Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 39 (12.10.1917)
- Date
- 1917-10-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Bette 638 < Dir. Bloch'§ Ich bin seit Mitte August 1915 emgerückt und nach einer , schweren Erkrankung lim .Oktober 1915 vorerst int Wiener Garnisonsspital Nr. 1, dann im Nekonvaleszentenheim am Cobenzl, im Rekonvaleszentenheim ^Jedlesee, Wenhärtgasse, in Pflege gewesen und dort Lin ich nach nochmaliger Konstatierung 'wegen allgemeiner Körperschwäche nnd Blutarmut als mindertauglich erklärt worden. Am 1. April 1916 erhielt ich eine Kommandierung als Schreiber in das Militärinvalideichaus in Tyrnau, Ungarn. , Dort blieb ich bis 25. Juli 1917, an welchem Tage ich nach vorangegangener Sichtung zu (meinem Regiment Nr. 83 nach Wien zurückkommandiert «wurde. Nachdem ich mich kaum ein wenig erholt hatte, doch lange kein Riese war, ging es mit mir nun -rasch abwärts. «In der vorigen Woche war ich deshälb bei der jMarodenvisite und gab dem ordinierenden Arzte an, daß ich mich so schwach fühle. Ich. wurde von ihm zur neuerlichen Konstatierung vorgeschlagen. Bevor (man zu dieser zugelassen, wird, muß man bei dem 83. Infanterieregiment dem Stabsarzt Herrn Dr. P r a g e r vorgeführt werden. Der Befund wird dort nachgeprüst. Dies (geschah auch bei mir und ich wurde trotz eines Vermerkes des mir gehässigen. Herrn Oberleutnants v. Traun, Infanterieregiment Nr. 83. zwette Marschkompagnie, zur Konstatierung auch jvom Stabsarzt vorgeschlagen. Die Bemerkung! des Herrn Oberleutnants v. Traun lautete: .„Dieser Mann ist sehr genau zu .untersuchen. Er scheint sich von der Märschkom-, pagnie drücken, zu wollen." Oberleutnantv. Tr a u n hat mir entgegen der gewöhnlichen .Hebung zum Besuch beim Herrn Stabsarzt einen Korporal mitgegeben. Mit diesem ging ich auf den Uebungsplatz zurück «und dort nahm der Herr Oberleutnant die Ordre des Herrn Stabsarztes an sich. Am Nachmittag desselben Tages hatte ich mit noch acht bis neun Soldaten zu einem Strafrapport zu erscheinen, weil ich einmal nicht ausgerückt war. Bei diesem Rapport bedeutete mir der Oberleutnant v. Traun, daß ich auf keinen Fall zur Konstatierung meines Leidens zugelassen .werde. Zu den Machtbefugnissen des Herrn Oberleutnants ge- - hört es, mir eine Ordnungssttafe zu (geben, aber keinesfalls, darf er sich als Sttafe gegen Mich ausersehen, daß er die Verfügung des Arztes und des Stabsarztes unbeachtet läßt. Ich kann aber Mit bestem Willen und aller Anstrengung den strengen Hebungen der Marschkompagnie (ich wiege genau 47 Kilogramm) nicht nachkomMen. Darum werde ich täglich beschimpft. Heute (wurde ich mit Kasernenarrest bestraft, anstatt daß man mir die gebührenden zwei dienstfreien Tage anläßlich der israelitischen Feiertage gegeben hätte. Das Vorgehen dieses Herrn ist auch der anderen Mannschaft, gegenüber ein sehr brutales. Nebst den (garstigsten Kraftausdrücken fehlt es auch ".nicht an Püffen und ab und zu an Ohrfeigen. Mich freut ein derartiges Leben Zweiter nicht Mehr und ich weiß, daß der (Mann beim Militär nicht recht behält. Darum beschließe ich mein Leben und suche den Tod in den Wellen der Donau. Oskar Grünberg, 83. Infanterieregiment, II. Marschkompagnie, XX. Barackenlager, Gasometer. Soweit der Brief. Nach den von uns eingezogenen «Erkundigungen mußte Grünber g an demselben Tage, da er diesen Abschiedsbrief schrieb, Sonntag, den 16. September, eine Stunde einzeln nachexerzieren, und Zwar im Beisein des Herrn Oberleutnants. Grünberg hat seinen Vorsatz, tatsächlich ausgeführt. Seine Leiche wurde Samstag, den 22. September, in Presto' bmH ans Land geschwenrmt. Er muß den Selbstmord in der Nacht vom Sonntag, den 16. auf Montag, den 17. September, vexüibt haben. Dias Begräbnis hat gestern Kn Wien stattgefunden, wohin die Angehörigen Grünbergs die Leiche bringen ließen. . An dem Tode «Grunbergs ist nicht lallein das System, auch die schwächlichsten und, für den Militärdienst völlig ungeeigneten Menschen Zu mustern, schuld, son-» dern in letzter Linie ist der Tod Grunbergs auf die Hinte r l a nd s sch ne i digk e i t des. Oberleutnants von Traun zurückzusühren, der offeribar aus dienstlichen Gründen keine andere Gelegenheit findet, seinen Schneid Zu erweisen. Die Unterzeichneten fragen daher den Herrn Landesverteidigungsminister: 1. Ist der Minister der Ansicht, daß Oberleutnant v. Traun des Infanterieregiments Nr. 83, Zweite Marschkompanie, seine B e f u g n i ff e A b« e r schritten und sich g^en das Dienstreglement vergangen hat, indem er den Befund des! Kompagnie- und des Stäbsarztes geflissentlich mißachtete? 2. Wenn ja, ist der Minister willens zu veranlassen, daß Oberleutnant v.. Traun der e n t sprechenden Wochenschrift - Nr- 39 S t r a s e z il g e f üh r t. und daß dem Hause der Abgeordneten überdie Strafverfügung Bericht erstattet werde? ' 3. Ist der Minister willens, in seinem Wirkungskreis und über' diesen hinaus anregend beim Kriegs>- Ministerium dafür zu sorgen, daß der gröbliche Unfug, den leider noch! iMnrler sehr viele Offiziere treiben, daß, sie- Leute bestrafen,' die'sich! Zur Marod envisite Melden, ohne den Arizt (zu befragen, endlich beseitigt werde? KriegsdekoraLionen jüdischer Ksstziere und Soldaten. Seine Majestät der.Kaiser hat verliehen: das KoMtnrkrenZ des« Fr-anz Jofef-Ord e n s mit der Kriegsdekoration in Anerkennung vorzüglicher . und aufopferungsvoller Dienstleistung vor^ denr Feinde dem GeneralstäbsprZt D«r. Gottlieb Arnstein, Garnisonsspital; - das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration und den Schwertern in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde deM Regimentslarzt d.! Res. Isidor Deutschung. Ldwreg.; . ' das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde deM Major a. D«. Jakob Trebicz, QuartierMeisterabt.; in Anerkennung vorzüglicher und ausopfernnjgsvvller Dienstleistung vor denk Feinde den RegiMentsärzten D«r. Hugo S t ö ßl e r.Feldspital; D«r. EMil Wachtel, Feldspital; das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern für tapferes Verhalten dem Oberleutnant ja. Da Dr. .jur., Karl Singer. Bez.-Kdo.; dem Leutnant d. R. PhilippGr-ün, J.-^R.; dem Oberleutnant d. R: Siegfried Pick, schweres Feldart.-Reg.; den Leutnants d. R. Wilhelm Taußig, Schützenreg.; Wilhelm P o r t u g a l l, Schützenreg.; Oskar Funk, ung. Ldwreg.; deM Ldst.-Oberleutnant T«r. Ed- Mund Gold, unjg. Ldwreg.; > das Militär v e rdien stkr euZ 3. Kl asse mit der Krieg'sdekoration in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor deM Feinde dem« Ldst.Äberleutnant Artur Deutsch, Feldbahn; angeordnet/ daß zum zweitenmal die neuerliche Allerhöchste belobende Anerkennung bei gleichzeitiger Berlechung der Schwerter ausgesprochen werde dem Oberleutnant d.; R. Dir. jur, Moritz Gl l ü ck l ich, Res.'-Feldtänonenregiment; verliehen: das silberne Signum laudis. bei gleichzeitiger Verleihung der Schwerter (Neuerliche Allerhöchste belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde deM Oberleutnant d. R. Dr. jur, Adolf S ajo (Schönfeld), J.M.; deM Leutnant d. R. Ernst Sonnenschein, FeldkanonenrM; Gustav Klinger, Feldkan.,-. Reg.; dem Oberleutnant d. R. Ernst Gottlieb', Feld^ kanonenregiment; Otto Spitzkopf, Km«dt. einer Staffel; dem Stabsarzt D(r. Hermänn.Wolfenstein, J.-R-; dem Ldst.--Jngerrieur Ernst Rosenzw erg, Kmdt.. einer BankoMp.; den Leutnants! b. R. Samuel S eb essy, Samuel Karrest ung-. Ldwreg.; das silberne-Signum lau dis mit der Kriegsdekoration (Neuerliche 'Allerhöchste belobende Anerkennung) dem Oberleutnant b. R. Heinrich! D r u ck e r, Befest^-jGrnppe; dem Ldst.-OLerleuLn,ant..Siegmund Mage n, ung, Ldwreg.; für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde deM Oberstabsarzt