Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 47 (7.12.1917)
- Date
- 1917-12-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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den-Keller, sondern in /die. WcWinätsstube, und schrieb dort aus. einest Zetteldie,'Worte: „Der Bräutigam und die * Braut sind Bruder und Schwester." Anstatt Wem zü^bringen, gmg der /Golem zu Rabbi Löw, .zog einen KttelMAder Tasche und reichte ihm-dem Rache , 7 Den Zettel anblickend, - wurde Rabbi Low leichenblaß und er ächzte: „O, 'o, ein Bruder und eine Schwester!" Wle-,Leute.-.waren darüber erstaunt, sie begriffen sofort, daß.dies keine einfache Sache sei. . Da hörte das Publikum, wie Rabbi Löw an den Golem -. die Frage richtete : „War hat dir gesagt, daß der Bräutigam und die Braut Bruder und Schwester sind?" Und der Golem trat aus der dichten Menge, winkle dem Rabbi, ihm zu folgen und zeigte aufdas Fenster der Synagoge, als möchte er sagen: „Dort steht die Percha, die mrr das gesagt hat." Der Rabbi schaute einige Augenblicke zum Fenster und kehrte zur Menge zurück. Als er wieder unter den Trauhimmel zurückgekehrt war, sagte er: „Die Trauung kann heute nicht stattfinden, denn ich muß vorher eine dringende Untersuchung durchführen." An demselben Tage, ^nach Mitternacht, ließ Rabbi Löw. den Golem in >em Sondergemach kommen, er- : teilte ihm einen geheimen Befehl und Mb ihm steinen Stock mit. Der Golem lief- -gleichaußerhalb der Stadt und kehrte nach etwa einer .Stunde zurück. Wie es sich später Herausftellte, war .er auf dem Friedhof gewesen, um die tote Hebamme - Esterl für den nächsten Tag in die Rabbinatsjtube zur Einvernahme vorzuladen. ---ö Am folgettden Morgen gab Rabbi Löw den Auftrag, für sich und seine zwei Asses,oren in der Altneu,yna- HÄge südöstlich' Plätze vörzubereiten und': einige Ecken ^WÄter eine Sonderwand in der Höhe eines Menschen zu 'errichten. - . Mun ließ'er 'kundgebech daß die Mute,' die am selben 'Tstße in der großen Synagoge beten, nach dem Gebet nicht nach Hau,e gehen, sondern in der Synagoge bleiben und stch an der West,eite des Älememor*) au,'stellen sollten. ' / ' . Als Rabbi Löw das Gebet beendet hatte, setzte er sich niir den' bei mir Asteforen im Gebetmantel und Gebet- 'kieMen an den berei^gestellten 'Tisch. Jiie er den Diener Abraham Chaim, um dich bemen Bert samt ihren Weibern und Kindern sowie den Bräutigam und die Braut zu holen. z^.Als chiese erschienen waren, ,w:es ex ihnen nördlich ' des Ti,ches Schplätze an und forderte die Eheleute Bert, aus, ihm" alleszu erzählen, was.sie seit ihrer Hochzeit erlebt - hätten. " .Die beiden Berl undihre Frauen schilderten nacheinander ihre Erlebnisse, wobei besonders dem schwarzen Bert und,seinem Wciye manche unangenehme Erinnerung wachgerufen würde. " . ' . Nun ließ Rabbi:; Löw. den Golem zu sich kommen, gab'- ihm seinen Stock in die .Hand und befahl ihm vor Her . ganzen Gemeinde folgendes: . „Gehe, auf den Friedhos -und rufe die Seele der - ' HebamineEsterl her, damit sie hier ihre Aussage mache." ' Nachdem er. ihm noch einen kleinen Papierststreisen eingehländigt hatte, verließ Josef dieSynagoge. Nach etwa einer halben Stunde kehrte ex zurück, r grab.. vor^ Rabbi Löw, .übergab ihm den Stochzeigte sHit der. Hand auf die Sonderwand - und brachte zum Ausdruck, baß er dem Befehl, die Seele der.Hebamme ....hieher,^zu zitieren, nachgekommen' sei. Tribüne, aus der die Thora oorgelesen roird. Cs trat eine tiefe Stille ein; eine Dodesang^ ergriff die Versamchieltem- Rabbi. Low sägte zu der Toten: ,Äic» Leiter'W Gerichtshofes, tragen'dir, Esterl,' auf,, uns klar xinfy deM lich zu erzählen, wie es kam» daß dieses BrauUmast Bruder- und Schwester sind." ' s.' Und die Tote erzählte die Geschichte,- wie sie schaß früher geschildert wurde. . . . .-F Tie Versammelten, die westlich des Almemors standen-, hörten nur eine unverständliche Stimme. Das Rgbbst natsöoUegium, das Brautpaar und die Eltern hörten--jedoch jedes Wort, das die Tote sprach. Schließt ich-: erzählte dieselbe, jämmerlich weinend: „Zwölf Jahre stiyd es her, daß ich aus dieser Welt schied, und noch -hezcke hat meine Seele keine Ruhe, solange ich, dieses Mein Vergehen nicht gutgemacht habe- Es istnnrrdem Berdienst des Rabbi Löw zu verdanken, daß mir erlaubt Murhß, bei. der Trauung zwischen Bruder und Schwester-. M! erscheinen und dieze zu verhindern. Hätte die Trauung; Mhtgesunden, nie hätte meine Seele Rühe^gehabt. Ich Ditte das Rabbinatskollegium. sich meiner Seele zu erbgWen und die Sache so zu ordnen, daß die Söhne der heiden Berl'ch wieder getauscht werden. Sollte die Mußf sage einer Toten nicht glaubwürdig sein, dann führe ich auch einen lebendigen Beweis , an: man. suche in mMenp Tagebuch, das bei meiner Tochter ausbewahrtckfdstnW man wird darin meine Auszeichnungeil über den-MuHtausch'der Knaben finden ..." Man hörte ein jämmerliches Weinen und-'Me Versammelten weinten'mit. Es entstand eine Pause, da Rabbi Löw dWAGM Rabbinatsdiener von der Tochter der HeüamW DMH alle Schriften ihrer Mutter zur Verhandlung bringen ließ. Man brachte die Schriften und Rabbi Löw fand die Auszeichnung der Toten mit genauer Zeitangabe. Nun wurde Wer die Entscheidung beraten. Zunächst wurde.entschieden, daß die Tote den Bräutigam Wtd die Braut wegen der ihnen zugesügten BejxMgung um Verzeihung bitten müsse, und wenn diese ihr verzeihen würden, dann sei sie straflos. , Da hörte man gleich ihre Stimme und sie sprach: „Ich, Esterl, eure Hebamme, bitte euch um. Verzeihung!" „Wrr verzeihen dir!" antworteten der Bräutigam und die Braut mit bebenden Lippen. Dann erhoben sich Rabbi Löw und die Assessoren und sprachen: „Wir»- '.-'Mitglieder des Gerichtshofs,. sprachen dich, Esterl, von jeder Strafe frei und darum wird dich auch - der himmlische Gerichtshof sreisprechen. Und nun gehe in Frieden^ ruhe in Frieden, bis der Ewige alle Toten zur Auferstehung weckt/" : Da ließ Rabbi Löw die Sonderwand hinaustragen als Zeichen; daß die Tote nicht mehr anwesend fei. Er wendete sich zu der versammelten Gemeinde, und. sprach: „Die Sache ist klar, daß die beiden jüngsten Sühne der beiden Berl'ch durch die Hebamme Esterl vertauscht wurden. Daher ist der Bräutigam richtig der Sohn des roten Berl, das heißt , ein Bruder seiner Braut. Ich: erkläre daher die irrtümliche Verlobung . fW gelöste nEs wäre aber doch recht, wenn nun der richtige Sohn:des . schwarzen Berl die Brauf die ihm:bishev>als Schwester galt, nehmen würde."' ■■■■’•■ o/h , Die beiden Berl'ch erklärten sich sofort dazu bereit, und Rabbi Löw schrieb den neuen VerlobuWspakt Er ließ sich das Gemeindememorialbuch bringen, schrieb diese wunderbare Begebenheit zum. ewigen. Gedächtnis eitpründ bestätigte sie mit seiner eigenen Unterschrift und:8er seinerMabbinatsasfessoren..