Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 39 (12.10.1917)
- Date
- 1917-10-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 645 Nr. 39 Dr. Bkoch's Wochenschrift ,!T!er neue Präsident der Prager Kültusgememde. Ms Prag wird geschrieben: Bei der am 16. September 1917 nbgehaltenen Sitzung der Kultusgemeinde- Repräsentauz wurde zum Präsidenten Herr Oderfinanzrat' Dr. Alois K o fern k gewählt. Overfinanzrat Dr. Alois K o se rä k entstcNnMt einer, alten, angesehenen Patrizierfamilie und wurde ,aM 30. November 1855 in Beneschau geboren. Er studierte am böhmischen Untergymnasium in Beneschau undsetzte seine Studien dann am deutschen Neustädter GyMnjäsium in Prag fort. Nach absolvierten juristischen Studien wurde er 1881 Beamter bei der Finanzprokuratur in Prag, ander er heute noch als Oberfinanlzvat wirkt. — Dr. Koserak ist seit dem Jahre 1909 Mitglied der Kultusgemeinderepräsentanz. Er ragte in dieser Körperschaft stets durch sachliche Arbeit hervor, betätigte sich fast 'in allen Kommissionen und Sektionen, und zwar vielfach an leitender Stelle. Sein umfassendes jüdisches Wissen ist ebenso bekannt, wie daß er ein ausgezeichneter Jurist ist. Die Wahl von Oberfinauzvat Dr. Koserak wird allgemein auf das wärmste begrüßt. _ - T>ie Hetze gegen Matvy. Der zurückgetretene französische Minister des Innern Malvy war auf Gxund der bedeutenden Ätellung, die. er in der.radikal-s0zi>alistischen Partei einnimML, der führende Vertreter der Linken iM Ministerium Ribot, dessen Sturz durch seinen Rücktritt verursacht wurde, wie in den vorangegangenen Ministerien Briand und Viviani. In dieser Eigenschaft und wohl auch wegen seiner jüdischen Herkunft war er von allem Anfang an ein Dorn im'Auge der reaktionären Parteien, die ihn offen und geheim auf das heftigste bekämpften. Insbesondere wurde ihm von' dieser Seite verübelt, daß er nicht gleich im -Anfang des' Krieges die Gelegenheit wahrnahm, gegen die'schon zuvor als „verdächtig",' das heißt Mehr oder weniger friedensfreundlich ausgezeichneten Persönlichkeiten mit Verhaftungen und anderen Gewaltmaßregeln vor>- zpgehen. In Wahrheit war der Grund des gegen ihn bestehenden Mißverignügens darin zu suchen, daß die Gegenwart dieses entschiedenen Linksrepublikaners in den Kriegsregierungen als das hauptsächliche Hindernis für die volle 'Erfüllung der reaktionären »Hoffnungen betrachtet wurde, die in Frankreich durch den Krieg wachjgerufen worden find. Das! war deutlich genug zu erkennen in der Erbitterung, mit der die royaliftische Presse gegen ihn agitierte, in deren Reihen namentliche die antisemitische „Action Francaise" fast täglich, den Rücktritt des Ministers des? Innern forderte. Mn Mischer SWtslftkretär in Rußland. Wie die „Utro Rossij" meldet, hat die provisorische Regierung an Stelle des bisherigen Staatssekretärs des Innern Schtschepkin das bisherige Mitglied des Bauernrates G u r e w i t s ch ernannt. Gurewitsch, für den sich der Minister des Innern Amkentiew einsetzte, ist Jude. der Recht s g a r a n t i e n für nationale jüdische Minderheiten, die Festsetzung der Uebergangsformen, die Gemeindeorganisation der russischen Judenschaft und die Sicherstellung der bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden in dem für unabhängig erklärten Polen, in Palästina und Rumänien. Tie Juden Jtatiensl an die Juden in Rußlarü). T>er GeMeindebund der italienischen Juden hat ein Schreiben an die' russischen Juden geschickt, dessen In-- halt wir hier wiedergeven: Der GeMeindebund der italienischen Juden begrüßt die lieben Brüder in Rußland irr der schönen Morgenröte ihrer Freiheit. Es ist ein feierlicher Moment für das ganze jüdische .Volk und für seine ganze Geschichte. Da ihr, unsere.Brüder aus Rußland, heute wie immer den gesundesten Kern des jüdischen Volkes bildet, da ihr mit eurer heldenhaften Ausdauer, eurer unauslöschbaren Hoffnung, eurer Treue zu den Idealen unserer Ahnen uns ein leuchtendes! und bewunderungswürdiges' Beispiel wart und die. Flamme des' alljüdischen Lebens aufrecht erhieltet, liegt euch heute die Pflicht ob, das Erbgut rein, den Namen und die Ehre unseres Volkes hoch zu halten. Wir sind ein altes Volk, dem die jahrtausendlangen Erfahrungen aus der Geschichte ein wunderbares Vermögen verliehen, die Dinge in ihrer nackten Wirklichkeit zu schauen: heute muß diese Gäbe sich als nützlich für das jüdische Volk im entscheidenden Momente der Weltgeschichte zeigen, damit es seinen Wert, seine sittliche Größe und die Rechte betone, die es auf alle geistigen und gesellschaftlichen Freiheiten hat. Heute müssen wir selbstbewußte Juden sein, mit geradem Rücken und stolzem Mut; fest vereinigt in der Heiligkeit und in der lG-röße unserer Forderungen. Wir, Juden Italiens', erwajrten .vom euch, daß ihr noch einmal zeigen. werdet.. wie Israel seine Pflicht erfüllen kann, und wie es, sHr das Wohl des Landes, in dem es' lebt, arbeitend, seinen Platz im Leben der Völker sich erringen kann. Die Geschicke Israels liegen in euren Händen. Wir danken euch im Namen unseres gemeinsamen Ideals und unserer uralten Hoffnungen, denn wir sind überzeugt, daß ihr für deren Erfüllung würdig arbeiten werdet. Vermischtes. PWftM-Bvrträg! in der „Urania". Samstag!, den 20. d. M., abends halb 8 Uhr, findet im großen Saale der „Urania" ein Vortrag des Heprn Rabbiners Dr. Grunw ald über „D a s h e u L i g e Palästina" (mit Lichtbildern) statt. Vorverkauf an der Tageskassa der „Urania". Wien. Freitag, den 12. d. M., abends 5 Uhr. findet im Tempel der Wrtifch-ifraelit. Gemeinde, 2. Bezirk, Zirkusgasse, Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Mar Grunwald statt. Tier pufsifchje Judenkongrest. Das neugebildete Jüdische Preßbüreau in Stockholm Meldet: Tie. Vorbereitungen zuM Judenkongreß in Rußland haben begonnen. Die Versammlung hat-den Zweck,, die Forderungen der Juden an die russische Konstituante und -an den Friedenskongreß der Mächte zu formulieren. Die Wahlen finden . Mitte Dezember statt. Alle Juden beiderlei'Geschlechtes' sind wahlberechtigt. Das Programm' des Kongresses umfaßt die Ausarbeitung des Grundsatzes , des nationalen Selb st b e st imMung s- . r echtes der Inden iRußlands, 'die Bestimmung der Form „Hilfskommission 1915" und .^Oesterreichisches Landes- Komitee" für Palästina. Wien. 4. Bez.. Frankenberggasse 14. Für die Evakuierten: Großrabbiner Moses Hager, Nagynyires Kr. 1000; Adolf Freund, -SeidenwarenfabrÄant, Wien, David Lederer, Kolomea, für Waisenhaus Safed, Rabbiner M. D. Groß, Seminarlehrer und Vorsteher unserer Hilfskommission in Jerusalem, Thoraspende je 100.—; SchuliM Auerbach, Wien 70; Brüder Eoldmann, Gold- und Silberwarenniederlage, Wien. Josefine Silberstein. Teschen, als Ablösimg des Seelenlichtes je 50.—; Rabbinat Nikolsburg von Rabbinat und H. Sonneirmark je 20; V. S\. 10.—, zusammen 50.—; M. Hautzig, Wien für Evakuierte und Kranke je 18.—, zusammen 36.—; Rabbiner Dr. H. Flesch, Stadt-Kanitz, Tenrpelspende 16.—, non Flüchtlingen <l2.—, von Gerda Flesch 6,—, zusammen 34.—; Hu-