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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-15 · 11 (15.3.1918) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
11 (15.3.1918)
Date
1918-03-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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- tu, ti M) Bloch's Wochenschrift 167 Hochlöblicher Borstand der isr. KuLmsgemeinde in Wien! . Als ich am 3: März- Ihrer öffentlichen; Plenarsitzung beiwohnte, beschloß ich unter dem Eindrücke des hohen sittlichen Ernstes dieser Versammlung, Ihnen folgende Anregungen Zu unterbreiten: - ... - Wahlordnung: Der Borstand soll Abbild und Vertretung all e r Schichten ber Wiener Judenschaft fein. Auf Grund der bestehenden. Wahlordnung aber sind im Vorstände, dessen Beschlüsse, doch die Interessen aller Wiener Juden berühren, nur die — natürlich in der Minorität befindlichen —- ■ rei ch e r e n I u d e u vertreten. Darin liegt ein Vorrecht, das nach jüdischer Auffassung ein Unrecht bedeutet. Die 'bestehende Wahlordnung wird -sich - ebenso wie die Wählordnungerl anderer Vertretungstörper in Oesterreich — den durch den Krieg gesteigerten demokratischen Anforderungen anpassen müssen, nur so mehr, da Ihr. Statut beinahe 25 Jahre alt ist und Ihre Agenden sich infolge der 'seit damals erfolgten ungefähren Verdopplung der jüdischen Bevokkerungszahl sehr vermehr haben. Eine mäßige Erhöhung der Mitgliederzahl, des Vorstandes luäre zu empfehleu. Die Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes schlage ich nicht vor, weil ja hier andere Gesichtspunkte maßgebend sind, als bei den Parlamentswählen. Ein großer Teil der Wiener Juden ist arm und aus die öffentliche Mildtätigkeit angewiesen. Die Permögenden Juden sind aber keineswegs die einzige Stütze des Judentums. Darum sollte der Kreis der Wahlberechtigten durch Herabsetzung des Minimums der Kultussteuer auf 10 K. erweitert werden- Für diese. Gruppe von Wählern könnte das Wahlrecht an eine -drei- >oder - vierjährige kontinuierliche Steuerleistung, gebunden werden. Wäre der finanzielle Effekt auch nicht bedeutend,. so würden durch diese Reform doch weite Schichten des Judentums zu lebhafterer Teilnahme an jüdischen Angelegenheiten herangezogen werden. Auch könnte im Statut bestimmt werden, daß vier oder fünf vom. Rabbinatskollegium delegierte G eMein der abbiner, deren 5konservatismus ein gesundes Gegengewicht gegen allzu radikale Strömungen wäre, dem. Vorstande als Mitglieder angehören. Die Würde und das Ansehen des Rabbinats -würden durch eine solche Bestimmung gewiß gefördert werden. Dor Borwurf der Antisemiten, daß die Juden für Demokratie agitieren, und selbst ein kapitalistisches Klasse nsvahlrecht haben, wäre durch eine Demo-- kratis ierung der Wahlordnung entkräftet. Nebenbei bemerkt, find nach § 51 der evangelischen Kirchenverfassuug die Geistlichen, die eine ähnliche Stellung haben wie unsere Rabbiner, Mitglieder der evangelischen Gemeindevertretung und des Presbyteriats. Das Steuerminimum für die Wahlberechtigung beträgt dort 2 K. . Reichsorganisation. . Bei der in Oesterreich bevorstehenden Verfassungsänderung sollte die Wiener Kultusgemeinde die Initiative zu einer Organisation aller österreichischen Juden ergreifen. Da auch das Herrenhaus wahrscheinlich anders zusammengesetzt sein wird, könnte die angeregte Reichsorganisation anstreben, daß der jeweilige Wiener Ober - r ab b i iter -ähnlich wie die Bischöfe .anderer Konfessionen schon kraft seines Amtes Mitglied des Herrenhauses werde. Allerdings iitzäßte sich der Vorstand-'statutarisch ans die Ernennung eines Oberrabbiners, der bamt nicht nirv den,Titel, sondern auch ivolitische Vorrechte hätte, beschränken. Die Reichsorganisation müßte auch das Prä-. . senkationsrecht für z w e t b i s d r e i H e r r e nhau s - m i t g l i e d e r anftreben, die im Herrenhaus neben dem Oberrabbiner die österreichische Judenschast zu vertraten hätten. Die Regierung würde dieses billige Verlangen um so eher unterstützen, als ja im geänderten Herren/^-. hause wahrscheinlich alle Schichten der Bevölkerung auch die Arbeiter — vertreten sein werden. - Bei dieser Gelegenheit gestatte ich mir noch die Uu terbreittmg folgender Anregungen: Wanderpredigten. Das Interesse am Gottesdienst und der Besuch dem ritz Gorteshäuser würde gewiß erhöht werden, wenn die Radbiner nach einem gewissen Turnus in verschiede n eu.. - Synagogen Predigten hielten. Auch die Verei-nsrabbinör- :tz könnten für den Vorschlag gewonnen werden. Gewisse!:.:' Funktionen, z. B. Trauungen, blieben dem Rabbiner:::-:, in seinem Amtsbezirke Vorbehalten, auch die Predigten---.-?!, an den Feiertagen. So gehaltvoll die Predigten auch n: jetzt schon sind, so würde doch durch einen derartigen Duruns das Interesse an Form und Inhalt sehr, gefördert--- iverden. ' , - Beerdigungen. Zunr Schlüsse gestatte ich mir noch einen leicht durchführbaren Vorschlag. In der Zerenionienhatte an, .dem Zentralfriedhofe ist es üblich, daß sich bei Beerdr- ' gungen die nächsten Leidtragenden während per gottes-".' dienstlichen Handlung aus die Estrade stellen.und da- ' durch in peinlichster Weise ihr Leid zur Schjau ' ' stellen müssen. Mir geringen Kosten ließe sich eine 'tz Reihe von Bänken im Zuschauerraum anbringen, von denen die Kulrusaemeilrde vielleicht ohnedies einen ent- ' sprechenden Vorrat besitzt. Die erste Bank wäre den; nächsten Leidtragenden Vorbehalten. Irr der Zeremonien- '1; halle aus dem neuen Friedhof könnte für den Redner eine kleine Kanzel allgebracht werden. Auch würde durchs' die Ausstellung der Estrade parallel zu den Bänken viel Platz gewonnen werden, La dann nicht immer die ' eine Hälfte des Saales leer und die andere überfüllt wäre. Da meine Vorschläge nicht den Ritus betreffen, können dadurch auch die Konservätiosten in ihren Gefühlen liicht verletzt werden. ' -? Ich bitte ergebenst, meine Vorschläge geschästsörd-' nungslnäßiger Behandlung zuzusühren und, wenn mögtz ' lich, in der Plenarsitzung zu erörtern. Da ich zu den Hochbesteuerten gehöre und auchuichttz. für den Vorftarrd kandidiere, erwachsen mir durch die 7 Durchführung der angeregten Reformen keine persönlichen ' Borteile, so daß 'meine Vorschläge nicht als eigennützig.7 oder parteiisch mißdeutet werden.können. -7 . Ich bitte, den Ausdruck meiner Hochachtung und , Verehrung zu genehmigen. 1 ‘ . ' < Wien, 4. März 1918. . . K . Michael Sonn enseld, i ..f k. k.. Kommerzialrat, ■ 7 Wien, 7. Bezirk, Mariahilferstraße 126.. Aus dem Militärkommandobefehl Nr. 59 des f. u. f. Militärkommandos in Wien vom 11. März WIK tz Betrisst: Osterseiertage für isr. Soldaten u. Kriegsgefangene : . 7 - . Gottesdienste: Urlaube. Das Osterfest (Pessach) für die isr. Glaubensangehörigen beginnt Mittwoch den -.27. März um 1 ilhr uachmittags und endet Donnerstag den -1. April 191.K : um 7 Uhr nachmittags. Die ersten zwei Tage, d. i.:. : vom Mittwoch den 27. März, 4 Uhr nachmittags, bis Freitag den 29. März, 7 Uhr nachmittags, und letzten zwei Tage, d. i. vom Dienstag den 2. Itprrtz-7

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