Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 39 (12.10.1917)
- Date
- 1917-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums Liiyrgling XLXlV «r. 39 -OOO-- Wim, 12. Oktober 1917 Erscheint jeden Freitag . Brief-Adreffo: Wien N/i. Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien 0(7 r? =ÜO o Bezugspreis für Österreich Halbjährig 1V Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare öO Heller Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller OCh CJ -OO O CF p K. k. Postsparkassenamt Clearing-Verkehr: 810.976 OO Redaktion und Administration: Wien Uh;. Praterstraße 9 ■ Telephon: 45*359 O Q-——---— DO C\ £)o Inhalt: Leitartikel: Zum Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Gedenktage. — Aus der Woche. — Die Ausweisung der - „Fremden" aus Budapest. — Minister Dr. Vazsonpi bei Kol Nidre. — Ein jüdischer Invalide. — Ein Soldaten'elbstmord. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten? — Dr.'Rudols Ritter von Schwarz-Hiller. — Sonstige Auszeichnungen. — , . Auszeichnungen in der Kriegsmarine. — Ernennung aktiver Offiziere. — Auszeichnung iin Postdienste. — Auszeichnung jüdischer Schulleiterinnen. —Auszeichnungen für patriotisches Verhalten vor dem Feinde. — Auszeichnung eines Brüderpaares. — Sechs Söhne und drei Schwiegersöhne. — Goldene Tapferkeitsmedaille. — Jüdische Tapferkeit. — Ehrentafel für Gefallene. — Auszeichnung nach dem Tode. — Ein Neujahrs-Feldpostbrief. — „Roschhaschono im Felde". Bilder aus dem besetzten und befreiter Galizien. — Wer ist der Geisteskranke? — Korrespondenzen:- Wien. — Eine Anregung. — Aufruf! — Aufruf der Kriegermütterkassa der ^Weiblichen Fürsorge". — Der neue Präsident der Prager Kultusgemeinde. — Die Hetze gegen Malvy -- Ein jüdischer _ Staatssekretär in Rußland. — Der russische Judenkongreß. — Die Juden Italiens an die Juden in Rußland. — Bermischtes. — Feuilleton: Naftali Herz Jmber. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Zum Wiederaufbau des Kropotbstädtrr Tempel«.. " Vor Fehlern warnen ist nie verfrüht. Wenn auch die 'Aufbringung der Kosten für die Wiedererrrchkmtg unWÄ Gotteshauses auf deM Wege freiwWger Spenden erst begonnen hat, so sind doch^Mr 'Aufklärung. des Publikums schon heute einige Mitteilungen Mer das Ziel, das dein Unternehmen vorschweben muß, unerläUich. Gewiß wird von der Höhe des Ertrages der Sammlungen sehr viel, vor allem! die Entscheidung, in welchen Dib mensionen und aus welchem Material gebaut werden soll, äbhMgiig.sein. ^.Hierüber dürfte Man etwa im Februar einen ungefähren Ueberblick gewonnen haben. Es besteht die Hoffnung, daß aMann bereits, um nicht den kommenden Sommer' unbienützt vorMergehen zu lassen» an die Ausführung eines Bauprojektes wird geschritten twerden können. , Jetzt steht jedenfalls bereits unumstößlich fest, daß die Baupolizei gegen den. Wiederaufbau in der alten Form ihr Veto einlegt. Es fehlten .die erforderlichen .'Ansgänge, zumal von den .Frauengalerien. Ferner ist -der Hof Wischen dem! alten Gebäude und. dem Seitentrakt, .in dem die Jsraelitisch--theologische Lehranstalt untergebracht ist, geradezu eine Mausefalle. Der Ausgang dieses Nebenhaues hat nur ein Vor in einen schmalen Hof, der seinerseits wiederum nur durch ein Pförtchen mit der gleichfalls beängstigend engen Tempelgaffe in. -Verbindung Wht. Eine Verspätung, der Feuerwehir um wenige Minuten hätte die vollständige Vernichtung dieses Hauses samt Insassen und der wertvollen Semrnarbibliothek mit ihven unersetzlichen -Schätzen imverMeidlich zur .Folge gehM. —? Weitere / Ueb'elstände im alten Tempel waren, wie allgemein anerkannt wird die Mangelhafte Akustik, die verfehlte KanlzelanlcW, die Sichtbarkeit des Synagogenchores, der Mangel an Garderoben, an einem entsprechenden Wintertempel, die Anlage des ZereMonienfaales derart, daß Brautpaare auf dem Wege zum Tempel oft die — Klosetts passieren mußten, deren Unterbringung und Zustand übrigens jeder Beschreibung spottete. Soll nun nicht ein Flickwerk entstehen und ein Werk, das für die fernste Zükunst bestimmt sein muß, als Krüppel zur Welt koMMen, so lassen sich unter keiner Bedingung zwei Gesichtspunkte ausschalten. Der Tempel in seiner allen Gestalt erwies sich als zu klein. Es entsprach nicht einmal die Anzahl der Frauensitze jener der Plätze iM MännerrauM, so daß vielfach Mann und Frau nicht zugleich Plätze erhalten konnten. Auch waren viele dieses ungenügenden Fassnngsraumes wegen genötigt, sich füjr die hohen Feste in einem der für diese Tage gemieteten Aushllss'-Betlokale sich ihren Sitz zu mieten. Diese bieten vielleicht bessere Ventilation als der Tempel, find aber doch gewiß nicht als Andachtsstätten nach jedermanns GefchMack. Der neue Tempel muß somit unbedingt mehr Sitze enthüllen, zum mindesten soviel wie per!in lder Tabäkslgasse iu sBndapest, pber keineswegs auf Kosten der Bequemlichkeit. Es darf im Gegenteil der Tempel hierin den modernsten Konzert- und Theaterbauten in keiner Hinsicht nachstehen. Ferner kommt für die Anlage in Betracht, daß ein LäpgWcm von der Tiefe des' eckten Tempels im Interesse der Akustik als, ausgeschlossen gelten muß. Maßgebend hiefür seien die ampWheatralisch gebauten amerikanischen Synagogen der jüngsten Zell. Gewiß verlangt man von einem Gvtteshäuse eine schon durch den Ban selbst erzeugte Stimmung. Doch jedes Sicheinschwören aus einen der jetzt in Westeuropa für Synagogen be-- liebten Baustile würde unserem Tempel vollständig den bei aller Feierlichkell freundlichen Gesamteindruck benehmen, der ihm! seine E^uart gab. Der maurische Stll, möglichst bis ins einzelne nach dem Muster des Men Tempels getreu, wird für den Antzenbau beMbehalten sein. Der Jnnenbjau darf iaber keineswegs einer anderen Rücksicht als der möglichster Steigerung der natürlichen Beleuchtung, vor allem durch Oberlicht, und einwandfreier Akustik unterliegen.