Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 45 (23.11.1917)
- Date
- 1917-11-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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9irr’45 Ar. Btoch's Wochenschrift die dieser GelbsMtMtung im Wege stehen. Und wenn M g y e r in dem-^AnLisemiMmus der Gegenwart nur eine Wölke steht/ bte^ Wind in nächster Zeit vertreiben dürfte, so gibt er damit selbst der Besorgnis Raum, - daß auch diese Gnadensonne einer 'günstigeres Zukunft sich^wiederum versiusterrr kann. Muß sich der Jude von Delbstachtnng wirklich zum Spielball' eines solchen Launenwechsels erniedrigen? Soll sein Ehrgefühl ihn nicht vielmehr alles aufb'ieten lassen, unt durch Zusamm'enschtuß nnt seinen Leidensgefährten der drohenden Gesähr. gefaßter und lviderstandsfähiger entgegensehen zu können? Womit ja nichts weniger gemeint sein soll, als auf seine mnhsani und redlich erru^rgeneu politischen Rechte zu verzichten^ „Ergreife das Eine", sagt Koheleth, „aber auch voir dem Anderen lasse nicht deine Hand." Hier ist der Punkt, wo wir M a y e r als dem I^auäatou leurstoriL piaeseinis nicht folgen können. Das hindert uns aber nicht, vor dem Buche, soweit es nicht Perspektive, , sondern reale Geschichte bietet, in aufrichtiger Bewunderung den 'Acht zu ziehen. Nicht verwittertes Gestein und verstaubte Aktenbündel, sondern lebeirde und s o lebendige Menschen künden uns echte Geschichte. „Alt und blind" nennt sich unser Autor- Daran verstehen wir, weshalb in den Ueberlieferungen so vieler -Völker die großen Offenbarer ihres' eigensten Wesens als alt und blind fortleben. Wessen Seele so tief und hellsehend, dessen Auge müsse den: beirrenden Reiz der Außenwelt verschlossen bleiben. Wem ich Herzen solche Quellen ewiger Jugend fließen, dein 'kann der Schnee der .Altersreife den Scheitel krönen. - - Und wenn Sigmund M a-y e r uns damit bange macht, dieses' Werk sei sein Schwanengesang, so glauben wir eÄdbesser,' .zu - -lvissenr. Schon' eilt,. so -hören wir. ein neues Buch aus seiner Feder der Vollendung entgegen. Wir.chossen'iiidaß.'rvir'-uM'-seiner recht -balderfreuen-, dürfen! A«s der W»che. .. TW' Mische Staatsprojekt. Die.„Vossische Zeiturug" meldet aus' dem Haag: In 'politischen Kreisen Londons -hört, man, daß die seit Oktober geführten Verhandlungen über die Gründungi eines jüdischen Staates in Palästina abgeschlossen seien. Amerika hat für. diese Zwecke gewaltige Geldmittel zur Berfügltng gestellt. Amerikanische Bevollmächtigte 'mit weitreichenden Vollmachten sind auf dem Wege nach Petersburg und London, um die Gründung des jüdischen Staates zu vollziehen. Jaffa voll den MlMndern besetzt^ D«r amtliche englische Heeresbericht. Am^17. November wurde Jaffa von australischen und neuseelÄndischen berittenere Truppen 0 hue Widerstand besetzt. Der Feind scheint seinen Rückzug nordwärts fortzusetzen. V Jaffa ist der Hasen von-Jerusalem, von dem die Stadt 50 Kilometer entfernt liegt. Der Hafen ist klein und derart voll von Klippen und Sandbanken, daß größere Schiffe nicht einfahren können und in zieirrlicher Entfernung vom Lande anlegen müssen. Die Stadt zählt etwa 30.000 Einwohner, von denen zwei Drittel Mohammedaner sind. Der Handel ist nicht unbedeutend. Neben der Stadt befindet sich die im Jahre 1868 von Wlirttem* bergern gegründete -deutsche Kolonie, die' sich eines guten GedeiheM erfreut. In der Nähe liegerr irr der schon im, Altertumn wegeiil ihrer'- Fruchtbarkeit gepriesenen Werre Sarorr die Kolonien?'Sätöna und -Mrkiveh Israel:?^ ' Mn SM drÄ Lprd Rpsebecy m PMWna gefallen. London, 19. Nov. Wie die „Central News' melden, ist Pas lioerata Mitglied des Unterhauses Atac Neil Primrose, Sohn des ^.arl of Rose d e r y und seiner Gattin Baronege Hannah Rothschild, in Palästina gefallen.- . - Schutz! fstr Jierusalem. Den Blättern zufolge hat die Zionistische Vereinigung in der Schweiz an oen in Bern weilenden Nunzius Karmnal Marcherti das Ersuchen gerichtet, der Papst möge beim Sulran ihre Birpe unterstem, Jerusalem durch eine neutratje Zone in einem Umrrersi von 30 Kilometern vor der Entweihung durch den Krieg zu schützen. Dasselbe Ersuchen-soll auch an die Berner Vertreter der Mittelmächte und der Entente gerichtet werden. Tier Mtisemitislmus in RuWand. Wessen maa die Juden beschuldigt. Gegenwärtig steht in Rußland, wie dem j.Temrps" aus Perersburg verratet wird, die Judenfrage wieder im Vordergrund der Zeitfragen. Sie ist sogar zu einer sehr ernsten Frage geworden. Die Pogromleute haben Oberwasser becommen und treiben mir erneutem. Eifer ihr Unwesen. Als. Grund für die Judenhetze muß die L-chwierigreir inder Lebensmittelversorgung der großen Städte herhalten. Die Bauern hüten ängstlich den Ertrag ihrer Wirtschaften und weigern sich, den Städtern etwas davon zuriommen zu hassen. Genug Anlaß, um mit den Fingern aus die Jstven zu werten und diese für chle Mangel der VerpsLegung verantwortlich zu machen. Einen ^günstigen Booen M alle Ausstreuungen gegen die Juden biwen die stundenlangen Ansammlungen vor den Lebensmittelgeschäften. Dre Langewerle ist groß, es wird viel . gefcywDft viel verd,ächtigl,.^ünd die Anträge gegen die Jnoen ist fertigt Bei der Erregung der wcenge oraucht es nicht viel, um es da und dort zn einem Pogrom komnlen zu lassen? - In den Kopsen der großen Menge lebt der Jude als der Sündenbock, der an allem schuld trägt, was dem republikanijchen Rußland an UnglüMMlen zustößt. Ter Jude trägt evenso schuld an der herrschenden Hungersnot wie an der Forroauer des Krieges. Vor allem sind es die Parteigänger des alten Regunech die die unlvissende Menge mit allen verfügbaren Mitteln zn verhetzen^ suchen, um die vorläusige Regierung nicht aus den Schwierigkeiten herauskommen zu lassen. Unter der Herrschaft des Zaren ließ man ja die Bewegung gegen die Jaden nicht zur Ruhe kommen, kein Wunder, daß die Disposition zu Exzessen beim Pöbel in unvermindertem Maße bestehen lni*b. Die Milche Bevölkerung lebt zum überwiegenden Teil in den Städten. Da ihr--der Zutritt zum Staatsdienst verwehrt war, mußte .sie sich naturgemäß auf den Handel und die Industrie werfen, wodurch sich selbstverständlich Beziehungen zu Deutschland ergaben. An diese Beziehungen kommerzieller Natur knüpfen daher die Agenten mit Vorliebe an. Als sich nach dem Gelingen der Revolution die neuen Parteien konstituierten, suchte man die Repräsentanten des Judentums nach Möglichkeit fernzuhalten. Trotzdem glückte es den.Juden, kraft ihrer Stellung in den industriellen und kommerziellen Organisationen, zu ihrem Rechte zn kommen und sich innerhalb dersozialistischen Fraktionen Geltung zu verschaffen. Und gerade die Juden find es, dje eingedenk der ehemaligen Willkür für eine 'möglichst gründliche Durchführung der revolutionären Ideen eintreten. -4, geht schon aus folgendem Umstand hervor: Vor ^der Revolution gab es zu jeder Partei eine korrefpondie-' ’ rende autonome Mische Gruppe. So gab es jüdische Ka- 03 OO fcdO