Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 10 (8.3.1918)
- Date
- 1918-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IaSk««»s XXXV Zentraloroan kür die gesamten Interessen des Audentums —-OQO- Wien, 8. März 1918 : Erscheint jeden Freitag Bxief-Adresie: Wir». Il/i, Praterstraße 8 Telegramm-Adresse: Bloch - Wochenschrift, Wie» ■ : OF1 ■ ■ ■ v ==OP o q K. L poNsparkaflrnamt Liearing-Lertehr: 810.878 00 VtefrcttloK unfc Kbmtnlftratton: Wir r II/i, Praterstraße 9 . 1.T«Icph6Bi 45*359 L- Ä OP- -• ■ ■ -- -..-0 0 O (r BezngspreiS: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare bv Heller Sie 2 »ul Kesvell»»« PrtlkjeUe 60 HrNrr oG= =£>o Inhalt: Leitartikel: Das Ende des russischen Weltreiches. — Aus der Woche: Wie gegen uns niederträchtig gelogen und schamlos. gehetzt wird. — Wien. — Die Lage der rumänischen Juden. — Die Lage der Inden in Bessarabien. — Justizminister Jzchok Steinberg. — Erhebung von Grundsteuern und Besitzwechselabgaben durch die israelitischen Religionsgemeinden. — Jiddisch als Handelssprache. — Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Neue Ernennungen. — Drei Brüder ausgezeichnet. — Ein Äriegsheld im Talar. — Der Sohn des Pakser Dajans..— Abdul Hamid und seine Jpden. — Der Tod für das Vaterland. — Korrespondenzen: Aus der öfsentl. Plenarsitzung des isr. Kultüsvorstandes vom Sonntag den 3. März 1918, unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern. - Judenhetze in Stryzow. — Flugschriften gegen Juden in Lemberg. — Bad Königswart. — Bern. — Newyork. — Vermischtes. — Feuill eton: Jsak Ungec. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Ende des »«flischen/ Weltreiche». „Denn ich der Ewige bin ein rächender Gott, der alle Mrssetat der Väter ahndet an Kindern, am dritten und vierten Geschlecht und Gnade bewahrt den tausendsten Geschlechter» derer, die mich lieben und meine Gebote bewharen." Der Friede vom 3. März 1918 hat dem russischen Weltreiche'ein Ende bereitet. Die größte Weltmacht, die die Geschichte gesehen, vor der Völker und Fürsten Europas, Asiens und Afrikas erzitterten, der Oesterreich und Preußen. einst nahezu Vasallen waren, der Hort der europäischen Reaktion, — der russische Koloß liegt zertrümmert, wird nie, wieder erstehen. Seit den Lagen des Mongmenkhans, de,sen Erbe der Großfürst von Moskau geworden.war, hatte die Welt keinen ähnlichen Raubstaat gekannt, wie das Rußland öer Romanows. Beispiellos wären die Eroberungen, die im Verlaufe von zwei Jahrhunderten die Zaren machten. Wahllos unterjochte Rußland - fremde Nationen, entriß es jedem Staat, der -das Unglück hatte, sein Nachbar zu sein, weite Länderstrecken, vernichtete Po^en, raubte der Türkei, China und Persien ungeheure Gebiete, unterjochte die kaukasischen Völkerstämme und brachte die mittelasiatischen Khanate zur Unterwerfung. Und nun sollte die Reihe an Zentraleuropa kommen. Nikolaus!II. sollte der Herr unseres Weltteiles werden, sein Reich sich dehnen von Lemberg bis Konstantinopel. /Allein die Vorsehung hatte es anders bestimmt und die Blutherrschaft der Romanows hat ein blutiges Ende gefunden und in den Sturz auch den Staatsbau in Stücke zerschlagen. Welche Ereignisse auch immer der weitere Verlauf des' Rilligen Kampfes bringen mag, das Ergebnis ist nicht mehr zunichte zu machen, das sündenbeladene Rußland. Hat äufgeWrt, zu bestehen. Die Welt wird nicht mehr: ängstlich darauf horchen, was der Zar spricht, sie wird nicht mehr zittern* vor den maßlosen Machtgelüsten W östlichen Selbstherrschers ' Ein göttliches Strafgericht für einen Staat, der sein Daseinsrecht längst verwirkt hat. Es mußte kommen, wie es kam, kraft eherner Notwendigkeit der Tatsachen, kraft einer verborgenen Gesetzlichkeit des Geschehens, das an menschliche Impulse nicht geknüpft ist. Die, er Staat war eine Schande der Menschheit, sein Anblick ein Aergernis. Die Juden sind keine Eindringlinge in den großen slawischen Gebieten, sie zählen zu den ältesten Bewohnern. Zur Zeit der ökonomischen und. kommerziellen Entwicklung, welche der Eroberung Asiens durch, Alexander dem Großen folgte, siedelten sich Israeliten in allen nennenswerten griechischen Gemeinden, speziell in allen Seestädten, an. Dieser ersten im dritten Jahrhundert vor Christi stä^gefundenen Einwanderung gehörte zweifellos auch das äJLefte Auftreten des Judentums im südlichen Rußland und in der Krim an. Im siebenten Jahrhundert ungefähr trat ein sinnischer Volksstamm, der an den Ufern der Wolga ansässig war, die Chasären, teilweise zum jüdischen Glauben über, an dessen Spitze der König und der Adel, die durch jüdische, vor den Verfolgungen der byzantinischen Kaiser geflohenen Schriftgelehrten zum alten mosaischen Glauben begehrt worden waren. Swjatoslaw, Großfürst von Kiew, zerstörte Ende des zehnten Jahrhunderts das jüdische Königreich der Ehasaren; die Ueberreste der besiegten Bevölkerung flohen nach der Krim und gingen in der daselbst seit Jahrhunderten ansässigen jüdischen Gemeinde auf. Gegen diese uralten Einwohner wurde ein nie rastender VertilgungDrieg geführt, her den Abscheu und das Entsetzen Europas bildete. Hat ein gesitteter Mensch jefruhig mit ansehen können, wenn ein Starker einen Schwachen zu. Boden schlug? Hat es ihn nicht entsetzt, mit anzufehen, wie ein hilfloses Weib unter den Fäusten eines ihr überlegenen Wüterichs niedersank? Nun, dieses Schauspiel wickelte sich täglich im Helligen russischen Reiche ab. Ein großes Voll von vielen, ungezählten Millionen wirft