Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 37 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 37 Dir. BLoch's. Blattes „Unser Leb en" erhob Persönlich Vorstellungen bei Bratianu in Jassy. Der rumänische Ministerpräsident wies darauf hin, daß vorläufig-keine verfassungslmäßigen Grundlagen vorhanden seien, um die Lage der Juden zu erleichtern. Er höre zum erstenmal durch den ihm von der Abordnung berichteten Einzelfall, daß besondere Grausamkeit gegen die jüdische Bevölkerung ausgeübt werde. Auf. Grund dieser Auskunft verzichtete die Deputation daraust die von Bratianu vorgeschlagene Audienz; beim König nachgusuchen. KriegsterichtersAtter BreWo-Breszkonski Wer die wahren Vorgänge in Kalusz. Im Zusammenhänge mit einer Mitteilung des Arbeiter- und Soldatenrates in der „Jzwestia" über die von den russischen Soldaten in Kalusz und Stanislanow verübten Greueltaten veröffentlichen die „Birschenija Wiedonosti" einen Artikel. ihres Kriegskorrespondenten Breszko-Brestzkonski mit der Ueberschrift: „Die Wahrheit über die Grausamkeiten in Kalusz", in dem es u. a. heißt: ' „Eine betrunkene, Zügellose Masse von 8000 Soldaten veranstaltete nicht nur einen Judenpogrom: in der.gantzen Stadt blieb kein Stein auf dem anderen und kein einziges Menschenleben unversehrt... Der Korrespondent der „Jzwestia" teilte mit, daß einem Juden, der der Hölle'entrinnen wollte, 7000 K. geraubt wurden. Mehr Gott, wasfür Kleinigkeiten! Wieviel Juden, Ruthenen und Polen wollten ihr Hab und Gut retten,'verbargen ihr Geld in kleine '-Säckchen und hingen sie ihren Kindern um den Hals in der Hoffnung, daß die entmenschten Räuber wenigstens 'die Kinder schonen würden. Aber auch das half nichts. Sie rissen den Kindern die Kleidchen von den Leibern, plünderten sie aus, vergewaltigten die kleinen Opfer auf offener Straße'mnds'^-'-vierteilten-sie-:- Die Soldatenbeschossen einer den anderen, schossen auf die in Todesangst duvchi die Straßen laufenden Opfer, die mit Mitrailleusen buchstäblich, niedergemäht wurden. . . Dort, neben den Leichnamen der ermordeten Opfer, wälzten sich auf der Erde betrunkene Soldaten. Der Kommandant der Kaükasus-Division. Fürst B a g r a t i m, entsendete unter dem Kommando des Fürsten Aga low und Radiani zwei Kompagnien in die Stadt, um dem wüsten Treiben ein Ende zu bereiten.. Mehr als zwei Kompagnien konnten. nicht geschickt, werden, weil die Division sich auf einer sehr bedrohten Stellung befand. Aber von den abkommandierten. Kompagnien kämen bloß 80 Kosaken , bis' in die Stadt hinein. Was konnten 80 Kosaken gegen.4000 tobenden Menschen ausrichten? DM gütige Zureden wurde nicht beachtet. Im Gegenteil: es wurden bald wilde Rufe hörbar: „Wir stechen euch alle nieder!" ... _ _ Inzwischen brannten die Häuser in der Stadt, die sich teils durch-die- Geschosse, teils infolge Brandlegung enWndet hatten. -Die weiteren Geschehnisse erzählt Fürst Darsiani wie folgt: Weder in den grausigsten Schlachten, noch im Hö.llenkamps der Artillerie habe ich solche Schrecknisse durchgemacht, wie in Kakus^! Bor allem, diese Hilflosigkeit! Wo ich nur konnte, war ich bemüht, den Mörder zu Zügeln, aber ich war machtlos. Aus einem Hanse chörte ich. so herzzerreißendes Schreien um -Gnade, daß ich hineinstürzte. -Bor meinen Augen entrollte sich das Bild eines wilden, fanatischen Pogroms. Auf dem Boden lagert die. kalten. Körper der massakrierten Bewohner des Hauses.- Während einige, eine Frau zu Tode peinigten, machten andere alle Anstrengungen, mit dem Gewehr einen Schrank!zu sprengen., Ich. schrie die Leute an: „Halt! Was sucht ihr?" Verwilderte Gesichter glotzten mir mit starren Blicken entgegen,: „Wir suchen eine Bombe im Wochenschrift Seite 611 Schrank: siehst dn's nicht? Schar:, daß du weiterkommst!" Fm selben Augenblick waren auch schon die Bajonette gegen mich gerichtet. Selbst wenn ich zwei oder drei dieser Räuber miedergestreckt hätte, würden mich-, die übrigen niedergestochen haben." Fürst Dariani erzählt dann, wie er einige Mi^ rruten später sich, -zusammen Mit dem Fürsten A g a l o w in einer noch schrecklicheren Lage befunden habe, als die Infanteristen die Kaukasier umzingelten und sie aufforderten, in die vordersten Stellungen znrückzugehen und die Stadt gegen die anvückenden Deutschen zu ver-. leidigen. Während also die Kaukasier gezwungen wäre::, äbzüziehen und in die vorderste Feuerlinie zurückzukehren, blieben diese wilden Geschöpfe in der Stadt urrd setzten ihr Mordwerk fort. Dabei gingen sie so weit, daß sie mit dem Gewehrkolben aus den Zähnen der toten Körper die Goldplomben herausschjlngen. Breszko-Bres'zkonski schließt seinen Bericht mit folgenden Worten: - „Das ist die Wahrheit über den schmutzigsten Schandfleck der russischen revolutionären Armee, eine Wahrheit, welche die Deutschen bekanntlich auch tüchtig ausgenützt haben. Am nächsten Tag wurde Kalusz vor: der: Deutschen besetzt, die massakrierten, zerfetzten Leiber der ermordeten Kinder, Frauen und Greise sofort photographiert. Und die Zeitungen veröffentlichten Artikel mit der Ueberschrift: „Das ist die Freiheit, welche die russische revolutionäre Armee verbreitet!" Was kann man darauf antworten? Leider gar nichts. Man muß schweigen, schweigen, mit zusamMengepreßten Zähnen schweigen und schließlich hinausschreien: Wenn ihr nicht wollt., daß die Untaten von Kalusz und Tarnopol sich wiederholen, wenn ihr nicht wollt, daß die russische Armee, die sich friedlichen Bürgiern gegenüber so schauerlich verlMt, vor den Deutschen wie eine Schafherde Reißaus nehme,' dünn 'KM'-' der" russischen Armee"ihre frühere Kampffähigkeit wieder und stört nicht General Korn il'ö'w in der Einführung 'feiner "eisernen Disziplin. Hindert es nicht, denn sonst geht Rußland unter. . Vermischtes. Wien. Obwohl die „Oesterr. Wochenschrift" wöchentlich an viele hundert Freiexemplare ins Feld serrdet. gibt es noch iMnrer sehr viele Soldaten, deren Wunsch nach der Lektüre unseres Blattes unerfüllt, bleiben muß. Wir stellen daher an unsere Leser das höfliche Ersuchen, die gelesenen NuMMern den: Expedit der Wiener i s r. Kultus gemeinde. 1. Bezirk, S eiten stettengasse 4, zu übergeben, das gern die Weiterbeförderung an unsere Soldaten im Felde übernimmt. Sicherlich werden viele unserer Abonnenten sich bereit finden, sich den herzlichsten Dank unserer Krieger zu erwerben. * Die Administration der „O österreichischen Wochenschrift". Spende. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwakd erhielt folgendes Schreiben: Beiliegende 10 K bitte ich als Baustein dem Vorstand des Leopoldstädter Tempels zu übermitteln. Wir Juden geben für so viel Zwecke und jetzt soll es sich zeigen, ob die Inder: auch an sich selbst denken, ob das Komitee diese dazu bringt, den Wiederaufbau raschestens zu fördern. Ich wünsche nur aus ganzem Herzen, daß viel Gleichgesinnte im Felde sein mögen. Max Semberger, Rechn.-Nnterosf., dz. im Feldes