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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-11-02 · 42 (2.11.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
42 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 687 Hr. 12 Dr. Bloch's Wochenschrift ^ihres Volkes und ihrer Heimat gemeinsame Sache zu machen. Der Artikel in der Grazer „Tagespost" lautet: Ein allgemeines Zittern und Zagen hat die italienische Presse erfaßt: die sozialistische Partei, zusammen mit 'der neuen Partei der „47", die aber tatsächlich über hundert Mitglieder zählt, verlangt von der Kammer 'die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses über die italienische Presse, über jene Macht im Staate Italien, auf die das berühmte „intangibile" (unantastbar) des italienischen Königs noch mehr zutrifft als auf die „Roma intangibile". Wie kommt es, heißt es in der der Regierung überreichten Anfrage, daß trotz der.ungeheueren Steigerung der Papier- und sonstigen Preise immer neue Organe und Agenturen aus dem Boden schießen, die nachweislich gar keine Einnahmen aus Abonnenten und Anzeigen haben? Es bleibe nur der Verdacht übrig, daß diese Blätter aus unreinen inneren und ausländischen Quellen gespeist werden. Groß war das Wehgeschrei der Presse, zumal, da das große Turiner Organ, die „Stanipa", sich offen und kühn auf Seite der- Anreger stellte und porschlug, fcrian solle 'mit den.während des Krieges entstandenen Blättern den Anfang machen, um allmählich zu den großen Blättern überzugehen. Wer mit diesen Blättern gemeint ist, weiß jeder Kenner italienischer-! Dinge: es, ist in erster Linie die röünischs „Jdea Nazionale", die mit schamloser Offenheit die Interessen der Schwerindustrie vertritt ünd im Zerbst 1914 ebenso gerne, ja vielleicht noch lieber mit den Zentralmächten gegangen wäre, um nur ja das Land aus her schädlichen Neutralität in den nützlichen Kriegsstrudel hineinzureißen,. Die Sprache der „Jdea Nazionale" klang wenigstens bei Beginn des Weltkrieges durchaus dreibundfreundlich. Dann schwenkte sie aus „guten" Gründen ab. Neben der „Jdea Nazionale", dem Grotzorgan der nationalistischen Narren, steht die „Fronte interna" (die „Innere Front"), die so irrsinnjg schreibt, daß sie kaum noch von dem gleich pathologischen ..Giornale dei lavori publici", einem scheinbaren Fachblatt, das aber der französischen Botschaft gehört, übertroffen wird. Beide Schmutzblätter treiben es sogar der italienischen Regierung zu toll, denn sie duldet nicht, daß sie ins Ausland gehen oder im Auslande abonniert werden. Man schämt 'sich also dieser Tollhäusler, läßt sie aber gewähren, weil Man im Kampfe gegen die fortschreitende Ernüchterung des Volkes selbst den unbequemsten Verbündeten willkommen heißt. In Mailand ist es der berüchtigte ,.Popolo d'Italia", das gleichfalls bei Kriegsbeginn urplötzlich aus -er Erde gewachsene Organ des Narren Musolini, der eine Untersuchung dringend herausfordert: Gerade dies mit namenloser Leidenschaft geleitete und geschriebene Blatt, das die Mailänder Plünderungen auf dem Gewissen hat, bildet in Oberitalien die Haupt-, sänke der Entente und niemand kennt seine Geldquellen. Doch ist der „Popolo d'Italia" so schlau, tagtäglich lange Subskriptionslisten zu veröffentlichen, worin zahllose „Gleichgesinnte" jhren Obolus von 50 Centesim>i lhis 5 Lire zeichnen. Da und dort sieht man dann (was täglich geschieht) einen und den anderen , anonymen Freund", der 1000, 2000, ja selbst 5000 Lire schickt, abe^ wie gesagt, nicht genannt fein. will, . . Vermutlich wohnt der edle Gönner in Via Venti Settembre zu Rom (dem. Heim deS Sir Rennel Rodd) oder im Pala^o Farnese, wo Monsieur Barröre zu Hause ist. Da es im Interesse aller Feiglinge liegt, von Dem Mailänder Revolverblatt nicht angefaßt zu werden, so wimmelt es unter den begeisterten Spendern von Namen, die früher zu den ostentativen Freunden der Mittelmächte zählten. Da fanden wir neulich den Namen der früher in Bewunderung und Anbetung, Deutschlands aufgehenden Schriftstellerin Sofia Bist Albinj, die es nicht unter ihrer Würde hielt, ihren eigenen Sohn mit einer reichen „B arb arin" zu verheiraten, und die jetzt dem Mailänder Schmutzblatt ihren Beitrag schickt unter einem gleichzeitigen Fußtritt gegen Deutschland. Noch widerlicher freilich ist, wenn ein bis zum Herbst 1914 zum Vorstand des Deutschen ^Vereines i-n Mailand gehörender Deutscher, ein gewisser Hoflieferant G. Hermann aus Dresden, also ein „guter Deutscher", dem Revolverblatt, das täglich zur Lynchjustiz an allen in Italien lebenden Deutschen mahnt, 50 Lire sendet und dazu schreibt, dieser Beitrag gelte dem immer tatkräftiger zu führenden Kriege Italiens gegen Deutschland. Außer diesen Blättern mit höchst zweifelhafter finanzieller Grundlage soll die Enquete dann auch den Großorganen den Puls fühlen, dem „Corriere della Sera" und „Secolo" -in Mailand, dem „Giornale d'Italia" und -er „Tribuna" in Rom. Freilich würde da, wenn die Untersuchung mit drakonischem Geiste durchgeführt würde, vieles'ans Tageslicht kommen, was sich den berüchtigsten Skandalaffären der würdig zur Seite gestellt werden könnte. Man lese nur in den Akten des Prozesses der Banca di RoMana nach. ... Aber da es sich diesmal um „vaterländische", um „Staatsinteressen" handelt, und da das Geld Englands/, Frankreichs und Amerikas schließlich ^„alliiertes. Geld" ist, wird vermutlich die ganze Geschichte endigen wie eine Seifenblase. r h' Also so sehen sie .aus, die Glaubens- und Stammesgenossen der >,ReickMpost"leute in den Ländern der Entente,, Das verleutnderische. Schimpfen gegen die Huden ist abstoßend und widerlich ein heilig Opfer, bärgebracht dem Gott der Läge. Zum Wiederaufbau des Leopotdstädtrr Tempels. Ajm 27. Oktober 1917 um 6 Uhr abends farrd im Zeremoniensaale des Leopoldstadter TempeW eine Sitzung des Gesamtkomitees für den Wiederaufbau ^des Leopoldstädter Tempels statt. Tie Komiteesitzung war.sehr gut besucht und nahezu sämtliche Teilnehmer haben zu den verschiedenen Punkten der Tagesordnung gesprochen. Einleitend berichtete der Vorsitz,ende, Herr Dr. Theodor Gutmann jr., daß die Herren Louis . Freiherr von Rothschild, Philipp Ritter von Gomperz, Max Ritter von Gutmann und Si^wart Freiherr von Mayer-Ketschendorf in das Ehrenpräsidium des Komitees' bereitwilligst eingetreten sind, daß die eifrige Tätigkeit des Arbeitsausschusses.schönen Erfolg gebracht hat und daß die eingegangenen Spendenbeträge bereits den Betrag von 300.000 K. überschritten hoben. Der Vorsitzende hebt besonders hervor, daß die Aktion in den Kreisen der Industrie mit dem größten Wohlwollen ausgenommen wurde, wofür ja auch die zahlreichen und großen Zeichnungen laus diesen Kreisen sprechen. Mir aufrichtiger Genugtuung wird der hochherzigen Spende des Herrn Mschel. Benies, gedacht, der beispielgebend mit einer Zeichnung von 20.000 K. vorangegangen ist und sich auch bereit erklärt hat, im Kreise, feiner Freunde für unsere heilige Sache einzustehen. Herr Prokurist Georg dl er stein, welcher in . seiner Vertretung bei der Sitzung erschien, Machte dem' Vorsitzenden die Mitteilung, daß die persönlichen Bemjühungen des Herrn Benies bereits einen sichtbaren Erfolg, gezeigt haben,, indem Herr Baron Gustav Springer dem Wiederaufbau des Tempels eine munifizente Spende von 30.000 K. widmete. Ter Vorsitzende spricht unter lebhaftestem Beisalle der Anwesenden Herrn Benies sowie Herrn Baron Gustav Springer den wärmsten und innigsten Dank des Komitees aus. Der Vorsitzende macht auch Mitteilung, daß sich im Kreise vieler humanitärer Vereine eine Sammelaktion für den Leopoldstädter Tempel bildet. Das Komitee gibt einstimmig der Meinung Ausdruck, daß diese Art der Sammeltätigkeit gewiß nachteilig auf die Höhe des Spendeneinganges sein wird. Es wird daher beschlossen, den bisherigen Modus festzuhalten, wonach die begüterten Mitglieder der Gemeinde nach wie vor durch Abordnungen Des Komitees persönlich ausgesucht und uM ihre Zeichnung gebeten werden. Der Vorsitzende berschtet weiter,, daß der Erfolg bis heute ein viel größerer hätte sein können, wenn sich ans dem Greise des -großen Komitees warmsüjhjlendel Juden bereit gefunden hätten, sich der Propagandatätigkeit durch persönliche Tellncchme qnzuschließen. Die Ausführungen des Vorsitzenden wurden mit großem Beifall ausgenommen, worauf Se. Ehsrw. Herr Rahbiner Dr. Max Grün W ald die Bitte des Vorsitzenden um Teilnahme qn der Arbeit mit eindringlichen Worten unterstützte. Ganz besonders wirksam befürwortete.in einem zu Herzen gehenden Appell; Herr Bernhard Gold stein, daß die verschiedenen Branchen gruppenweise in ihrem Kreise rege Propaganda entwickeln sollen. Unter dem Eindruck dieser Ausführungen haben sich folgende Herren bereit erklärt, im Kreise ihrer Berufsgenossen zu werben» um den Wiederaufhau des Herrlichen Gotteshauses möglichst rasch zu bewerkstelligen.'^ Herr Eduard Ritter von o»

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