Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 110 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 7 ZnMzierende und ‘citcnte. Zsr. 8JIllitärstelsorge icx tu. k. 7. Armee, Feldpost 334. M) meiner Inspizierung! der Tätigkeit der einzelnen Seelsorger in nreinent Arineebereiche konnte ich von der jüdischen Mannschaft erfahren,, daß Feld.- rabbiner Dir. Sonnen sche i n regelmäßig Gottesdienste aöhält, die Mannschaft durch seine patriotischen Reden begeistert, die Kranken mit Liebesgaben versieht. Ich spreche hiemit diesenk. wackeren Seelsorger Meine vollste Anerkennung und Zufriedenheit ans. Feldrabbiner 'Dir. Srul. A. K o h n. Inspizierender nnd Leiter der Jsx. Militärseelsorge der t u. k. 7. Armee. SatzbuiU. Am 17. FÄnuar d. I. spricht Herr Dr. Elias Tisch aus Wien über das Thema „Der Weltkrieg und das jüdische Volk". Damit beginnt die planmäßige zionistische ■ Aufkliärungsarbeit in Salzburg. JnnOimÄ. Herr Paul S t ein aus Linz wird am 17. Februar fr: I. das Thema „Die jüdische Frage — ein Weltproblem" behmrdeln. Der Innsbrucker Juden- - schüft soll nunmehr G elegenheit gegeben werden, sich mit den Fragen LesJnLentmns, welche seine Gegenwart beherrschen, zu beschäftigen. Krakau. > Der Militärlgmmandobefehl Krakau vom 26. Ja-' nuar 1918 enthält folgenden Passus- „Anläßlich des Abgehens an die Front spreche ich dech Feldrabbiner Dr. phik. Gustav' Sicher für seine eineinhalbjährige vorzügliche'Militärseelsorgedienstleistung in Krakau die belobende Anerkennung des Militärkommandos aus. Feldmarschalleutnant o. Drandner, Militärkommandant." _____ 7 Tste WMen m die Kiewer WiM GMeincr. Bei den Wahlen in die jüdische Gemeinde in, Kieiv wurden 35 Zionisten, 7 Bundisten, 7 Vertreter der vereinigten jüdischen sozialistischen Partei, 4 Poale-Zionisten, 4 Orthodoxe und 2 Mitglieder der Volkspartei gewählt. Die Zionisten verfügen also über die absolute Majorität in der Gemeindevertretung. Wer weiß? Melech Kellerriränn, Schneider aus Okno, Bezirk Zastawne in der Bukowina, sucht seine im Jahre 1914 geflüchtete Gattin Riss! Kellepmano, verwitwete Geller, und seine Töchter Czarna und BWue Kellermann. Die Gesuchten sollen sich in Böhmen auHalten. Um Nachricht eines Anhaltspunktes zur Eruierung der Wohnsitze Obgenannter bittet mit Dank imj vorhinein für Melech Kellernrann Zugsführer Edgar Dur, Schrift-, führer bei Gericht, k. l. Sch.-Div.-Kmdo., Feldpost 423, Aus dem Krderr des hohen Rabbi Köm Neue Golem-Sagen, gesammelt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. - ' ■ (Schluß.) Ter mystische Zug, der Hang zum Außerordentlich err und der Glaube an Wundertätigkeit, der manchem gefährlich wurde, well er die dünnen und zarten anknüpferrden Wden der Kabbala, zur Religion auszufangen nicht verstanden hätte, war ein Stück Lebensinhalt nicht nur hohen Rabbi Löw, sondern vererbte sich auch auf seine Nachkommen. Sein Enkel, der berühmte Gaon Rabbi Nastali Kohn- Zedek, Verfasser des Smichos Chachnmim (geboren 1649, .gestorben 1718), äußert sich! in einer Entscheidung über ein rituelles Problem — es hairdelte sich um die Wjnormität, daß einem geschlachteten Huhn das' Herz fehlle —, gerichtet an Rabbi Zewi-Hirsch Aschkenasi .(den obenerwähnten >,,Chachanr-Zewi"): „Mein Großvater, Rabbi Löw, welcher sich! bekanntlich des heiligen Geistes bediente." Auch die Lebensweise dieses Mannes — den man gewöhnlich den großen Rabbi Reb Nastali uenstt — war eine geheimnisvolle. Ln seiner Jugend geriet er in die Gesangenschaft der Tataren, wurde nach der Krim verschleppt, wo er nur von Brot unfr Käse Mlebt hat. Später losgekanft, kehrte er in seine Heimat zWck, zeigte große Fähigkeiten im Studium und wurde bald nach seiner Verehelichung als Rabbiner nach Ostrog berufen. Im Gegensätze zu allen anderen Räbbinergrößen seiner - Zeit war seine Lebensführung eine fürstliche, pompöse, und es wurde ihm daher der Posten gekündigt. Er kam nach Posen (1690), wo er sein, großes Werk ,,Smichas Chachamim". verfaßte und! den Ruf' einer Gjröße seines Zeitalters erwarb. Er beschäftigte sich eingehend auch mit der Kabbala und alchimistischen Tangen.- Oesters pflegte er sein'Haus zu verlassen und! stundenlang im Felde umherzuwandern. Durch seine froMme Lebensweise gewann er den Ruf eines Heiligen. Nach einer.Sage pflegte er mit einem achtspämrigen, silberbeschlagenen Prachtwagen aufs Land Spaziersährten zu unternehmen/ Ein polnischer Edelmann war über diese Anmaßung eines Inden derart ungehalten, daß er seine „Eigenen", die Dorsbanern, aus die Landstraße postierte. Um den" dreisten Lustfahrer zu töten. AW der Rabbi' durch seinen Kutscher auf die ^angesamtNelte -Menge aufmerksam gemacht wurdebefahl-er, weiter zu fahren. Sein Anblick imponierte den Bauern derart, daß sie nicht wagten, die Hand gegen ihn zn erheben. Nach dem schwedischen Krieg wurde er ÄG Rabbiner nach Frankfurt a, M. berufen. Dort veröffentlichte er sein - genanntes Werk, .fräs durch die. Art der Einleitung, die eigentümlichen Perse und ihre noch eigentümlicheren Anordnungen Erstaunen erregte. Irr Frankfurt 'setzte er seine kabbalistischen/Studien fort. Ws er an einem Jannartag 1711 Mer ein Mittel zur Bändigung des Feuerengels nachgegrübelt . hatte, brach ein Feuer in seinem Hause aus! und äscherte die Judenstadt Franksurtsjglnd einen angrenzenden Stadtteil ein. Er wurde wegen Brandstiftung verhaftet, bald aber auf Betreiben der Juden freigelassen. Seitdem war er ein Wanderer, wohinte abwechselnd in verschiedenen Orten, bis er schließlich 1718 die Reise nach den: Heiligen Lande antrat. Er kam bis Konstantinopel, wo er von der dortigen Judenschaft sehr-gefeiert wurde. Er starb aper, ohne seine Schnsnchjt, Palästina und die heiligen Stätten zu schauen, befriedigt zu haben, -1718 in Ortaköj bei Konstantinopel. 6) / Auch die abenteuerlichen Geschichten Jsak Schulhofs — Zeuge und Geschichtschreiber, der Erstürmung Ofens?) — sind, ohne direkte Beziehung oder Berührung mit der /Kabbala, durchleuchtet und durchglüht von unzähligen mystischen Strahlen. Jsak Schulhof war ein Enkellinfr des hohen- Rabbi Löw. Der hohe Rabbi Löw?) verschied, von allen Juden b) Ausführliches /über diesen geheimnisvollen Mann findet dräu in „Galerie berühmter Männer in Israel" (M. PopelanerS Verlagsbuchhandlung. Berlin). Vgl.-auch „Prager Familien" im Ergänzungsheft zu „Das jüdische Prag' (Verlag „Selbstwehr", Präg). v\ - . '/; ■ " /- . , 7) Vgl. „Megilas Ofen", die - Erstürmung Ofens und ihre Vorgeschichte. Nach dem Berichte Jsak , Schulhofs (1650—1732), herausgegeben und biographisch eingeleitet von Dawid Kaufmann (Trier, 1895). . ■ 8) Zur ' Biographie' des hohen Rabbi Löw teilt mir Herr Rabbiner Dr. Lewin <in Nikolsburg mit, daß Rabbi Löw frühzeitig nach Prag kam. 1553—1573 wirkte er als mährischer Landesrabbiner mit dem Sitze in Nikolsburg. 1573—1584 war er Rektor an der von ihm gegründeten Talmudschule in Prag. 1584—1588 „wahrscheinlich" in Posen. 1588—1592 wieder Rektor an der Talmüdschule Prag./ Erst 1597 wurde er zum Oberrabbiner von Prag ernannt. Sein Todestag fällt auf den 22. August 1609.