Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 42 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang XXXIV Dr. Bloch’s i I Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums O &======--£ O I? Q K. k. PoNsparkassrnamt Clcaring.V^rkchr: 810.976 00 Redaktion und Administration: Wien II/i, Pratcrstraste 9 Telephon: 45*359 o , cJ O 0— —• ■ - -- ---Q o -ooo- Wien, 2. November 1917 LrscKeint jecien kreitsg Brief-Adresse: Wien, I!/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie« 0(J=—^=:-- ~=öO p .. q Bezugspreis fnr Österreich Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare 50 Heller Anzeigen: Die 2mal' gespaltene Pelitzrile 48 Heller ö oO- —- - a Do Inhalt: Leitartikel: Der neue Antisemitismus. — Die allsonntägliche Judenhatz. — Zum Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. - — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Dreimal dekoriert. — Neuerliche Auszeichnung des Feldrabbiners Ignaz Löwy. — Neuerliche Auszeichnung des Feldrabbiners P. Tauber. — Rudolf von Engel-Janosfi. — Jom-Kippur in Plevlje (Serbien). — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Sitzung des Wiener israelitischen Kultusvor" standes voni 28. Oktober 1917 unter dem Vorsitze des' Präsidenten Dr. Alfred Stern. — Kaiser!. Rat Dr. Theodor Lieben sel. A. — Ein Nachwort zum Protestantentag. — Die Organisierung der österreichischen Judenschaft. — lieber Se. Exzellenz Djemäl Pascha. — Aufruf..— Die Kunst der Nadel. — Vermischtes: — Feuilleton: Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw. — Briefkasten. / ' — Inserate. . Der neue Antisemitismus. Von einem im neutralen > Auslande lebenden Landsmanne. Es ist als oft eine schwere antisemitische Bewegung hier in Oesterreich herausziehen wollte. Man meint es an einzelnen Vorstößen der christlichsozialen Partei und mancher ihrer Preßorgane %n merken, und man merkt es sicher an der Besorgnis in den indischen .Kreisen. Den Antisemitismus gänzlich ausrotten zu wollen, wäre vergebliches Bemühen; er ist in seinem Grundweftn eine Bewegung der Mehrheit gegen die Minderheit, verschärft durch die Abneigung der schwerarbeitenden Klassen gegen Handeltreibende, von denen man meint, daß sie im allgemeinen ein müheloses Dasein führen; und man sieht und kennt leider nur die handeltreibenden Juden. Komplizierter wird diese Empfindung durch! die große Verschiedenheit der Religion und der religiösen Feste, genährt durch den Brotneid und immer wieder angefacht durch den nicht aufzrHaltenden Auftrieb zu besseren Lebensbedingungen, der den Juden eigentümlich! ist. Was man so im allgemeinen von Rassengegenfätzen spricht, muß nicht unbedingt zur Feindschaft führen; aber immerhin: der Jude ist nun einmal .anderen Blutes als die Mehrzahl unserer Bevölkerung/ und er unterscheidet sich wie imMer er sich national einfühlt — von seinen Kulturgenossen. Damit haben sich die' nachdenklicheren Elemente im Judentum auch! abgefunden, ihr Leben darnach eingerichtet, so. daß sie mit.Bewußtsein und einem gewissen Stolz ihre Stammeszugehörigkeit oder Glaubensgeno.ssenschast tragen, an welcher die anderen einen Makel finden Möchten; ober es ist immerhin etwas Schiefes und Gequältes, in chrem Wesen, sobald sie der öffentlichen Kritik ausigesetzt sind, und eine gewisse Wehleidigkeit, hervorgerufen durch. Leid und Weh vieler Jahrhunderte, stört sie in der richtigen Beurteilung ihres Verhältnisses zu ihrer. Umgebung/ besonders! dann, wenn es sich um Konfliktzustände handelt. Nun leben wir Menschen über in fortwährendem Kampfe und fortwährender Reibung ■ mit unserer Umgebung. Wo immer der Jude hart angepackt wird,' ist er geneigt, den Griff seines Gegners für den Ausfluß einer antisemitischen. Gesinnung zu erklären; das erzeugt in ihm eine recht unglückselige schwäche und eine geringe Fähigkeit der Verteidigung, ja sogar der Selbstbehauptung. Es sind iM Kriege zahlreiche, vielleicht zahllose Juden im Dienste und außerhalb, in Erfüllung und tu Vernachlässigung ihrer Pflicht, höchst überflüssigerweise mit antisemitischen Schimpstvorten traktiert worden, die besser im Interesse des Heeres' und des Vaterlandes unterblieben wären. Aber welcher Nationalität ist nicht ähnliches passiert? Wenn niedrijgstehende Menschen ihrenr Unmut Luft machen, wenn sie ihre Brutalität bemänteln wollen,- dann suchen sie nicht nur in dem Benehmen ihre Opfer, sondern .auch in der Abstammung) in der Nationalität oder in der Religionsgemeinschaft ein Mäntelchen für ihre Roheit. Die Juden haben es gewiß in Spitälern, in Jnterniertenlagern und beim Verkchir mit den Behörden, besonders wenn Man ihnen das Judentum in Tracht und Kleidung anmerkt, nicht gerade leicht. Aber wir haben es ja miterlebt, daß die Flüchtlinge anderer Nationen noch viel Schlimmeres Mer sich ergehen lassen mußten, und wir wissen, daß die Militärbehörde Metall dort, wo sie verwaltungstechnisch einzugreifen hat, recht unglücklich operiert, weil die Moderne Verwaltung ihrem innersten Wesen eigentlich entgegengesetzt ist. Neu ist auch nicht die Art, wie einzelne Blätter, besonders die „Reichspost", Vergehungen einzelner Juden oder auch zahlreicher Juden zu verallgemeinern suchen. Man sollte sich daher auch diesen Aeußerungen gegenüber nicht allzusehr aufregen. Diese Blätter meinen, ihrem Publikum zu dienen, seinen Instinkten entgegenzukommen. Das hat auch sein ^Gures. „Sagt mir der Freund, was ich kann, sagt mir der Feind, was ich muß." Man lernt in solchen Fällen manches, unter anderem auch, wes Geistes Kind und welch seelischer Befrfcirtfwiii!eü dieser Leserkreis eigentlich ist. Und wenn es Wer treu zu Kaiser und Reich steht, zeichnet die 7. Kriegsanleihe.