Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 12 (22.3.1918)
- Date
- 1918-03-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kr. 12 Or. Bloch’s Aahr,-»s XXXY Zentralorgan für bfe gesamten Interessen des Judentums . Ä. L' QalUpasfafTenamt Ctcaring.Vcrketzr: 810.976 RrdaMon und Administration Uh, Praterstraße 9 Wien, 22. Mkrz^1918 <* Erscheint jeden Freitag Brief-Adrefle: Wie». II/i, Pratrrstrafte 9 Telegramm-Adreffe: Bloch - Wocheuschrift, Wir» OCr Bezugspreis: Halbjährig 10 Kroneu Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare 50 Heller K«ieigtit: Die % »ul »espnllenr Petitreir« <0 Heller Dv Q oQ= * o z£}0 Inhalt: Leitartikel: Die Zentralmüchte und die rumänische Judensrage. — Wilhelm Anninger gestorben. — Aus der Woche: Jüdisch ttationale Forderungen. —Radoslawow für die Gleichberechtigung der Juden iit Rumänien. — Die Türkei für die Juden. — Joffe — russischer Botschafter in Berlin. — Tirpitz gegen die nntisemit.sche Strömung in der Baterlandspartei. — Auf Befehl des Herrn Bezirksvorstehers. — Schma Israel. — Die Drusen und die Juden. — Hervorragende Leistungen deutscher Juden im Kriege. Auf verschiedenen Gebieten. —Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Hohe Auszeichnungen zweier/Reserveofftziere. — Reichsdeutsche Auszeichnungen-. — Für Verdienste vor dem Feinde befördert. — , Ausgezeichnete jüdische Helden des.Regiments. — Fünffach ausgezeichnet in beu Heldentod. — In den Tod gehetzt. — Jüdische Helden auf dem Budapester^Friedhöf. — Auszeichnung für Mitarbeit an der ungarischen Wahlrefornworlage, —Ehrung eines jungen Gelehrten.— Korrespondenzen: Aufruf.— „Jeschuw Crez Jißroel." — Abgabe von Mazzoth. — Komitee zum Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Hosrat Ignaz Konta. — Budapest. — Sabbatruhe im Hmterland. — Vermischtes. — FeuiII c t on: Wie.aus einem Juden ein Arier ward. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. --- -- ' ' ... Die Zentralmachte and die rumänische Judensrage. Die sozialdenwkratifchen' Mitglieder der öfter reicht scheu Delegation, Dr. Ellenbogen, Glockel, Pitr o n i und G r i g o r o v i c i,. haben beim. österreichischen Ministerpräsiderrten vorgesprochen, um ihm die Wünsche ihrer Partei hinsichtlich des Frievensvertrages mit Rumänien vorzutragen. Bei dieser Gelegenheit verwiesen die Delegierten darauf, daß die bisherige Handhabung der sogenannten F r e m d e n gese tz e durch Rumänien mehrfach en Artlaß Alt Zrvistigkeiien bot. Eine Reihe von hervorragenden rumänischen Sozialdemokraten seien unter die- ■. sem Titel nach Oesterreich ausgewiesen worden und mußten auf sozialdemokratische Interventionen wieder repatriiert werden. Es ist nicht ansgeschlossen, daß voll den 2 50.000 Inden, die sich gegenwärtig dort befinden und nach dem rumänischen Gesetz als „Frernde" gelten, in der Leidenschaft, die ein verlorener Krieg mit sich Zn bringen pflegt, ein großer Teil dem Schicksal . der Ausweisung nach Oesterreich versallen könnte. Da die Regelung dieser Frage bereits auf dem Berliner Kongreß Vereinbart und von der rumänischen Regierung auch; wiederholt zugesagt wurde, da sich ferner nicht nur die Mittelmächte, wie vor allem der Hauptausschuß des deutschen Reichstages, sondern auch Amerika und England entschieden für die Regelung dieser Frage eingesetzt haben, sei es. unäbweislich, daß auch 'Oesterreich bei den Friedensverhartdlnngen im Sinne einer Lösung der rumänischen Judensrage interveniert. Die „Reichspost" vorn 17. März nennt das „eine ganz unerhörte Zunrutung" ulld fügt hillzll i „Eine Ungeheuerlichkeit ist es nur, daß sich in Oesterreich selber eine Partei, genauer eine Parteiführung findet,. die das gleiche anstrebt, und. derartige Wünsche,:die ein Verbrechen an unserer Bevölkerung und eine jüdische Herausforderung sondergleichen darstellen, noch dem Chef der österreichifchelt Regierung vorzntragcn wagt. Es lvird nicht gemeldet, was Ministerpräsioent Dr. R. v. Seidler den vier sozialdemokratischen Delegierten der rumänischen Judenheir geannvortet hat. Hosfenttich hat er diesmal die Worte gesunden, die gegenüber einer selbst für österreichische Verhältnisse unerhörten Zumutung am Platze waren." „Daß darnit auch Amerika und England einverftanderl wären, glauben wir schon. Anierita und England sind mit' allem einverstanden, was Oesterreich-Ungarn Schaden bringt." „Daß. also die -westlichen Kriegsgegner der Monarchie es lieber hätten, wenn die Früchte unseres Sieges über Rumänien nicht von uns selber, sondern von der Jndenschast Rumäniens eingeheimst würden, ist durchaus verständlich." „Wenn die Jndenschast Rumäniens Wünsche an chre Regierung har, möge sie ihre eigene Haut zu Markte tragen. Die Krieger Oesterreich-ülngarns haben ihr Leben für andere Dinge in die Schanze geschlagen, ihr Blut floß nicht für die Aspirationen der Juden Rumäniens in/Strömen., Die Herren Ellenbogen und Genossen werden dies schon noch zur Kerrntnis nehmen müssen." Soweit die biedere „Reichsvost". Es will uns aber scheinen, daß weitblickende rumänische Poliriker ein erhebliches Interesse daran haben sollten, möglichst .schnell die Zustände zu beseitigen, die Rumäniens unwürdig und die ganz und gar nicht aufrechtzuerhalten sind, nachdem' auch die Judenfrage in Rußland seit dem Zusammenbruch des Zarentums eine radikale Lösung im modernen Sinne gesunden har. Nur im Schatten und unter dem Schutze des Zarentums als Hort aller Reaktionäre konnte die rumänische Schande weiter sortbestehen. Daß, Oesteereich dieses zaristische Erbe als seine Mission übernehmen soll, ist allerdings ein frommer Wunsch der „Reichspost".