Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Bloch’s A«?rga*« XSXf Zentraloroan kür die gesamten Ilnteressen des Audentums 1 -OQO ' ■ Wien, 15. Februar 1918 •:» Erscheint jeden Freitag »:« Brief-Adrefle: Wie». II/i, Praterstraße 9 ' Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie» Inhalt: Leirartikel: Der Friede und die rumänische Judenfrage. — Das, Manifest des Kaisers und der neue Staat der Ukraina. — Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Jüdische Familien im Felde. —■ Entrüstungsschrei eines jüdischen Vatcrs. — Aus einem Feldpostbrief. — Korrespondenzen: „Hilfskommission 1915" für Palästina. — Die Judenpolitik der polnischen Regierung. — Vertretung des Judentums im preußischen Herrenhause. —Joses Popper-Lynkeus. — Israelitische Kultusgemeinde Bodenbach a. E.— Einweihung einer k. u. k. Militärsynagoge iu Stanislau. — Authentische Angaben über die'Stolagebühren der Feldrabbiner. — Pichon über die Errichtung des JudenftaareS in Palästina. — Trotzkis jüngster Aufenthalt in Warschau. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. . Bezugspreis: Halbjährig 10 Krone» Ganzjährig 30 Krone» Einzelexemplare 50 Heller »»zeige»: Die 2swl|ef»ftfta» „ Petit,eil« 60 Heller =Do Q #. L Postsparkafsenamt Elearing-Verkehr: 810.976 ’ oo Rrvekttott und Administration: ' Wie« II/i, Praterstraße 9 ^Tclepboni 45*359 q O - - », O Q Der Friede und die rumänische Iudenfrage. Von Dr. Heinrich Schreiber. Dias Eis ist gebrochen. Die dicke Kruste der Grausamkeit ist geborsten, die Kurve des greulichen Weltkrieges durch eine glorreiche Cäsur gespalten'worden. Der Friede mit ^Rußland ist geschlossen dank der Beharrlichfkeit der 'verbündeten Staatsmänner, durch, welche . die Hartnäckigkeit der Verhandkungsgegner weichgesotten und in einer überraschenden und raschen Aufwallung der Kriegszustand als beendigt erklärt wurde. Das Wehe, das der Krieg heraufbeschworen hat, sitzt zu tief, als daß es sich in einen Freudenschrei und jauchzenden Jubel entladen könnte. Wohl aber entringt sich der gequälten Menschheit ein Sender der Erleichterung. Vom Frieden im Osten kann sich der Weg zmN Frieden nach Westen nicht mehr allzu weit entfernt zeigen. So wird denn dieses übermächtige Weltereignis von allen heimischen Federn in volltönenden und großen Worten gefeiert und von Allen Zungen gepriesen. Jede- Stimme, mag sie noch so schwach sein, verstärkt die edle Harmonie dieses Chores; und wenn esauch hier an dieser Stelle unternommen wird, an dieses welthistorische Ereignis mit einigen Bemerkungen anzuknüpfen, so geschieht dies, um eine uns- Juden seit langem teure Sache zu berühren und so zu dem stolzen- Bau des Friedens!-. bollwerkes ein kleines Sternchen mit beizntragen. - Der Krieg hat das Judenschicksal mit dem Lichte eines -grellen.Scheinwerfers übergossen. In der Liebe zum Vaterlande, im kriegerischen Heldenmnte und im opferbereiten Sinne tat uns niemand zuvor. Es kann sich aber auch niemand mit uns messen in dem, was die Juden Als Heimsuchungen ertragen haben, welche die' Kri egsfurie über sie entladen hat. Verfolgung, Tod und Verderben, Not und Flüchtlingselend haben blutige Striemen in den Leib der jüdischen Massen eingekerbt. Verfolgnngssncht hat sich, an ihre Fersen gekettet. Miß« gurrst und politischer Haß sie geschmäht und bedrülR. Und doch — ja, vielleicht gerade deswegen — ist das Indem» tum im Kriege gewachsen, hat die Achtung für jüdisches Wesen und jüdisches Streben zugenommen; denn in ihrer unverbrüchlichen Staatstreue und unerschütterlichen Anhänglichkeit haben sich die Juden als staatserhaltendes Element von erprobter Verläßlichkeit erwiesen. Das gilt für die Juden des Vaterlandes, das gilt aber in gleichem Maße auch für die Juden, die in den feindlichen Staaten wohnen. Für die feindlichen Staaten aber ist es bemerkenswert — und darüber täuscht keine betrügerische Wahrnehmung, weil es sich durch gewissenhafte Zeichen bekräftigen läßt —, daß diese sich gegenseitig in Zuvorkommenheit gegen die Juden überbieten, daß die Ententeländer eifrig um die Liebe der Juden werben. Bei uns geht man nicht so weit. Hierzulande hat man wohl auch eine Proklamierung des Burgfriedens bekundet, der gewiß den judenfeindlichen Anrempelungen verschiedentlich ein Halt geboten hat, wasfreilich nur temporär und nicht imiMer und überall gelungen ist. In den Ländern der Entente jedoch, in Frankreich, England, Italien, Amerika, die sich zu dieser bösartigen Phalanx gegen die Mittelmächte verschworen haben, da hören die Staatslenker nicht aus, mit den Juden zu liebäugeln, sich bei ihnen lieb Kind zu machen und vor' allem den nationalen Aspirationen kräftigsten Schutz und Beistand zu versichern. Man empfängt den Eindruck, als ob die Herzlsche Idee, die ursprünglich als eine schlaffe und phantastische Utopie verschriene wurde, die Hülle eines bloßen Schemens von sich abgeworfen, sich zu einer hellseherischen. Peripetie ausgeschwungen und zu Fleisch und Blut verkörpert hätte. Man braucht nur die jüdischen Blätter nachznschlagen, um solchen Kundgebungen in Füllezu begegnen. England ernennt seinen jüdischen Lord-Oberrichter zum außerordentlichen Delegaten für die Vereinigten Staaten, die englischen Minister nnd Lordschasten eilen in Massenmeetings, um dort