriege, da man den Tisch reicher ausstatten konnte. Und nach dem Tischgebete wird noch weiter gejubelt bis tzu jenem' Liede, welches auch in dieser fleischlosen Zeit vom Zicklein sagt und singt. iJn der Eßlinggässe Nr. 18 aber, da müht sich eine wackere Frau, wie sie den Tisch für 900 Personen während der ganzen acht Tage bestellen soll, und Sie, verehrte Damen, verstehen es, was das unter den heutigen Verhältnissen bedeutet! Dieser wahrhaft edlen Frau ist keine Mühe zu groß. Sie wird an gar Manchem! der acht.Tage 900 Eier, also für jeden Gast ein Stück, aufbringen.. und ob sie und die anderen wackeren Damen, .die im Dienste der Humanität stehen, sich persönlich, anstellen, uM das Fleisch für so viele Bedürftige zu bekommen, kann ich nicht mit- Bestimmtheit sagen; aber sicher und bestimmt weiß ich, daß die ungeheuren Kosten, welche die Anschaffung von Lebensmitteln erfordern, nicht vorhanden sind, und deshalb geht an Sie, verehrte Damen/ die Bitte, Ihre guten Männer, die zwar nicht genügend beten, aber reichlich spenden, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, zu erinnern, der „Speisestelle für Handels an gehörige und den Mittelstand" als Mitglieder mit größeren oder kleineren Spenden, wie die Verhältnisse es eben gestatten, beizutreten oder an die Redaktion dieses Blattes oder an Schreiber dieses Spenden zu schicken. Sie sorgen damit.auch für.die Zukunft Ihrer eigenen Kinder, denn es steht geschrieben: „Ich war ein Knabe und binauch alt geworden und habe nicht ge* sehen einen Gerechten verlassen und seine Nachkommen vergebens nach Brot suchen." B. Reich. Preisausschreibung. Der gefertigte Verband setzt über Wunsch seiner Zwejigvereinigung Austria-Pielitz, für die beste und populärste Bearbeitung des Themas: „Metchp Mittel und Wege sind geeignet, die Menschen einander näher zu bringen?" zwei Preise aus, und zwar den 1. Preis von 1000 Kronen und den 2. Preis von 500 Kronen. Die Arbeiten sollen einen Umfang von . drei Druckbogen tunlichst nicht überschreiten und sind spätestens bis 1. September 1918 im geschlossenen, mit einem Kennworte versehenen .Kuvert bei dem gefertigten Verbände, Wien, 9. Bezirk, Universitätsstratze 4, einzureichen. 'In dem beiliegenden, ebenfalls geschlossenen, das gleiche Probleme des! Ostens. Der Abgeordnete Georg Gothein schreibt in der „Neuen Badischen Landes^Zeitung": „Die Bestimmungen des Friedensvertrages mit der Ukraina über die Zuteilung des Eholmer Kreises an hie llkraina haben bei den Polen einen Sturm des Unwillens erregt, der die Freude am Vertragswerk wesentlich getrübt hat. Die Wissenschaft — und zwar nicht nur die deutsche und die russische, sondern ebenso in den Ententestaaten — hat auf Grund der Rittigschen Statistik wie aus Grund der russischen Bevölkerungsstatistik angenommen, der Bezirk Cholm sei überwiegend ukrainisch. Und wenn man ein Staatswesen auf nationaler Grundlage schaffen will, so muß Man die ethnographischen Verhältnisse berücksichtigen. Andererseits erklären die Polen, die Mehrzahl auch der ukrainischen Bevölkerung des Eholmer Bezirks^sei römisch-katholisch!, gehöre daher kulturell zu Polen, da die sonstigen Ukrainer sich zur orthodoxen Kirche bekennen. Die Polen gerade aber haben es bis jetzt aus das schroffste abgelebt, die polnischen Juden, die sich zudem nicht nur der Religion, sondern auch der Muttersprache nach — sie sprechen Jiddisch, einen alten oberdeutschen Dialekt und.nicht polnisch — als besondere Nationalität fühlen, als solche anzuerkennen. Sie seien lediglich Polen mosaischer Religion. Die Polen haben daher auch kein Recht, die Religion als Kriterium der Nationszugehörigkeit in Anspruch >zn nehmen. Reklamieren sie doch auch die protestantischen Polen in Deutschland als polnische Staatsangehörige." Gothein fährt dann fort: „Die vor zwei Jahren von mir vorgeschlagene Lösung, aus Polen, Litauen, 'Kurland unter weiter Steckung der Grenzen einen Nationalitäten-Bundesstaat mit einheitlichem Zollgebiet zu schlaffen, hat wenig Gegenliebe gefunden: hauptsächlich deshalb, weil die Polen einen Nationalstaat verlangten, zu dem auch Litauen gehören sollte, die Litauer aber darüber für ihre nationale Selbständigkeit fürchteten. Letztere erkennen die Juden als besondere Nationalität an, die Polen , nicht: erstere erkennen auch die Weißrussen als solche an, die Polen aber bezeichnen diese als national so indifferent, daß sie nur dankbar sein könnten, wenn ihnen die höhere polnische Kultur beigebraicht würde. UndvordieserPolnisierungsgefahr schrecken Litauer, Juden. Weißrussen und Letten zurück." Ein jüdischer NqtionMrat in RuMmÄ. / Dem Indischen Preßbnreau in Stockholm wird' aus Petrograd telegraphiert: Der allrussisch-jüdische Kongreß mußte infolge'der gegenwärtigen Ereignisse in Rußland vorläufig auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Alle Parteien sind übereingekommen, einen provisorischen, jüdischen Ratio-