Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 ®r. DIoH's Wochenschrift Seite SL werden lassen, wie dd Börne in einem wenig be- ' kannten- Aphorismus mehr geistreich als wahr behauptet, einer. Mumie imt dem Scheine des Lebens, aber ohne Leben/ die nur der Verwesung sich widersetzt. Das sürd Redensarten, Hypothesen, die blenden, denen aber der feste Grund der Tatsachen - fehlt. - Eine siebentägige Woche mit einem Sabbat mögen die alten Semiten bereits besessen haben, 'aber unseren Sabbat, den Zesaias als „Tag des' «Ergötzens" bezeichnet, hatten die -alten Babylonier nicht. Mag sein, daß vieles in unserer Bibel, was von unseren Patriarchen namentlich . . erzählt wird, der vergleichenden Religionswissenschaft als <7 Gemeingut eines großen Völkerstammes erscheint, wer könnte dies heute leugnen, aber das wahrhaft ethische Gut, das uns die Bibel überlieferte, ist und bleibt Ureiaentum unseres StaniMes, hat Menschen beglückt, neue /Religi->nen hervorgebracht, wird durch keine Ethik irgendeines Volkes übertrofsen. Ties Gut lassen wir uns ‘ weder durch gelebrt tuende Bibelkritik, noch durch unerwie^ene Rassenprobleme wegeskamvtieren, so wenig wie unsere Feste, unsere Gedenktage, unsere Sitten und Bräuche. Schon Josephus tritt in der genannten Schrif' der Behauptung entgegen, daß die Juden keine Geschichte hätten und „ein neues Volk" seien. Müssen wir heute, oft gegen Kinder unseres eigenen Volkes und die sie eines Besseren belehren sollen, auftreten, die Richtigkeit ihrer „Lehren" Nachweisen und ihnen sagen, wie ihnen die Fähigkeil abgehe, geschichtliche Wahrheiten aufzrttassen? Wir Haben in unseren Ausführungen nur einen Punkt in der Verteidigung des Judentums hervorqo- ' hoben. Mer vielleicht ist er der wichtigste Berteidigung'Kmnkt, ein Stützvunkt, ein „Brückenkopf", wie der moder ne strategische Ausdruck ihn nennt, unseres Judentums. Diesen Stützpunkt kaffen wir uns nicht nehmen. den-chLerächtern. oder Nichtachtern der. Wissenschaft M wollen wir nicht gezählt werden. Wer jeder wissen- M schastlichen Annahme, jedem durch die Kritik erzeugten ft Ähein wollen wir nicht das Feld räumen, sondern unsere / Jugend auf die große Zahl der ernsten Vorkämpfer für das Judentum verweisen, die zuM mindesten denselben Glaubenverdienen wie unsere Bekämpfte, sei es nun, daß diese direkt durch Haß oder durch Vorurteil, - sei es, daß sie durch ein — wie sie es nennen — wissenschaftliches Streben dazu angeleitet werden, alles, was dem Juden heilig sein soll, zu zerpflücken, zu zerstückeln und zu zerfasern. „Verteidigung des Judentums", d. h. vor. affem Schutz für die Grundlagen unserer Religion und Geschichte. Kein Antiochu's, kein Milcher und kein nichts üdi- . scher, wäge es, an dem zu rütteln, was Jahrtausenden heilig war und heilig bleiben wird. Schließen wir uns zusammen und bilden wir eine „heilige Phalanx" gegen die Zerstörer des Judentums, wie sie gebildet wird von denen, die mit ihrem Herzblut im Laufe der Jahrtausende für das Judentum gekämpft haben und alle ihre Kräfte aujwendeten für die Verteidigung des' Judentums. Dr. M. 'Grünfeld. HrfefrLchte. n. ■ ■ ■ Professor Dr. Siegmund Winter, der am 27. Dezember 1846; in Prag als der Söhn eines armen Kirchendieners geboren und - leider - am 12. Juni 1912 im Bad Reichenhall vom Tode hingen rafft rvurde, hat im Jahre 1901 mit Unterstützung der böhmischen ,/ Kaiser Franz Josef-Akademie zu Prag und in deren Verlags ein 821 Seiten zahlendes ausgezeichnetes Buch herausgegeben, das „Leben und Lehre" an den Schulen Böhmens im 15. und 16. Jahrhunderte .behandelt. Diesem, auf Grund historischer Quellen be- -^arbeitetem Werke entnehme ich folgende Notizen: Die Juden Hsbyr■ sWM M M UMMt ihM . Kiichv- KoW Mtragen. In Eger wird schon 1364 einer jüdischen Schule Erwähnung getan. Das Halten von Privatlehrern (Bochurim) kam sehr oft vor. Im Jahre 1487 wird außer der Schule im Ghetto noch ausdrücklich eine jüdische Schule auf der Prager Neustadt genannt. In Teltsch (Mähren) durften in der 'Hälfte des 17. Jahrhunderts nur drei jüdische Familien wohnen und diese hielten sich einen sogenannten Rektor für den Unterricht ihrer Kinder; das Gehalt desselben mußten sie an das städtische Amt abliefern. In den jüdischen Schulen wurde zumeist Hebräisch, Leien und Schreiben gelehrt. Daß sich die Juden auch um die Bildung der Mädchen kümmerten, erhellt aus d er Aussage einer Prager Israelitin über die andere: „Sie kann.aus gedruckten Büchern hebräisch lesenj aber sie kann weder hebräisch schreiben, noch Geschriebenes lesen; sie hat wiederholt behauptet, sie gäbe einen Finger darum, wenn sie schreiben könnte" (Prager Archiv aus dem Jahre 1593). In den höheren (lateinischen) Schulen wurde hie und da das Hebräische gelehrt, aber von einem regelmäßigen, systematischen Unterricht kann nicht die Rede sein. Am Gymnasium zu Braunschweig (Deutschland) dürfte zuerst das Hebräische offiziell als Lehrgegenstand in der höchsten Klasse eingeführt worden sein; es geschah dies im Jahre 1562. In der Borrede zur Breslauer Schulordnung aus dem Jahre 1578 verlangt der Rektor Peter Vincentius eindringlich die Kenntnis der hebräischen Sprache schon um der Bibel willen, dann für die' zukünftigen Theologen. Im allgemeinen läßt sich konstatieren, daß das Hebräische an den Gymnasien nur ausnahmsweise gelehrt wurde und manchmal von Laien. So wird von der oben erwähnten Braunschweiger Schule berichtet, daß im Jahre 1547 daselbst ein Geselle das Hebräische lehrte, der es von den Juden in Posen erlernt hatte; hie und da unterrichteten Pfarrer diese Sprache. Die Juden wurden genötigt, zur Erhaltung der katholischen Schulen von jeher Beiträge zu leisten. So mußten im Niklas-^, viertel zu Prag die Juden am Tage des heiligen Nikolaus regelmäßig Geld zur Beschaffung von Holz für 'die '^Schule geben. Im Jahre 1497 zahlten sie jährlich 15 Meißner Groschen. ' Bei dieser Gelegenheit bemerke ich. daß ein Schock böhmischer Gro? schen einer schweren (alten) Mark Silbers glich, also ungefähr 42 Kronen wert war; doch ist das mit dem jetzigen Werte nicht zu vergleichen. So konnte man manchmal für 1 Schock böhmischer Groschen 10 bis 12 Kühe kaufen. 1 böhmischer Groschen glich, 2 Meißner Groschen. Tin Dukaten galt zumeist 12 Groschen, Im 14. Jahrhundert hatte der böhmische Groschen den Wert von zirka 27a Kronen, das Schock galt also ungefähr 150 Kronen. Um "wieder auf das Prager Niklasviertel zurückzukommern findet man im Prager Archiv aus dem Jahre 1589, daß die . dort ansässigen Juden, die katholische Häuser gekauft hatten, gezwungen waren, den Schüler,: bei Skt. Nikolaus, und »eber neugebackene Hausbesitzer, je 3 Meißner Groschen zu geben. Im Jahre 1599 erboten sie sich, selbst, eine Pauschalsumme von 100 Schock Meißner Groschen zu zahlen. « ' Sehr interessant sind in dem eingangs erwähnten Buche die Kapitel über die Schulzucht, Schuld und Strafe, über die Allotria und Ausgelassenheiten der Mittel- und Hochschüler der damaligen Zeit. Ich erwähne nur eines Falles, mit dem ich für (heute die ..Lesefrüchte" schließe. . Im Jahre 1617 wurde in der Schule beim heiligen Martin zu Prag ein Jude verprügelt. Er soll angeblich einem adeligen Fräulein, die Mütze herabgerissen haben und in das Schulhaus geflüchtet sein. Der Leiter der Schule. Nikolaus Spifsius HorsK. „empfing" ihn und setzte ihn den Schlägen der Schülermenge aus. Auf das Geschrei des Israeliten kamen andere Glaubens.-, genossen herbei und lösten ihn aus, indem sie den Lehrern 16 weihe Groschen und den Schülern 12 Kreuzer gaben. Ein Verwandter des gezüchtigten und „geschätzten" Juden namens Pinkles führte über den Vorfall Klage beim Rektor. Spifsius, die anderen Lehrer und Schüler wurden wiederholt zitiert. Der erstere erschien endlich und redete sich dahin aus, daß er sich dem Juden gegenüber hätte so benehmen müssen, damit es nicht den Anschein Hervorrufe, als schütze die Schule einen Dieb. Das ..Gericht" erkannte, daß es von den Scholastikern taktlos war, den Juden zu verprügeln. daß das abgenommene Geld aber zurückgegeben 'werden müsse und daß Spifsius im großen Auditorium eine Stunde, „abzusitzen" habe, weil er auf zwei Zitierungen nicht erschienen sei. Hiemit war dieser Fall .„erledigt". Klattau. * A. Baums. Kriegsdekoralionen jüdischer Hffiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaffer hat verliehen: das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoraffon und den Schwertern für tapferes Verhalten vor dem Feinde dem seiner vor dem Feinde erlittenen Verwundung erlegenen Leutnant d. R. Bruno Gold schlag e r, J.-R.; dem Oberleutnant d. R. Isaak Lflnd.au, Sappeurhat.: