Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 39 (12.10.1917)
- Date
- 1917-10-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 649 .Graz. Am 16. v. M., am Rüsttage des Rosch-Haschono- Festes, (fand Mr Preise Unserer Gemeinde eine in bescheidenem Rahmen gehaltene, dafür aber umso inniger empfundene Feier statt. An diesem Tage find gerade 40 Jahre abgelaufen, seitdem unser allverehrter Schuldirektor, Herr Anton Ungar, sein Amt als Lehrer unserer damals einklassigen Volksschule angetreten chat. Welch ungeteilter Beliebtheit und Wertschätzung der Herr Jubilar sich in unserer Gemeinde erfreut, davon gab die zahlreiche Beteiligung unserer Honoratioren bei der für 11 Uhr vormittags in der Wohnung des Jubilars angesagten Eratulationscour Zeugnis, Eingefunden haben sich der Vorstand und. Kultusrat unserer Gemeinde unter Führung des Präsidenten, Herrn Simon Ren di, die Vorstandsdamen pnd -Herren des Frauenvereines und der Ehewra-Kadisch'a, der Lehr- und Beamtenkörper und zahlreiche Gemeindemitglieder. Herr Präses R e n d i feierte in ausgezeich- . neter Weise in einer längeren Ansprache die Verdienste des Herrn Jubilars um die von ihm mit, so hervorragendem Erfolge geleitete israelitische -Volksschule in unserer Gemeinde, welche er bei seinem Amtsantritte in ihren bescheidensten Uranfängen übernommen, dieselbe durch rastlosen Fleitz und Eifer durch große Sach- und Fachkenntnis und endlich durch aufopferungsfähige Liebe zur Sache in einer Weise auszugestalten verstanden hat, so daß unsere fünfklassige, israelitische ^Volksschule nicht nur den Stolz unserer Gemeinde bildet, sondern auch von den Vorgesetzten Schulbehörden wiederholt und zuletzt am Schlüsse des abgelaufenen Schuljahres als eine Musteranstält belobt wurde. Redner wies ferner auf den innigen Kontakt tzwifchen Schule und Gemeinde hin, es sei nicht zum geringen Teile die Entwicklung unserer auf Achtung gebietender Höhe sich befindlichen Kultusgemeinde der unermüdlichen Tätigkeit und den Verdiensten unseres allverehrten Herrn Schuldirektors zuzuschreiben, sind doch die heutigen Balbattrm unserer Gemeinde und deren Damen tzum großen Teile aus der Schule des Herrn Jubilars heroorgegangen und haben bei ihm Betätigung jüdischen Sinnes' und, jüdischer Opferwilligkeit gelernt. Am Schlüsse seiner Rede überreichte Herr Präses R e n d i dem Jubilar im Aufträge des Kultusrates - ein namhaftes Ehrengeschenk. Der Jubilar dankte mit einigen schlichten und von tiefer Ergriffenheit zeugenden Worten für die >khm erwiesene Ehrung: Herr .Ignatz Adler, Präses der ' Chewra-Kadischa, Aberreichte Mit Worten des Dankes und der Anerkennung für seine 23jährige Tätigkeit als Sekretär der Cheryra-Kadischa. dem Gefeierten ein Ehrengeschenk, worauf Frau Präsidentin Eharlotte (Stern namens des Frauenvereines das Ergebnis einer Sammlung unter den einzelnen Schülern und Schülerinnen des Jubilars mit einigen innigen Worten der Ehrung überreichte. Es feierten ferner den Jubilar, durch Ansprachen Herr Lehrer Steiner, namens des Lehrkörpers,- Herr Oberkantor Horn in Vertretung des Beamtenkörpers, Herr Ignatz P o l l a k als lTempelvorsteher und Herr Dr. G u t m a n n als Landsmann und Jugendfreund. Am ersten Tage Rosch-Haschono fand in unserem Tempel eine kleine Nachfeier statt; der Jubilar wurde zur Thora gerufen. Herr Rabbiner Dozent Dr. Herzog hielt an ihn eine seine Verdienste -feiernde herzliche Ansprache und Herr Oberkantor Horn brachte einen von ihm selbst verfaßten Mischeberach zum Vortrage. Alle Mitglieder unserer Gemeinde begegnen sich in dem Wunsche, daß dieser edle, treffliche, bei seiner hervorragenden Wirksamkeit so überaus bescheidene und gerade deshalb .so sehr beliebte Mann unserer Gemeinde in voller geistiger und körperlicher Frische erhalten bleiben möge. „Ad m'eoh schonim." Oderberg-Vhf. Am 3. Oktober wurde hier die Leiche des allverehrten .Kultusvorstehers und Advokaten in Oderberg, Dr. Ferdinand E oldklang zu Grabe getragen. All zu früh, iM> 47. Lebensjahre, ist der Verblichene, der sich bei seinen Kollegen, sowie bei allen, die ihn näher kannten, der größten Beliebtheit, erfreute, seiner - Familie und der hiesigen Kultusgemeinde durch den unerbittlichen Tod plötzlich entrissen worden. Ein vornehmer! Charakter, korrekt im Denken und Handeln, liebenswürdig im Umgänge, gefällig gegen jedermann, ein edler Mensch, wie man ihn Heute selten findet, ist mit ihm dahingegangen. Auf das! schmerzlichste betrauert seinen Heimgang die hiesige isr. Kultus-: gemeinde, die erst vor-wenigen Jahren unter der tätigen Mithilfe des Verstorbenen gegründet wurde und -er derselbe mit großer Liebe und -Gewissenhaftigkeit ein stets verständnisvoller Leiter gewesen ist. In dem außerordentlich zahlreichen Trauergeleile waren erschienen: Herr k. u. k. Oberst Gabler und viele.Offiziere, Herr k.?. Bezirkshauptmdnn Dr. Baron, Herr k. k. OberkomMissär Dr. Kracrnac, Herr k. k. Bezirksrichter Dr. Leubner; die Herren: Bürgermeister Dr. Ott und Notar Dworzak, Herr kais. Rat Schoßberger, Herr Staatsbahnrat Freude n t h a l, Herr Vorstand. Grünhut, Herr Dr. med. T e i chm an'n. Durch verschiedene Herren waren vertreten das k. k. Bezirksgericht und das k. k. Steueramt. Ferner erschienen als .Vertreter der Kultusgemeinden Troppau, Freistadt, Teschen die Herren Kultusvorsteher Dr. Sonnenschein, Dr.. Meyer, Kultusvorsteherstellvertreter -Ignatz Klein, Rabbiner Dr. Spira und mehrere Herren der Kultusgemeinde M.-Ostrau, der Gesamtausschuß der hiesigen Kultusgem'einde sowie des hierortigen Frauenwvhltätigkeitsvereines' und viele andere. Vom Hause des Ver-i storbenen in. Oderberg-Stadt" begab sich der imposante Leichenzug zur Trauerfeier in den schwarz deflorierten Tempel in Oderbrstg- Bhf. Herr Oberkantor Gold mann leitete die Feier durch ein stimmungsvolles Gebet ein; hieraus hielt Herr Rabbiner Dr. Friediger eine ergreifende Rede. In der Leichenhalle wid-, mete im Aufträge aller befreundeten Kultusgemeinden Herr Rabbiner Dr. Spira, M.-Ostrau, dem Verstorbenen einen zu Herzen gehenden Nachruf. Am offenen Grabe gab Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Dr. Karl Ott als Vertreter der Advokaten seiner Trauer über den Heimgang des hochgeschätzten Kollegen Ausdruck. Hierauf nahm namens der Oderberger Kultusgemeinde Herr Kultusvorsteherstellvertreter Josef Zänker in tiefgerührten Worten Abschied von dem allverehrten Kultusvorsteher und Herr Dr. med. Diu s-k y, Oderfurt, rief seinem Jugendfreunde ein letztes Lebewohl zu. Hiemit schloß die eindrucksvolle Feier; allen aber, die ihr beiwohnten, wird das Andenken an Dr. Ferdinand Goldklang unvergessen bleiben. Linjz. Am! 14. b. M. hält Herr Dr. Elias Fisch aus Wien im! kaufmännischen Vereinshause einen Vortrag über das SelbstbestiMmungsrecht der Völker und der Zionismus. OeffenMche Tlanksagung. Tie in der hiesigen Gemeinde untergebrachten etwa 500 jüdischen Flüchtlinge sprechen hiemit dem nunmehr Fum Militärdienst als Feldräbbiner einberufenen ehrwürdigen Herrn Rabbiner Adolf Deutsch für seine als Obmann des Fluchtlingskomitees entfaltete unermüdliche Tätigkeit sowohl in materieller als auch kultureller und besonders in ritueller Hinsicht ihren wärmsten Dank aus. Zugleich danken sie auch dessen Nachfolger, den Herren Bürgermeister S. Eisinger und A. Weigel, die sich ihnen gegenübeir durch ihre väterliche Fürsorge bereits sehr ausWzeichnet haben, und hoffen, daß dieselben auch künftig volles Verständnis den Interessen der Flüchtlinge entgegenbringen werden. Kostet (Mähren), im September" 1917. " ' Äie jnchischen"Fl üdfttinge."" Feuilleton. Uaftali Her; Irnber. (Ter Dichter der „Hatikwa".*) Von Z. F. Fittkelfte in. Sogar -die Bettlergabe des Nachruhmes blieb ihm versagt. Ms der todmüde Dichter vor kaum sieben. Jahren im Atmenstübel eines Newyorker Spitales seine Seele aushauchte, da mochte ihm wohl die Gewißheit unsterblichen Ruhmes sein qualvolles Erdenleid herklärt haben. „Deinen Namen werden alle Sprachen nach deinem Tode verkünden", prophezeite er' einst selbstbewußt in einem seiner Gedichte. Ward doch seine „HatKwa" zum Sturm- und Kampfruf von Millionen. Ueberall, wo nur ein Judenherz schlägt, erklingen in Freud und Leid die majestätisch dahinrauschenden Weisen dieses Liedes, wie ein schmetterndes Jauchzen ewiger Hoffnungen. „Od lo awda. . .“ „Viele Menschen" — schrieb er an der Schwelle des Alters voll bitteren Spottes — „ergötzen sich an meiner Hatikwa' und gar viele Buchhändler erwarben sich durch ihren Vertrieb ein Vermögen. Aber was habe ich nach fünfzig Jahren meines Schaffens? Ich litt und leide noch heute unter einem grenzenlosen Elend." In Worten geißelnden Hohnes prägte er bei dieser -Gelegenheit das Wort von dem Undank des jüdischen Volkes feinen Dichtern gegenüber und gedachte voll bitterer Wehmut seines elenden Schicksals. Ruhm? Ehre? Anerkennung? Wenn er auch zeitlebens danach fast krankhaft lechzte, sie konnten ihn. nicht über Not und Hunger Hinweghelfen. Nur Erlösung aus materieller Not ist sein einzig Verlangen, denn von seiner Dichtergröße ward dieser naive Bohemien zeitlebens überzeugt und des Ruhmes bis zur Verblendung gewiß. Dies blieb seine ein- *) Aus dem soeben erschienenen reichhaltigen „Jüdischen Nationalkalender aus das Jahr 5678", herausgegeben von Otto Abekes Md Ludwig Dato. Verlag: Jüdische Zeitung (Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33); Preis 4 Kronen.