Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 3 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr, 3 Dr. Bloch'S Wochenschrift Sette n. Ein Pölizeibeamter berichtete dies sofort nach Prag dem Polizeihauptmann, den Rabbi Löw gleichfalls hievon verständigte. Der Polizeihanpünann begab sich unvecweilt in Begleitung mehrerer Polizisten in das Dorf, ebenso Rabbi Löw mit einigen vornehmen Gemeindemitgliedern. Als sie im Dorfe eintrafen, wurde das Grab geöffnet und es wurde festgestellt, daß der Sarg tatsächjlich leer war. Nun begab sich der Polizeihauptmann zum Ortspfarrer, um aus dem Totenregister festzustellen, wer der verschwundene Tote war. Und man fand eingetragen, daß in dieser Gruft, ungefähr drei Wochen vor dem > jüdischen Pessachfest, ein Toter namens Johann, Sohn der Frau Jadwiga, begraben wurde. Auf die Frage des Polizeihauptmannes, wer bei ihm wegen , der Bewilligung zum Begräbnis interveniert hätte, erwiderte der Pfarrer : „Es waren zwei Männer, die. sich als Brüder des' - Verstorbenen vorgestellt haben." Er erinnerte sich ferner, daß sie kein Geld besaßen, - um seine Gebühr zu erlegen, und daher an Geldes Statt eine silberne Uhr gegeben haben. Da unter den seinerzeit gestohlenen Dingen auch eine silberne Uhr Reb Arons angemeldet war, bat der Polizeihauptmann, ihm diese Uhr zu übergeben. Als dies geschehen war, schickte er diese mit einem Eilboten nach Prag, um sie 'Reb Aron vorzuweifen. Dieser erkannte gleich, seine Uhr und gab noch als Merkmal an, daß auf der Umseite des Deckels ein Davidschild eingraviert sei. Da eilte der Bote gleiche in das Dorf zurück und berichtete" davon dem Polizeihauptmanri. So erkannte der Hauptmann, daß die Behörde einer Verleumdung der Brüoer Kozlowski zum-Opfer gefallen war. Er begab sich in die Wohnung der Witwe Jadwiga -und frug sie: „Wo ist dein jüngster Sohn Johann?" Sie^versuchie ■ zunächst trügerische Ausflüchte. Als aber ' der Polizeihauptmann sie Mit einer Ohrfeige traktierte, da fiel sie ihNi zu Füßen und legte ein vollständiges .Geständnis ab. Sie erzählte auch, wo ihre Söhne, die beiden Kozlowski, die bei Reb-Aron entwendeten Gegenstände -im Dorfe-veaäußert haben. Der PolizeihauPLmannschickte zu den namhaft gemachten Leuten eine Polizeiabteilung, um dort Haussuchungen vorzunehmen. Auf Anordnung des' Polizeihauptmannes wurde die Witwe Jadwiga samt den Käufern der gestohlenen Sachen nach- Prag überfÄhrt. Als der Polizeihauptmann in Prag angelangt war, begab er sich nicht in sein Amtsbureau, sondern direkt in die Wohnung der Brüder Kozlowski, docher konnte ihrer nicht habhaft werden, weil 'sie schon früher Reißjaus genommen hatten. /- Da die Sachlage klar war, daß Reb Aron an diesem Morde unschuldig, sei, ordnete der Polizeihauptmann seine sofortige Enthaftung an. Diese Geschichte erregte ungemein großes' Aufsehen in Prag und im ganzen Lande. 18. Die Audienz beim Kaiser. Rabbi Löw richtete an Kaiser Rudolf II. eine Gedenkschrift unter Anfügung genauer Abschriften aller in den letzten zehn Jahren vorgekommenen Ritualmordprozesse; er bat um eine Audienz, da er dem Kaiser eine dringende Bitte für seine Glaubensgenossen zu unterbreiten habe. Der Kaiser, obwohl ein Jesuitenzögling, in dem Lande der stets rauchenden Scheiterhaufen erzogen, war doch gegen die Juden nicht ohne Empfinden für Gerechtigkeit. Er gab dem Ansuchen in einer sehr ehrenden Weise Folge. An einem Tage sahen die Juden Prags mit .Erstaunen einen Hvfwagen durch das Tor des Ghettos einfahren. Zwei Höflinge überbrachten Rabbi Löw eine. Audienzkarte, eine unerhörte Auszeichnung, und Rabbi. Löw fuhr mit ihnen in die Hofburg. /Nach etwa drei Stunden kam er wieder in einem kaiserlichen Wagen, begleitet von noch höheren Hofbeamten, nach, Hause. Uabbi Löw war froh gestimmt und sprach zu den seiner mit Spannung harrenden Gemeindemitgliedern: „Ich danke dem Ewigen, gepriesen sei er, daß es mir gelungen ist, das Leid der Blutbeschuldigung aus der Welt zu schaffen. Der Kaiser redete mit mir ungefähr eine Stunde und gab mir das kaiserliche Wort, künftighin nicht nur die Bklltbeschuleigung in seinem Lande auszumerzen, sondern die Juden gleich den übrigen Untertanen des Reiches zu behandeln und ihre Rechte zu schonen." . Gtwa zehn Tage nach dieser Audienz erging ein Erlaß des Kaisers, daß kein Jude in Zukunft eines Ritualmordes bezichtigt werden dürfe, da sich der Kaiser überzeugt habe, daß dieses Märchen imwahr fei, dis Juden kein Blut zu religiösen Zeremonien benötigen und der Gebrauch des Blutesein schwerer Verstoß gegen die jüdische Religion sei. Sollte ein Christ gegen pmen Juden irgendeine Beschuldigung erheben, dann dürfe sich - die Klage nur gegen das Individuum, das sich die Tat zuschulden kommen ließ, nicht aber gegen die jüdische Allgemeinheit richten. Ueberdies müsse die Tatsache durch vier einwandfreie Zeugen bestätigt werden. Zur Verhandlung sollen der Rabbiner und Vorsteher der Gemeinde zugezogen werden. Die Zeitgenossen wendeten daher auf Rabbr Löw das Wort an: „Siehe, ein in seinem Tun gewandter Mann, vor Könige darf er erscheinen." gtiernfttr. Oberrabbiner W. Reich. Baden bei Wien. Unser Kaiserpaar. Drei patriotische Festreden. 1918. R. Löwit Verlag/Berlin- Wien. . .; Dem ^Leserkreis der ,,Oesterr. Wochenschrift" ist der Badener Oberrabbiner aus den geistreichen und instruktiven Artikeln in an-" genehmster Erinnerung. Die vorliegende Predigtsammlung wird um so mehr als willkommene Gabe unseres geschätzten Mitarbeiters begrüßt werden. Allein auch wetteren Krehen wi,rü tuo.jl die L.ktüre. d.e,er Predigten eine Erbauung bereiten. Einem lebhaften vaterländischen Empfinden entsprungen, für den Augenblick der religiösen Feier.entstanden, bieten sie ein treues Abbild der Liebe und Anhänglichkeit zü Kaiser, Dnnastie und Reick, wie sie jede jüdische Gemeinde hegt, rrnd pflegt. Die Sammlung enthält schwungvolle von hohem patriotischen Geiste durchwehte Reden zum Geburtstag des Kaisers Karl I.; zum Namenstag der Kaiserin Zita und zum Geburtstag , der Kaiserin Zita. Eine nach Form und Inhalt überaus würdige Huldigung für das Kaiserpaar. > Neue Jüdische Monatshefte. 2. Jahrgang. Heft 6. 25. Dezember 1917; Inhalt: Dr. Felir Goldmann: Der preußische Rabbiner. — Mar Eohen-Reuß, M. d. R.: Die außerpolitische Bedeutung der nationaljüdischen Bewegung. —Franz Rose nzweig: Zeit ijt's. — Helene Hanna Cohn: Die Iudenfrage in der Internationale. — Joseph B u d k o: Verwandlungen. — Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Herrnann 'Cohen: Streiflichter / über jüöische Religion und Wissenschaft. 19. — Dr. E. Levy und Dr. Elias Auerbach: Weber, die Prophetie. — Professor Dr. Franz Oppenheimer: Niedriger hängen. — Literaturblatt. ,,Iung-Juda". Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. 19. Jahrgang. Nr: 1. Prag, 4. Januar 1918 (20. Tebeth 5678) Redaktion und Administration: Prag, 2. Bezirk, Stefansgasse 629. Inhalt: Hermann L. Adon: Psalm 29. t— Ben Iehuda: Zum Wochenabschnitt. — Josef Hart: Großvater.«— Trotzki. — Der Talumd. — Das alte Jerusalem (illustriert). - E. ' Hantke: Warum Hund und Katze in Feinschaft leben. — Nach H. Gr ä tz: Jerusalem nach dem Bar Kochba-Aufstande. / Eibraltar (illustriert). — I.. Fried: Die -beiden.Quellen. — Berthold Feiwel: Ieworechecho Adonai. — Guck in die Welt. — Uebersehungsaufgabe. —- Preisrätsel.