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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-01-25 · 4 (25.1.1918) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
4 (25.1.1918)
Date
1918-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Bloch’s 3«9t0ßng XXXV Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums O (/—— ■ ■ ..=5)0 (? cd K k. Postsparkassenamt Clearing-Verkehr: 810.976 oo Redattton und Administration: Wien II/i, Praterstraße 9 ^Telephon* 45*359 QO- ■ — -.*i —O O •' ' 'OOO-- Wien, 25. Ziinner 1918 Lrscdeint jeden kreitag Bries-Abrefle: Wie«. II/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Moch'S Wochenschrift, Wie« OXr o Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare 50 Heller A»teigea: Die 2 mal gespaltene Petitzeile 60 Heller DO cd O6- * Ä -SO Inhalt: Leilürtikel: Aus d^er Wo che:-.Steg des Arbeiterstreiks: allgemeines Kommunalwahlrecht; Re'orm des Wahlstatutes der Kultrrsgemeinde; bösartige Lügen und Fälschungen der „Reichspost". — Fremd mm auf der Wiener Universität. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Ordensverleihungen. — Zum zweitenmal dekoriert. — Auszeichnung eines Feldrabbiners. — — Sub auspiciis regis. — Vor dem Feinde gefallen. —- Nach dem Tode ausgezeichnet. — Interview mit dem Oberrabbiner von Kopenhagen Dr. Max Schornstein. — lieber den Ursprung der modernen Buchstaben-Wortkürzungen. — Jiddisch als Lehrgegenstand alt der dreien Hochschule der Humboldt-Akademie in Berlin. — Korrespondenzen: Rabbinervereinigung für Liebesgaben au Soldaten und Kriegsgefangene. — Fürsorge für schulentwachsene, verlassene Kinder. — Jeremias. — Channkka an der rumänischen Front. — Bukarest. - Konstantinopel. — Vermischt e s. — Feuilleton: Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw. — Literatur. — Briefkasten. Aus der Woche. Sieg des Arbeiterstreiks: Mgemeines Kommunalwahlrecht. Reform des Wahlstatutes der Kultusgememde: bösartige Lügen und Fälschstmgen der „Reichspost". Ein Arbeiterausstand von wenigen Tagen hat mij einem vollen Erfolg der Arbeiter geendet und wird' tiefgreifende Wandlungen im Staatsleben Oesterreichs herbeiführen. Den Wünschen der Arbeiterschaft "hat die Regierung in allen Punkten nachgegeben. Sie bekundet aufs neue den entschiedenen Willen, alles, was ihr möglichist, zu tun, um den allgemeinen Frieden bald herbeizuführen, die Erreichung dieses Zieles nicht durch Eroberungsabsichten zu erschweren, sowie an dem -Gedanken internationaler Vereinbarungen über Abrüstung und Schiedsgerichte festzuhalten. Was die Frieöensverhandlungen mit Rußland betrifft, so strebt die Regierung keinerlei territoriale!Erwerbungen auf Rußlands Kosten an. Insbesondere die Erklärungen über Polen sind geeignet, begründete Besorgnisse zu zerstreuen, die sich; an frühere, allerdings unverbürgte Mittellungen geknüpft hatten. Der größte politische Erfolg der Arbeiterschaft liegt aber zweifellos in der Zusicherung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts ffür die Gemeinderatsfwahlen und der Gewährung des! Frauenwahlrechts'. So selbstverständliche diese Rechte einer Volksklasse gebühren, die einen beispiellos heroischen Patriotismus drei schwere KriegHahre hindurch betätigt hat, so ernst mögen^ die Widerstände gewesen sein, welche von reaktionärer Delle dagegen erhoben wurden. Denn mit dieser Reform des Kommunalwahlrechts dürfte die Meinherrschaft der - „Christlichsozialen" in Wien ihr definitives Ende finden. Allein nicht bloß darum ist diese Reform' für das Wiener Judentum von kaum zu überschätzender Tragiweite; sie muß äuch direkt eine grundstürzende Nem gestaltung des autonomen W a h l st a t u t e s der israelitischen Kultusgemeinde zur Folge haben. Die Rückständigkeit unserer Kultusgemeinde- Verfassung wird heute in weiten Kreisen empfunden und eine volkssreundliche Reform aus diesem Gebiete würde der gesunden Entwicklung des jüdischen Lebens wesentlich zustatten kommen. Es geht nun nicht mehr an, daß £.. Jö. einzig und allein eine bestimmte Geldleistung entscheidendes Moment bilden soll für das Recht der Mitbestimmung in jüdischen Gemeindeangelegenheiten. Angesichts der radikalen Umgestaltung des' öffentlichen Lebens in -ganz Europa, die der Weltkrieg herbeiführt, des triumphierenden demokratischen Geistes in allen Weltteilen, kann auch die Wiener Judenheit unmöglich bei einer Verfassung beharren, der Lusolge z. B. Männer wie Lev Trotzky vom .Stimmrecht ausgeschlossen blieben. Vor allem aber muß jene Mammonistische Bestimmung fallen, die eine dreijährige Steuerleistung als Voraussetzung zur Ausübung des Stimmrechtes in jüdischen Gemeindeangelegenheiten statuiert. Leider gibt es unter uns gar kuriose Käuze: treue Heser und Anhänger der ^.Arbeiter-Zeitung"; wenn man aber ihnen zumutet, die Prinzipien der Demokratie auch auf das Wahlstatut der Kultusgemeinde anzuwenden, werden sie plötzlich wild. Davon wollen sie nichts hören. Wir dürfen uns aber dem gerechten Vorwurf nicht aussetzen, daß wir Fortschritt und Radikalismus überall bei anderen fördern und propagieren, während wir selber in unserem Gemeindeleben jede Rückständigkeit konservieren, .allen Mahnungen des Zeitgeistes gegenüber taub bleiben. Wir dürfen vor allem nicht hinter der Zeit zurückbleiben! Der jüdische Stolz sollte uns mahnen, in der Neugestaltung der Versassungssormen den anderen voranzugehen, nicht nachzutanzen. Soll das Judentum inmitten der demokratischen Strömungen des neuen Europa in Ehren bestehen, muß es den Lebensformen der neuen Zeit Rechnung tragen.

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