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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-02-15 · 7 (15.2.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
7 (15.2.1918)
Date
1918-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Wochenschrist Sette 105' Tiie Jüden-politik der poLnLMn Regierung. Das Polnische Pre^sebnreau in Berlin meldet: In letzter Zeit mehren sich in der ausländischen Presse und den politischen Versammlungen verschiedener Länder unwahre ^erüch.e über das V e r h ä l t n i s d e r polnischen Regierungzur jüdischen Bev ölte rung. Nach diesen 'Gerüchten sollen die polnischen Juden vielfältigen Beschränkungen unterworfen und Von polnischen Behörden drangsaliert werden. Die polnische Regierung soll die Lösung der Judenfrage in Zwangsauswanderung der jüdischen Bevölkerung suchen. Artgesichts derartiger, aus polenseindlichen Quellen verbreiteter Nachrichten ist an die Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten vom 4. Dezember i*917 zu erinnern, wo das Verhältnis der Poleicregierung zu der Judenbevölkerung folgendermaßen gekennzeichnet wurde: „Ich! bin von der Notwendigkeit. einer Lösung der Ind enfrage durch den Polenstaat nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit /tief überzeugt und durchdrungen. Tiefe ist eine Folge meiner Grund anschauung, daß das Polenvolk nach Wiedererlangung der Staatlichkeit sich vom demokratischen Grundsätze - der Gleichb erechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Abstammung leiten lassen muß. Dies bildet den organischen Bestandteil jeden demokratischen Programms. Es sei dies auch die Folge nationalpolitischer Rücksichten, daß. im neuerstandenen Polenstaate keine inneren Streitigkeiten entstehen. Innerer Friede und Zufriedenheit aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf Nationalität und Bekenntnis bildet die'Grundbedingung der Staatsmacht und die Bürgschaft der Lösung wichtigster Aufgaben, die uns bevorstehen. Anwendung. des Grundsatzes der Gerecht tigkeit verstehe ich als bürgerliche Gleichberechtigung und Achtung kultureller und! konfessioneller Besonderheiten bei. AuftWterhaltung ö'es'''herrschenden Prinzips der Einheit des PolenstaateL und des politischen Charakters in Ausbau und Funktionen dieses Staates." _ Die Regierungserklärung vom 30. Januar 1918 bekräftigt die obige Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten und charakterisiert die Stellungnahme und Ueberzeugung der polnischen Regierung. Alle obigen Erklärungen zuwiderlaufenden Gerüchte entsprechen demnach nicht der Wirklichkeit. Die Judenbevölkerung in Polen hat keinen Grund zu irgendwelchen Befürchtungen, daß die von der polnischen Regie-, rung dargelegten Grundsätze nicht in voller Ausdehnung durch geführt werden könnten. Nach dem ZentruMsantrag die Vertretung der beiden christlichen Kirchen von 46 auf 32 zu erhöhen. Gegen ." eine .Judenvertretung hat das Zentrum nichts ein-s'f zu wenden. Ein Freikonservativer: „Wir sind bereit, dem Judentum zweiVertreter einzuräumen, aber es muß. bei dem königlichen Berufungsrecht bleiben." — . Sämtliche Anträge wurden eurem Unterausschuß über- S wiesen. Josef Popper-Lynkeus. Vertretung des! Judentums im preuMsthien Herrenhanse. In der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses zur Vorberatung der Herrenh a u s r e f o r nt - Vorlage trat ein Fortschrittler dafür ein, daß die j üd i sch e it Religio n sge m ein s cha ft e n eine Vertretung im Herrenhause erhalten. Es würde als Zurück setzüng betrachtet werden, daß man die Juden auf das'. königliche Vertrauen verweisen wolle. Zwar habe sich die Freie Vereinigung des orthodoxen Judentums dafür ausgesprochen,, aber sie vertrete nur einen kleinen Teil der Juden. In Elsaß-Lothringen und einigen süddeutschen Staaten bestehe bereits eine Organisation des Judentums, die auch für. Preußen kommen'werde und der man die Präsentation übertragen könne. M i n i st e r d e § Innern D r. D r e w s erklärte die Bereitwilligkeit der Regierung, Vertreter der Juden zur Berufung durch den König 'vorzuschlagen. So^ gut wie die''450.000 Juden könnten auch die Altluthe vaner und Alkkatholiken ein Präsentationsrecht verlangen. 'Ein Zentrumsredner meinte, es sei notwendig, Am 21. Februar 1918 vollendet Josef Popper- Lynkeüs sein 80. Lebensjahr. Er ist einer von jenemh. deren es in einem Jahrhundert immer nur wenige gibt bl .und die es sich nicht genug sein lassen können, ruhigbs den Zuschauer zu spielen, wenn etwas in unserer „besten - -- alter Welten" schlecht bestellt ist. Aus dem Ko l irrer Stu- "s denten, den es schon in frühen Jahren zur tieferen Er-Sfassung der Geheimnisse der Physik und Technik Hintrieb/ tri der dann nach und nach alle Geistesgebiete für sich und- ': die Welt durchforschte und bereicherte, ist aber, gleich-''-'s sam primär vor allen anderen vielseitigen Fachbetäti-1's gnngen, ein bedeutender Ethiker geworden. Und, wenn -S man tiefer analysiert, Mag Man sogar auch in seinen Abhandlungen über Elektrizität, Aviatik und Maschinen-- oan nicht minder wie in seinen Literarhistorisch-kritischen-'-n Schrifiert, ja auch in dem dichterisch originalen Buche „Phantasien eines Realisten" jede Nrrtzanwendung, diel: er erkenntnis-theoretisch ableitet, in allererster Linie ansdie Ethik bezogen sehen. Aber nicht nur das Fundatnentch-s einer wahrhaft kulturellen Gesittung legt er in seinen.-Ä Büchern — ihm ist die Lösung der sozialen Frage als.-i- Magenfrage das wichtigste alter Probleme, das nnauf-' schiebbarste und unabwendbare.. Seine so ganz und gar rricht utopisch angehauchte Idee einer allgemeinen Nährvarmse ist durch den Krieg der Verwirklichung greiMr '-'s. nahegerückt worden, und wenn heute in Poppers um- - s fangreichem Werke über die „Ältgemeine Nährpfticht" noch Ziffern und Statistiken das Wort führen, so werden sie in einem baldigen Morgen wahrscheinlich ins - Leben praktischer Anwendung gelangen zum Heile einer-; neuen Ge'eUchafrsorditnng. Ueber ihren technischen Ers rungen-chaf'en, ästhetischen Seelenspietereien, Nationati-^ -'s täts- und Ranensovgen hat es die Welt Jahrhunderte^: hindurch vergessen, von diesen Seitenpsaden dorthin zurückznkehben, von wo aus all ihr Sinnen und Trachten - nur auf den einen und gerade den wichtigsten Punkt gen--/ richtet sein sollte: auf die Erhaltung der leiblichen Exi-- S stenz des einzelnen, -auf die Erfüllung der Lebensbedürf-- 1 nille des Individuums, auf, die eigentlich selbstverständ^' -- liche Versorgung -aller Menschen ohne Ausnahme mit :- dem D>a^einsminimNm, mit Nahrung, Kleidung und Wohnung zu behaglichem Auskommen. Den Blick, das Herz: I und die innere Triebkraft zur Türchschung dieser Gedanken macken Poppers Pbi^owvh'e aus. Ein Genie der Humanität bat ihn einer unserer besten Männer genannt - und die Stille, das Zurücktreten vor dem Lärm der Oef'entlichke't hal-en Lynkeus vielleicht die Fanfare des ' s Tagesrubmes erwart, ohne der Leuchtstärke seiner Pev-gS sönlickkeit Abbruch zu tun. Heute hat er das sprichwörtliche Mter. des Weilen erreicht. Tie gese-lschaftkiche erN und bistorichie Entwicklung der Dinge hat allem recht ' gegeben, was er als Dichier-Realist vorheraesagt, nndch:- wenn nun letzt in Wien, wo Vovver seit vielen Jahren-D zurückgezogen und in unermüdlicher Arbeit lebt. Feiern?^ ibm 'zu Ebren veranstaltet werden,' so gelten lie dem aün^en, liebenswürdigen und durchaus a'struiKvch den Menschen ebenso sebr wie den Ansürablungen seines Geizes und der wrmschenswerten Verbreitung seinen ResormprvgramMe. #

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